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EM der Springreiter : Betriebsausflug nach Madrid

  • -Aktualisiert am

Vorreiter: Ludger Beerbaum reist mit drei Angestellten zur EM Bild: dpa

Gleich ein ganzes Quartett aus dem Stall Beerbaum könnte bei der EM der Springreiter für Furore sorgen. Am ersten Tag leistet sich nur der Chef einen kleinen Patzer. Die Mannschafts-Entscheidung fällt am Freitag.

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          Gerade Reiter wissen, wie schnell die Zeit weitergaloppiert. Doch der vergangene Sonntag, der dürfte für die Reiter aus Riesenbeck ein Tag gewesen sein, von dem sie wünschten, er würde nie vergehen. An diesem Tag gewann der Zweitjüngste von ihnen, der 30 Jahre alte Schwede Henrik von Eckermann, mit der Stute Paola den Großen Preis von Paderborn. Zweiter wurde der mit der zweitmeisten Erfahrung, der 36 Jahre alte Marco Kutscher mit dem Hengst Satisfaction.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Und der Chef? Der 48 Jahre alte Ludger Beerbaum landete mit dem Wallach Chaman auf Platz drei und war das Gegenteil von enttäuscht an diesem Nachmittag, an dem plötzlich alles lief wie auf Bestellung. Die drei lachten und feixten wie erfolgreiche Glücksritter. Zur Steigerung seiner Laune musste der Chef nur noch auf die Gesamtwertung der Riders Tour schauen, der Serie, die im Spätherbst in München zu Ende geht - die führt er an. Und auf das Ranking der üppig dotierten Global Champions Tour, bei deren Finale im November in Abu Dhabi Hunderttausende von Dollars verteilt werden. Er liegt auf Rang zwei.

          Fröhlich aß der Trupp am Sonntag zusammen zu Abend. Und die übliche Montagsbesprechung, bei der normalerweise Manöverkritik und Zukunftsstrategie auf dem Programm stehen, geriet ein bisschen sehr informell. Sie fand auf der Fahrt zum Flughafen in Düsseldorf statt. Im Wagen: Drei Teilnehmer an den Europameisterschaften in Madrid, die am Mittwoch begonnen hat, plus ein Ersatzmann.

          Für Deutschland reiten: Ludger Beerbaum auf Gotha und Marco Kutscher auf Cornet Obolensky. Als Ersatzmann ist ein weiterer Angestellter Beerbaums mitgekommen, der 26 Jahre alte Philipp Weishaupt mit Monte Bellini, dem Pferd, mit dem er vor anderthalb Wochen beim Millionen-Grand-Prix in Rio Dritter war, und dafür noch 130.000 Euro Preisgeld nach Hause brachte. Außerdem ist Henrik von Eckermann eine der Stützen der schwedischen Equipe, mit einem Pferd, das ihm Beerbaum aus dem eigenen Beritt geliehen hat: Dem Schimmelhengst Coupe de Coeur.

          „Wir laufen gerade auf einer Welle“, sagt Beerbaum, „und beflügeln uns gegenseitig.“ So richtig vom Leder ziehen will er aber lieber nicht - er weiß aus vielfältiger Erfahrung um das Auf und Ab des Reiterlebens. Vor zwei Jahren zum Beispiel, bei den letzten Europameisterschaften der Springreiter in Windsor, gehörte keiner aus dem Stall Beerbaum zu dem Quartett, das Bronze holte. Und im vergangenen Jahr bei den Welt-Reiterspielen in Lexington gewann die deutsche Equipe den Titel auch ganz ohne Beteiligung aus Riesenbeck. Aber jetzt haben sie den Laden zur Hälfte übernommen. „Wir sind hoch motiviert“, sagt Beerbaum.

          Nur der Chef leistet sich einen Fehler

          Das zeigte sich auch im Parcours. Deutschland liegt nach der ersten Runde, dem Zeitspringen, auf dem zweiten Platz, nur 1,46 Punkte hinter Frankreich, was weniger als einem Springfehler entspricht. Kutscher blieb auf einer leichten und geschmeidigen Runde auf seinem Hengst fehlerfrei, genau wie die Nicht-Riesenbecker Carsten-Otto Nagel (Wedel) mit Corradina und Janne-Friederike Meyer (Schenefeld) mit Lambrasco, beide Mannschafts-Weltmeister von 2010.

          Nur der Chef leistete sich einen Fehler am Wassergraben, liegt aber auch in der Einzelwertung immer noch weniger als einen Abwurf hinter dem Führenden, dem Franzosen Oliver Guillon. Allerdings war dieser Fehler - ein bisschen zu kurz gesprungen - so geringfügig, dass der Reiter ihn ihm Sattel gar nicht bemerkte. Er wollte sich aber auch nicht weiter darüber aufregen. „Dies ist lediglich ein Wasserstand“, sagte Beerbaum gelassen. Die Mannschafts-Entscheidung fällt erst am Freitag nach zwei weiteren schweren Runden des Nationenpreises.

          „Er hat eine sehr positive Entwicklung genommen“

          Auch Eckermann kam fehlerfrei durch den Parcours - Schweden ist in der Zwischenwertung Dritter. Dass Beerbaum auch noch einen Konkurrenten mit einem Pferd ausrüstet, hat tiefere Gründe. Noch im Juni war er mit Coupe de Coeur in Balve selbst deutscher Meister geworden, der Hengst hat große Klasse, ist aber nicht seine erste Wahl für Championate. Darum hat er ihn - als Bonus für hervorragende Arbeit im Team Riesenbeck - vorerst Eckermann überlassen. „Er hat eine sehr positive Entwicklung genommen“, sagt Beerbaum.

          Eckermann war jüngst beim Bundeschampionat, der großen Präsentations- und Verkaufsmesse für Nachwuchspferde, der erfolgreichste Springreiter. Er gewann überlegen die Konkurrenz in der Klasse der sechsjährigen Pferde und wurde Zweiter mit einem Fünfjährigen. „Das ist kein Zufall“, sagt Beerbaum. Darum hat er - in Absprache mit seiner Mäzenin und Pferdebesitzerin Madeleine Winter-Schulze - seinem jungen Mitarbeiter mit Coupe de Coeur eine ganz besondere Belohnung gegeben. Und wer weiß: Sollte ein Förderer der schwedischen Mannschaft das Pferd für einen Olympia-Einsatz Eckermanns mieten oder kaufen wollen, wäre Beerbaum wohl nicht abgeneigt.

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