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Elisabeth Seitz : Deutsche Vorturnerin

  • -Aktualisiert am

Sweet 16 und schon die deutsche Vorturnerin: Elisabeth Seitz Bild: dpa

Während ihre Teamkameradinnen schon die Heimreise antraten, und ihre Mitschüler zu Hause Klausuren schreiben müssen, steht Elisabeth Seitz bei der Turn-WM im Mehrkampf und am Stufenbarren in den Finals.

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          Wie praktisch, dass es in Baden-Württemberg G8 gibt. Denn Elisabeth Seitz macht G9 daraus. Wenn sie die Schule 2013 nach neun statt acht Jahren Gymnasium wie geplant abschließen wird, ist sie nicht älter als Abiturientinnen aus anderen Bundesländern. Die 16 Jahre alte Mannheimerin hat sich für ein zusätzliches Jahr Schule entschieden. Schließlich werden die Anforderungen an sie künftig nicht geringer.

          Bei den Kunstturn-Weltmeisterschaften in Rotterdam stieg sie zur besten deutschen Athletin auf. Während ihre Teamkameradinnen vom Deutschen Turner-Bund am Donnerstag die Heimreise antraten, geht Elisabeth Seitz an diesem Freitag im Mehrkampf und am Tag darauf am Stufenbarren in den Finals an die Geräte. Lediglich Zimmergenossin Pia Tolle durfte noch in Rotterdam bleiben. „Damit Eli nicht ganz alleine ist“, sagt ihre Trainerin Claudia Schunk.

          Persönlicher Rekordwert am Stufenbarren

          Mit Platz 14 im Mannschafts-Wettbewerb qualifizierten sich die deutschen Turnerinnen immerhin für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Tokio. Dabei wurde die Wachablösung offenbar: weil die mit 35 Jahren älteste Teilnehmerin der WM, die Olympiazweite von Peking Oksana Tschussowitina aus Köln, schwächelte, musste Elisabeth Seitz Verantwortung übernehmen. Am Stufenbarren wagte sie den schwierigen Def-Salto, als einzige überhaupt in Rotterdam, und zog mit einem persönlichen Rekordwert von 14,966 Zählern in den Endkampf ein.

          Am Stufenbarren zog sie mit einem persönlichen Rekordwert von 14,966 Zählern in den Endkampf ein
          Am Stufenbarren zog sie mit einem persönlichen Rekordwert von 14,966 Zählern in den Endkampf ein : Bild: REUTERS

          Schon bei der Europameisterschaft im April in Birmingham hatte sie das Finale erreicht, bei der deutschen Meisterschaft im September in Berlin gewann sie vier Titel. „Ich nehme es gar nicht wahr, dass ich die deutsche Vorturnerin bin. Ich bin nichts Besseres als die anderen“, sagt Elisabeth Seitz, die wie einst Fabian Hambüchen bei den Männern als Teenager die Führungsrolle übernehmen muss.

          Und die Klassenkameraden schreiben zu Hause Klausuren

          Sie will sich ihre Unbekümmertheit noch eine Weile bewahren. Zumindest bis zum Ende der Titelkämpfe in Rotterdam. „Ich will nicht darüber nachdenken, sonst werde ich nur nervös.“ Während Elisabeth Seitz bei der WM turnt, schreiben ihre Klassenkameraden zu Hause Klausuren in Mathematik, Englisch und Biologie. Nach dem Ende der Sommerferien war sie lediglich drei Tage in der Schule, dann wurde sie für die Vorbereitung auf die WM vom Unterricht freigestellt.

          „Ich habe den Schulstoff gefaxt bekommen“, sagt Elisabeth Seitz, „aber es ist schwer, zwischen den Trainingseinheiten Hausaufgaben zu machen. Das macht müde.“ Und nach den Einheiten ist sie zu erschöpft. Weil sie stets die letzte Athletin ist, die die Trainingshalle verlässt. „Am Anfang war es ein bisschen komisch, wenn alle anderen schon fertig waren und ich noch nicht. Aber ich weiß, dass es viel bringt, mehr zu machen. Also mache ich es gerne.“ „Elisabeth trainiert phantastisch hohe Umfänge“, sagt Bundestrainerin Ulla Koch.

          Nach den Olympischen Spielen 2012, für die sich Elisabeth Seitz bei der WM in Tokio qualifizieren will, gilt die volle Konzentration dem Abitur. Ihr Pensum von bis zu 32 Stunden Training in der Woche wird sie dann reduzieren müssen. Ihr Englisch immerhin könnte sie dieser Tage in Rotterdam verbessern - in den vielen Gesprächen mit Konkurrentinnen in der Trainingshalle. „Wir können uns sehr gut verständigen“, sagt Elisabeth Seitz. Aber: „Wir achten hier natürlich nicht auf die Grammatik.“

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