https://www.faz.net/-gtl-7skzl

Kugelstoßer David Storl : „Für 22 Meter bin ich bereit, mir weh zu tun“

  • Aktualisiert am

Seine Welt ist die Kugel: David Storl ist in Zürich der Topfavorit. Bild: dpa

In Zürich will er den EM-Titel: David Storl spricht im F.A.Z.-Interview über die Zukunft von Marktplatz-Meetings, seine persönliche Schallmauer, alte Kugelstoß-Zeiten und die Tücken des letzten Kicks.

          5 Min.

          Der zweimalige Weltmeister David Storl hat die Kugelstoß-Qualifikation bei der Leichtathletik-EM in Zürich souverän gemeistert und geht als Topfavorit in die Medaillenvergabe am Dienstagabend. Der 24-jährige Chemnitzer kam zum Auftakt der Titelkämpfe im Letzigrund-Stadion im ersten Versuch auf 20,76 Meter. Zuvor spricht er im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Wie gefällt Ihnen, dass Kugelstoßen rausgeht aus dem Stadion und dem Stabhochsprung auf die Marktplätze folgt?

          Bei der deutschen Meisterschaft hat der Deutsche Leichtathletik-Verband uns vor dem Ulmer Münster starten lassen, um zu zeigen, was er für Top-Athleten hat. Das war eine coole Nummer. In Zürich bei der Diamond League haben wir in der Vorhalle des Bahnhofs gestoßen. Da hat man den Wettbewerb und das Publikum für sich. Mir geht es auf die Nerven, wenn wir in einem Diamond-League-Wettkampf ständig warten müssen, weil irgendwelche nationalen Läufe über hundert Meter gestartet werden. Zu einer Veranstaltung auf dem Marktplatz kommen nur die, die es wirklich sehen wollen, nicht die, die nur wegen Usain Bolt da sind.

          Ist das ein Trend?

          Die Meeting-Direktoren erkennen, was für ein großes Entertainment-Potential im Kugelstoßen steckt, auch wenn mir national ein bisschen die Konkurrenz fehlt. In Biberach stoßen wir auf dem Marktplatz. In London hatten wir, weil das Stadion geschlossen war, einen Riesenwettkampf auf der Horse Guard Parade. Das muss die Zukunft sein. Ein großes Meeting mit allen Disziplinen kann doch kaum jemand bezahlen, auch weil die Sponsoren fehlen. So ein Angebot für Spezial-Meets müsste es für jede Disziplin geben. Es ist auch eine Chance für Regionen, die mit ihren Sportlern verbunden sind.

          Drei Olympische Spiele hätten Sie noch vor sich, sagt Ihr Trainer Sven Lang. Und einen einzigen Titel, den Sie noch nie gewonnen haben im Gegensatz zu Weltmeisterschaft und Europameisterschaft.

          Erst einmal möchte ich sagen, dass ich den besten Trainer der Welt habe. Und dann: Vielleicht mache ich sogar noch vier Olympische Spiele mit. Wer weiß das schon. Darüber schon heute zu spekulieren, ist aber müßig. Und wenn ich endlich auch Hallen-Weltmeister werde, bin ich der erste Leichtathlet, der alle WM-Titel gewonnen hat, die möglich sind, von der U18 über die U20 bis zum Erwachsenenbereich. Der Titel fehlt mir noch. Und natürlich der Olympiasieg. Für den ultimativen Titel quäle ich mich seit meinem vierzehnten Lebensjahr jeden Tag.

          Ist das die Motivation: die Sammlung vollständig zu bekommen? Brauchen Sie Motivation?

          In den vergangenen zwei Jahren habe ich nur zum Saisonhöhepunkt gut gestoßen. Ich hatte die Einstellung, dass die anderen Wettkämpfe nicht wichtig sind, sondern einfach Arbeit. Nun ist das Grundniveau gestiegen. Seit neun Wochen stoße ich in keiner Einheit im Training unter 21 Meter. Das ist ein ganz anderes Bewusstsein, wenn man in einen Wettkampf geht und weiß: Ich stoße bestimmt 21 Meter.

          Ist die Weite wichtiger oder der Titel?

          Bei den Europameisterschaften stoße ich wieder gegen den zweimaligen Olympiasieger Tomasz Majewski. Ihn und all die anderen zu schlagen, ist natürlich das Allerwichtigste. Trotzdem möchte ich endlich 22 Meter stoßen, so weit wie noch nie. Die Titelverteidigung mit dem Durchbrechen der Schallmauer von 22 Meter, das wär’s.

          Was sagen Sie zu 23,12 Meter?

          Nicht schlecht. Das ist schon mal eine ganz andere Hausnummer.

          Der amerikanische Riese: Kugelstoßer Christian Cantwell

          Ist eine solche Weite, mit der 1990 Randy Barnes den Weltrekord von Ulf Timmermann übertroffen hat, heute erreichbar?

          Als diese Frage bei der Team-Europameisterschaft aufkam, sagte Tomasz Majewski, dass Christian Cantwell das stoßen könnte. Ich persönlich sehe das nicht so.

          Können Sie 23 Meter erreichen?

          Wenn ich mich erinnere, wie schwer es mir gefallen ist, die 21 Meter zu erreichen, stehe ich jetzt mit den 22 vor derselben Situation. Mittlerweile habe ich mich auf dem Niveau stabilisiert. Mal sehen, in fünf, sechs Jahren werde ich bestimmt stabil über 22 Meter stoßen. Man wird ja älter. Und besser. Nichts ist unmöglich.

          Wie blicken Sie auf die Leistungen aus den Doping-Jahren zurück: Hätte man sie streichen sollen zur Jahrtausendwende und bei null anfangen?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Neuer Kandidat bei Demokraten : Ein Neuer für die Mitte

          Das Feld der demokratischen Präsidentschaftsbewerber ist gut gefüllt. Trotzdem macht nun noch ein Neuer mit. Der Einstieg Deval Patricks hängt auch mit der Unzufriedenheit vieler Großspender mit den bisherigen Kandidaten zusammen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.