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EM-Aus der Handball-Frauen : Chance vertan

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Niedergeschlagene Gesichter bei den Handball-Frauen nach der Niederlage gegen die Niederlande Bild: dpa

Trotz erfrischender Auftritte kehren die Handball-Damen mit leeren Händen von der EM zurück. Will die Mannschaft bei künftigen Turnieren ihr Potential ausschöpfen, muss vor allem eines gelingen. Eine Glosse.

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          Vor zehn, zwölf Jahren waren die deutschen Handballfrauen häufig dabei, wenn die Medaillen bei den jährlichen Großturnieren verteilt wurden. Zum großen Coup hat es nie gereicht. Aber mit Spielerinnen wie Grit Jurack, Nadine Krause, Anja Althaus und Clara Woltering unter Trainer Armin Emrich war das Erreichen des Halbfinals keine Überraschung, sondern das Ziel. Emrich hatte ein eingespieltes Team. Die Leistungsträgerinnen spielten alle im Ausland, meist in Dänemark.

          Als die deutschen Frauen am Mittwochabend entkräftet ihre Abreibung von den Niederländerinnen bekamen und das Halbfinale verpassten, war die einzige Frau, die im Ausland spielt, die müdeste von allen. Xenia Smits (24 Jahre) musste in allen sechs Spielen dieser Europameisterschaft in Frankreich schuften und war den Kolleginnen ein Anker. Kein Wunder, dass der Profispielerin aus Metz die Kräfte schwanden. Sie, Alicia Stolle (22) und die 20 Jahre alte Emily Bölk hätten aus dem Rückraum immer weiter anschieben müssen, um der neuen deutschen Mannschaft unter Coach Henk Groener mehr als den neunten Platz zu verschaffen, der es am Ende wurde. Doch Smits, Bölk und Stolle fehlten am Ende Kraft und Cleverness, Deutschland zu führen.

          Spielplan der Handball-WM 2019 in Deutschland und Dänemark

          Bei allen lobenden Worten, den der teilweise erfrischende Auftritt der zweitjüngsten Mannschaft des Turniers bekam, bleibt festzustellen: Chance vertan. Aus dem überraschenden Sieg zum Start gegen Norwegen hat Groeners Team weder gegen Rumänien noch gegen Ungarn etwas Größeres gemacht. Gegen die Niederlande war der Glaube ans Halbfinale schon erloschen.

          Jetzt werden die kommenden großen Ziele definiert – die WM in einem Jahr in Japan und dann die Olympischen Spiele. Man kennt das von den deutschen Frauen: Im nächsten Turnier wird alles besser. Ganz bestimmt. Dieser Mannschaft ist tatsächlich mehr zuzutrauen. Teamgeist, Talent und Wille sind da. Doch in der Komfortzone der heimischen Bundesliga sind die Verbesserungsmöglichkeiten der halbprofessionellen Spielerinnen begrenzt. Groener hat Xenia Smits nicht umsonst zum Kopf des Teams bestimmt. Mehr Auslandsprofis täten dem Frauenhandball gut. Emily Bölk aus Buxtehude hat schon gesagt, dass der Thüringer HC nur ihr nächster Schritt vor einem Auslandsengagement sei. In Ungarn, Montenegro, Frankreich oder Dänemark kann man gutes Geld verdienen und als Handballspielerin weiterkommen. In Deutschland nicht.

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