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Elisabeth Pähtz im Gespräch : „Ich bin doch keine Intelligenzbestie“

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Früher habe ich viel aggressiver gespielt. Ich glaube, dafür bin ich jetzt zu alt. Ich bin sehr gemütlich geworden. Als Kind ist man unbefangener und macht sich noch nicht viele Gedanken über die Konsequenzen. Aber der Charakter ändert sich und damit auch die Spielweise. Und mit 35 Jahren geht’s dann richtig bergab, weil man nicht mehr so schnell, so pfiffig und so trickreich ist.

Stimmt es immer noch, dass Sie umso besser spielen, desto schlechter Sie gelaunt sind?

Es kommt darauf an, welche Art von schlechter Laune es ist. Für mich ist es einfacher zu spielen, je weniger ich eine Gegnerin leiden kann. So eine ist für mich eine Aufbaugegnerin. Ich habe mal bei einer Meisterschaft zwei Mal nacheinander verloren, dann habe ich eine Gegnerin bekommen, die ich absolut nicht mag, und gedacht: Super, ich kann wieder zurück ins Turnier kommen! Die Partie habe ich auch gewonnen. Auf der anderen Seite spiele ich ungern in Deutschland. weil ich mich hier nicht so wohl fühle. Hier geht es immer um arbeiten und noch mal arbeiten. Das ist alles etwas steif. In Russland spiele ich fast immer sehr gut, weil ich mich dort viel einheimischer fühle. Die Leute sind dort lockerer, das Lebensgefühl ist ein anderes. In Russland bin ich nicht Favoritin, sondern eine unter vielen. Im eigenen Land ist der Druck viel höher, weil alle Leute viel mehr von Deutschlands Nummer eins erwarten. Nach einer Niederlage sind sie enttäuscht, und dann kommt immer die Frage: Woran lag’s? Dann muss ich irgendwas antworten, aber da habe ich überhaupt keinen Bock drauf, denn dieses „Woran lag’s?“ ist meine absolute Hass-Frage.

Wie lösen Sie sich von dem Druck?

Davon löst man sich gar nicht.

Und wie bereiten Sie sich auf so ein Turnier vor?

Man kennt die Gegner und die Farbe. Dann gibt man den Namen des Gegners in den Computer ein, dafür gibt’s spezielle Softwareprogramme, dann kriegt man von denen die Spielerdaten. Dann schaut man, was die spielen und was man selber spielt. Man vergleicht ein bisschen und guckt sich die neuesten Partien zu diesem System an. Manchmal wechselt man auch die Eröffnung, weil man denkt, dass die Gegnerin oder der Gegner eine bestimmte Schwäche in diesem System aufweist.

Sie spielen sowohl bei den Herren als auch bei den Damen in der Bundesliga. Worin liegt der Unterschied?

Mir ist es egal, ob ich gegen Männer oder Frauen spiele. Dass aber manche Männer über das Frauenschach lächeln, finde ich eigentlich gemein. In der Bundesliga nehmen sie mich ernst, weil ich die eine oder andere Partie gewinne. Männer sind aber besser in Zeitnotphasen, sie sind nicht so emotional und nervös wie Frauen.

Als Sie 17 waren und sechs Partien Blitzschach gegen Garri Kasparow gespielt hatten, lobte er Ihr Talent, kritisierte aber Ihre schwachen Nerven.

Und kurz danach bin ich Weltmeisterin geworden und habe damit seine These widerlegt.

Sie holten einen WM-Titel mit Restalkohol im Blut, stimmt’s?

Eigentlich hatte ich das Turnier fast abgehakt und jeden Abend mit ein paar Freundinnen zusammengesessen und ein bisschen Wodka getrunken. Dann habe ich bis zwölf, eins geschlafen, bin um drei zum Brett gegangen und habe mir nicht mehr so viele Gedanken gemacht. Aber es hat ja zum Titel gereicht. Nachdem ich Wodka getrunken hatte, störte der Lärm auf dem Hotelflur mich nicht mehr, und ich konnte tief durchschlafen. Aber besoffen war ich nicht.

Männliche Schachprofis wittern immer wieder Betrug bei ihren Gegnern, ob bei Kramnik oder Topalow. Passiert das bei den Damen auch?

Ich glaube, wir sind nicht so gewieft. Ich halte von den ganzen Geschichten auch gar nichts. Dabei ging es nicht um Betrug, sondern um psychologische Kriegsführung, um den Gegner aus dem Konzept zu bringen. Wenn der Gegner das Gefühl hat, der andere könnte betrügen, dann ist der innerlich unruhig, weil er denkt, er spielt gegen einen Computer.

Dabei haben Sie in Hape Kerkelings Show „Darüber lacht die Welt“ ja selbst betrogen!

Er hat betrogen, nicht ich. Ich betrüge nie.

Sie haben aber mitgemacht.

Er hatte einen Knopf im Ohr, als er sich als iranischer Großmeister verkleidet hatte und gegen einen Schachverein aus Bayern spielte. Ich habe ihm die Züge vermittelt, und er hat die Leute fertiggemacht, auch nervlich. Einer hat gelacht, die anderen waren total verbissen. Damals habe ich wirklich wie eine typische Schachspielerin in die Kamera geschaut: mit dicker Brille und wie eine verrückte Nudel.

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