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EM in Rotterdam : Springreiter holen Silber

  • -Aktualisiert am

Am Ende überwiegt die Freude über Silber: Die deutschen Reiter Christian Ahlmann (l-r), Daniel Deußer, Simone Blum und Marcus Ehning. Bild: dpa

Mit etwas mehr als einem Abwurf zu viel verpassen die deutschen Springreiter den EM-Sieg. Die Silbermedaille sichern ausgerechnet die beiden, die am Donnerstag noch patzten.

          Mit etwas mehr als einem Abwurf zu viel haben die deutschen Springreiter den Europameistertitel verpasst. Insgesamt 16,22 Fehlerpunkte reichten aber immerhin noch für die Silbermedaille hinter Belgien (11,07 Fehlerpunkte) und vor Großbritannien (21,41).

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Bei dem schweren Springen am dritten Wettkampftag in Rotterdam zeigte sich das umgekehrte Bild zum zweiten: Weltmeisterin Simone Blum (Zolling) mit ihrer souveränen Stute Alice handelte sich in der Mitte der sehr eng gebauten dreifachen Kombination einen Abwurf ein, Schlussreiter Daniel Deußer patzte mit seinem kleinen, kampfbereiten Hengst Tobago Z am Aussprung der Zweifachen. Die Silbermedaille sicherten die beiden, die sich am Donnerstag noch Abwürfe eingehandelt  hatten: Christian Ahlmann (Marl) mit Clintrexo und Marcus Ehning (Borken) mit Comme Il Faut, die mit ihren sehr konzentrierten Ritten fehlerfrei blieben.

          Erstmals seit 2015 in Aachen gewannen die Deutschen EM-Silber, den Titel holten sie zuletzt 2011 in Madrid. „Ich bin super zufrieden“, sagte Bundestrainer Otto Becker. „Wir hatten zwar nach oben geschielt, aber es geht an der Spitze so eng zu, dass es auch ganz schnell in die andere Richtung hätte gehen können.“

          Simone Blum ärgerte sich über ihren Fehler, dessen Vermeidung allerdings am Ergebnis nichts geändert hätte: „Es war unheimlich eng für Alice. Sie hat unheimlich gekämpft, um doch noch drüber zu kommen. Das war ein Reiterfehler, den nehme ich auf meine Kappe.“ Der in Belgien lebende Wiesbadener Daniel Deußer sah sein Malheur gelassener: „So ist der Sport.“ Er hatte mit Tobago schon auf dem Weg zur Zweifachen Tempo verloren, und so ereilte ihn das Schicksal am Aussprung, einem breiten Oxer. Durch den Fehler verschlechterte er seine Ausgangsposition für das Einzel-Finale am Sonntag. „Es wird sich noch zeigen, wie teuer das war“, sagte er. Beim Springen über zwei schwere Parcours kann sich noch viel ändern. Deußer rangiert mit etwas mehr als einem Springfehler Rückstand auf den ersten Platz auf Rang sieben, Simone Blum direkt dahinter. In Führung liegt der Brite Ben Maher mit seinem phantastisch springenden Fuchswallach Explosion, dessen Name Programm zu sein scheint.

          Christian Ahlmann, in der Einzelwertung mit Clintrexo auf Rang 14, gelang eine sehr durchdachte Runde, allerdings zeigte sich, dass der Titelkampf sein erst zehnjähriges Pferd schon viel Power gekostet hatte. „Die Kraft ließ ein bisschen nach, aber ich wollte eine gute Runde reiten heute.“ Die Ermüdung wirkte sich auf die Springtechnik seines Pferdes aus: „Der Bauch ging immer tiefer.“ Ahlmann spielte seine ganze Erfahrung aus, um Clintrexo wieder zum effektiven Bewegungsablauf zurückzuführen. „Ich habe ihn dazu gebracht, dass er den Sprung wieder höher macht. Man merkt, dass ihm die letzte Erfahrung und Kraft fehlt.“

          Marcus Ehning fühlte sich als dritter Starter nach Blum und Ahlmann in der komfortabelsten Situation des deutschen Quartetts. Er wusste, dass er mit einer fehlerfreien Leistung einen wesentlichen Beitrag zur Medaille würde leisten können, und er vertraute auf die Fähigkeiten von Deußer und Tobago – der Kollege ist unter anderem Weltranglisten-Dritter. „Es hat einen Riesenspaß gemacht“, sagte Ehning.

          Der Parcours am Freitag prüfte Reiter und Pferde auf Herz und Nieren. „Ein sehr harter Kurs, hoch, breit und schwer“, sagte Simone Blum respektvoll. Nach einer längeren ersten Linie zwischen dem ersten und zweiten Sprung kamen die Herausforderungen Schlag auf Schlag ohne Möglichkeit, sich zwischendurch zu sammeln. Dazu waren die Hindernisse luftig, schwer zu taxieren, und die Stangen fielen schon bei leichten Berührungen. „Es war die dritte Runde am Stück, das merkt man den Pferden an“, sagte Simone Blum. Nun gibt es erst einmal einen Tag Ruhepause, bevor sich zeigen wird, welches Paar nicht nur das größte Talent, sondern auch die meiste Kraft übrig hat in dem noch 25 Paare starken Finalfeld.

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