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EM der Vielseitigkeitsreiter : Drei Sekunden und ein Abwurf zu viel

Seit Jahren ein eingespieltes Duo: Ingrid Klimke auf Hale Bob Bild: Picture-Alliance

„Das Schöne überwiegt“: Ingrid Klimke gelingt zwar nicht der historische Einzel-Sieg, tröstet sich bei der EM der Vielseitigkeitsreiter aber mit Mannschafts-Silber.

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          Mannschafts-Silber schimmert auch schön. Besonders, wenn man noch vor wenigen Wochen von Schmerzmitteln betäubt im Bett gelegen hat. Aber der direkte Ritt vom Krankenhaus zum obersten Treppchen bei den Europameisterschaften der Vielseitigkeitsreiter in Avenches und in die Rekordbücher ihres Sports ist Ingrid Klimke nicht gelungen. Bei maximaler Ausbeute wäre sie erst die dritte Person gewesen, die dreimal nacheinander den Einzel-Europameistertitel in der Vielseitigkeit gewonnen hat, und die erste, der dies auf demselben Pferd gelang.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Doch es kam anders: Am Ende lagen zwischen ihr, dem Oldenburger Wallach Hale Bob und dem Titel drei überzählige Sekunden im Gelände und ein Abwurf im Parcours. Das reichte, um in diesem engen Rennen aus den Einzel-Medaillenrängen zu fallen. Sie wurde Fünfte. Bester Deutscher war Michael Jung (Horb) auf seinem Nachwuchspferd Wild Wave als Vierter – hinter einem komplett britischen Podest mit Nicola Wilson auf Dublin als Europameisterin, Piggy March auf Brookfield Innocent mit Silber und Sarah Bullimore auf Corouet mit Bronze. Und natürlich ging auch der Mannschafts-Sieg an die dominante Frauen-Equipe von der Insel.

          „Mannschafts-Silber ist doch ein Grund zum Freuen“, sagte die 53 Jahre alte Münsteranerin Klimke tapfer. Und ansonsten: „Hätte, hätte, Fahrradkette.“ Ihr Pferd sei sehr gut gegangen. Und wirklich: Schon in der Dressur am Freitag zeigte sich ihre gewachsene Verbindung zu ihrem 17 Jahre alten Vertrauten „Bobby“, sie ging mit einer harmonischen und sauberen Vorstellung vorläufig in Führung. Doch weil sie im Cross-Country am Samstag, das die beiden ohne Hindernisfehler meisterten, die Idealzeit von 10,7 Minuten um drei Sekunden überzog, fiel sie auf den zweiten Platz zurück und fragte sich, wo sie die Zeit verloren hatte. „Ich hätte gedacht, dass ich die Zeit genau getroffen hätte“, sagte sie im Ziel. Aber diese war sehr knapp bemessen. „Es war schon echt wie Stechen“, sagte Klimke. Erschwerend kam hinzu, dass der Boden auf der Ideallinie stellenweise rutschig war. Zwei Reiter stürzten im Flachen. Vorsicht war also geboten. Es war ihr anzumerken, dass sie sich nicht ärgern wollte. „Das Schöne überwiegt“, sagte sie.

          Es ist erst vier Monate her, dass Ingrid Klimke in Baborowko (Polen) mit einem Nachwuchspferd schwer verunglückte. „Es ist ein Wunder, dass ich das überlebt habe“, sagte die 53 Jahre alte Münsteranerin der F.A.Z. Das Pferd überrollte sie im Aufstehen, eine Situation, die tödlich hätte enden können. Das Brustbein war gebrochen und ein Schlüsselbein nach innen gesprengt, was ihre Atmung beeinträchtigte. Nach einer Höllenfahrt nach Münster wurde sie dort in der Uniklinik operiert und war monatelang außer Gefecht, sodass sie die Olympischen Spiele in Tokio verpasste. ­Avenches bedeutete ihr deshalb viel mehr als eine weitere EM.

          Schnellste im Gelände waren der dreifache Olympiasieger Michael Jung und sein erst neunjähriges Nachwuchspferd Wild Wave. Überglücklich schaute Jung im Ziel auf seinen fehlerfreien Ritt zurück. „Er hat alles gezeigt, was er kann. Er ist schnell, er ist in jeder Situation geschickt, er hat super gekämpft.“ Auch im Parcours blieben die beiden ohne Hindernisfehler. Das Dressur-Ergebnis, mit dem Jung ein wenig haderte, verhinderte eine noch bessere Platzierung. „Ich freue mich auf die Zukunft“, sagte der Schwabe.

          Drittbester Deutscher war der Einzelstarter Christoph Wahler mit dem Holsteiner Schimmelwallach Carjatan als Siebter. Die dritte Mannschaftsreiterin, Anna Siemer aus Salzhausen, belegte mit der Stute Avondale nach einem Abwurf im Parcours Rang 17. Das Streichresultat lieferte Andreas Dibowski (Döhle), der Ersatzmann bei den Olympischen Spielen in Tokio, der sich im Cross-Country zu viel Zeit gelassen hatte. Er wurde mit Corrida 22. Mit der Silbermedaille komplettierte Bundestrainer Hans Melzer seine imposante, in 20 Jahren gesammelte Medaillenkollektion. Ende des Jahres hört er auf.

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