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Eislauf auf Parkett : Taginzew/Krysanowa tanzen in den Himmel

Tanzweltmeister: Ekaterina Krysanowa und Denis Taginzew Bild: Lobopress

Denis Taginzew und Ekaterina Krysanowa treffen als verkappte Eiskunstläufer ohne Eis den Geschmack der Juroren. Für sie geht ein Traum in Erfüllung. Gerade noch rechtzeitig. Denn 2020 ist Schluss auf Bonner Parkett.

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          Von wegen „Heaven only Knows“. Es war nicht der Himmel allein, der wusste, dass an diesem besonderen Abend Weltmeisterliches passieren würde. Ton Greten hatte eine Vorahnung: Der Titel bei der Tanz-WM in der Lateinkür würde vor allem über sein Paar führen. Über Denis Taginzew und Ekaterina Krysanowa. Zwei Profitänzer aus Moskau, seit Monaten damit beschäftigt, ihren Traum vom ersten Coup bei ihrer ersten WM zu verwirklichen.

          Die Rolle von Greten? Der Niederländer ist der Choreograph der Meisterkür, die bei der Weltmeisterschaft in Bonn in der Summe den größten Anklang beim Wertungsgericht fand. Nicht alle Juroren jedoch, die sich im prallgefüllten Ballsaal eines Hotels in der Bundesstadt am Rande des Parketts die „Heaven only Knows“-Show der jungen Russen mit Argusaugen anschauten, waren einhelliger Meinung. Auch das fachkundige Publikum hatte nach den jeweils gut vierminütigen Tanzinterpretationen der sechs Finalpaare sein Votum abgegeben.

          Stehend dargebrachte Ovationen für die für die Vereinigten Staaten tanzenden Ukrainer Denys Drozdyuk und Antonina Skobina: Die Lieblinge der Zuschauer, die mit einer rasanten Vorführung von „American Story“ überzeugten und geschickt Samba, Jive, Cha-Cha-Cha, Rumba und Paso Doble in ihre Show integrierten, waren schnell gefunden. Sie wurden Dritte.

          Am Abend, als es besonders auf die tänzerische Freiheit ankam und so ziemlich alles erlaubt war, setzten die Juroren den ausdrucksstärksten Sportlern die Krone auf. Taginzew/Krysanowa zeigten weit mehr Hebefiguren als alle anderen Paare und trafen als verkappte Eiskunstläufer ohne Eis in der Endabrechnung den Geschmack der Juroren. „Für uns ist heute ein Traum in Erfüllung gegangen“, sagte die 28 Jahre alte Russin, die sich gemeinsam mit ihrem Partner seit August auf diesen Abend vorbereitet hatte.

          Angeleitet von ihrem Choreographen, dessen Expertise global gefragt ist und der schon andere Champions geformt hat. Weit nach Mitternacht erzählte Greten von Besuchen in Moskau und seiner Strategie, anhand eines Fragekatalogs ein Paar zu Weltmeistern zu machen. „Fünfzig Fragen“, sagte Greten, galt es zu beantworten. Ein Prozess, der Zeit und Geduld benötigt. Und völlige Leidenschaft für die Mission, von Moskau aus Bonner Parkett zu erobern.

          Stichwort Bonn: Seit zwei Jahrzehnten gehört es zum guten Ton, dass sich die arrivierten Profitänzer der Welt dort treffen, um die Besten der Besten in der Standard- und Lateinsektion auszutanzen. Möglich gemacht auch durch das kontinuierliche Engagement von Karl Breuer und dessen Team um Matthias Fronhoff und Ralf Lepehne. Breuer, Präsident des Deutschen Professional Tanzsportverbandes, hat Jahr für Jahr die Weltelite nach Bonn geholt. Damit jedoch ist nun bald Schluss. Der mittlerweile 87 Jahre alte ehemalige Weltmeister zieht sich mit seiner Entourage aus dem WM-Geschehen zurück.

          Einmal noch, 2020, soll auf Bonner Parkett nach den besten professionellen Lateintänzern in den fünf Tänzen gefahndet werden. Die Macher mussten zuletzt regelmäßig Summen in fünfstelliger Höhe zuschießen, um WM-würdige Wettkämpfe auf die Beine zu stellen. Sie vermissen die Unterstützung – und haben dies am Samstag deutlich bekundet. Im Programmheft zur Kür-WM blieb eine Seite weiß, mit den Hinweis: „Mit dieser Seite möchten wir an die Bonner Dax-Unternehmen, kommunalen Institutionen und Großbetriebe erinnern, die seit Jahren dieses Kulturerbe nicht unterstützen. Aus diesem Grund wird im nächsten Jahr die letzte Weltmeisterschaft in der Bundesstadt stattfinden.“

          Keine WM mehr? Ein Verlust für Bonn, ein Verlust für das Tanzen in Deutschland, wo sich ein Profipaar wie Nina Trautz und Victor Burchuladze anschickt, die Großen zu ärgern. Die Augsburgerin zeigte an der Seite ihres neuen russischen Tanzpartners eine vielbeachtete Kür, deren Name zum Programm wurde. „Freddie“ stand im Fokus. Burchuladze verkörperte tänzerisch den Queen-Sänger Freddie Mercury und wurde ganz am Ende von Nina Trautz mit gestrecktem rechtem Arm und geballter Faust positioniert. Einige Wertungsrichter sahen das Paar auf Platz zwei, das Gros aber nicht. Sie wurden Fünfte – am Abend des Meisterchoreographen Greten und seiner russischen Weltmeister.

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