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Eiskunstlauf : Triumphale Kür der Meisterschüler

  • -Aktualisiert am

Künstler auf dem Eis - zum zweiten Mal mit EM-Gold dekoriert Bild: AP

Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy haben souverän ihren Europameistertitel im Paarlauf verteidigt. das deutsche Paar war unangreifbar. Aus diesem Holz sind Olympiasieger geschnitzt, doch der nächste Schritt soll die WM sein.

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          So entspannt, so gelöst, so glücklich nach einem großen Wettkampf waren die Drei nur vor einem Jahr: Damals wurden Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy in Warschau erstmals Paarlauf-Europameister nach einer fehlerfreien Kür. Ein Jahr später haben die von Trainer Ingo Steuer auf die internationale Umlaufbahn geschickten Chemnitzer Eiskunstläufer mit dem Wiederholungseffekt aufs Neue die Herzen ihres Publikums erobert. 2000 Zuschauer im Zagreber Dom Sportova feierten das mit weitem Abstand beste Paar bei der EM-Entscheidung 2008.

          Dabei stellten die alten und neuen Europameister am Mittwochabend auch noch einen persönlichen Rekord auf. Mit 202,39 Punkten wurden sie so hoch wie noch nie von den Preisrichtern bewertet. Welten lagen zwischen der gebürtigen Ukrainerin und ihrem sächsischen Partner und den zweit- und drittplazierten russischen Paaren Muchortowa/Trankow (169,41) sowie Kawaguchi/Smirnow (167,25). Das zweite deutsche Paar, Vartmann/Just (Düsseldorf/Essen), landete mit gerade mal 119,86 Punkten auf Platz sieben und war schon froh, überhaupt gestartet zu sein, nachdem Florian Just wegen einer Muskelzerrung im Rücken tagsüber mit schmerzstillenden Tabletten und Spritzen behandelt worden war.

          Gewohnt selbstkritisch

          „Dies war die beste Saisonleistung des Paars“, stellte Steuer unmittelbar nach der triumphalen Kür seiner beiden Meisterschüler fest. Die beiden, im Vorjahr noch Weltmeisterschaftsdritte in Tokio, sind nun die ersten Anwärter auf den WM-Titel dieser Saison, der Mitte März in Göteborg erobert werden soll. „Ich bin sehr glücklich“, sagte Aljona Sawtschenko, die die Zuschauer mit ihrem makellosen Auftritt verzaubert hatte, gegenüber dem Hallensprecher in Englisch und fügte auf Deutsch hinzu: „Es war gut.“ So lobend äußert sich die überaus ehrgeizige Läuferin mit Starappeal nur selten, wenn Sawtschenko/Szolkowy ihre Kreise gezogen haben. Hätte Szolkowy den Dreifachsalchow nicht doppelt gesprungen, es wäre aber auch gar nichts an der Kür des in Europa konkurrenzlosen Paars auszusetzen gewesen.

          Wo ist oben, wo ist unten?

          So zeigte sich der Partner von Aljona Sawtschenko gewohnt selbstkritisch: „Mit meinen Solosprüngen war ich nicht so zufrieden.“ Tags zuvor hatte Trainer Ingo Steuer den Wert der Titelverteidigung so beschrieben: „Die Europameisterschaft ist der Weg zu unserem Ziel Weltmeisterschaft. Sie ist einfach ein Abschnitt, den wir mit Gold krönen wollen.“ Steuer selbst hat als Läufer diesen Abschnitt, einen großen Erfolg im Jahr darauf zu bestätigen, nicht kennengelernt. 1995 war er mit seiner Partnerin Mandy Wötzel Europameister, 1996 Zweiter; 1997 eroberte er den Weltmeistertitel, 1998 trat er nach Platz drei bei den Olympischen Winterspielen von Nagano zurück und folglich bei der anschließenden WM in Minneapolis nicht mehr an. Sawtschenko/Szolkowy aber haben das leuchtende Format, noch eine Reihe von internationalen Titeln in Serie zu gewinnen. „In Göteborg sollen Aljona und Robin zwei tadellose Programme hinlegen“, fordert Steuer von seinem Paar auf dessen Suche nach der Perfektion.

          Aus diesem Holz sind Olympiasieger geschnitzt

          Dass diese Suche „ganz schwer“ wird, zeigte sich manchmal auch im Dom Sportova, wo Sawtschenko/Szolkowy der europäischen Konkurrenz zwar weit voraus waren, aber ihrem eigenen höchsten Anspruch zumindest im Kurzprogramm am Dienstag wieder einmal hinterherliefen. Ein Beinahesturz der gebürtigen Ukrainerin beim Dreifachtoeloop im Kurzprogramm, eine unsauber gedrehte Solopirouette und der auf Schlittschuhschritt und -tritt nicht immer ausreichend zügig dahingleitende Szolkowy hatten da noch den Unmut ihres Eislauflehrers geweckt. Kein Beifall, kein Abklatschen beim Verlassen der Eisfläche. „Wir wollen nicht einfach nur siegen, sondern mit einer guten Leistung gewinnen“, sagte die 2003 schon als Weltklasseläuferin nach Deutschland gekommene Blondine Sawtschenko.

          Insgesamt aber waren die Programme der beiden Steuer-Schüler wieder einmal so gehaltvoll, dass deren Substanz von den aussichtslosen Verfolgern nicht einmal angekratzt werden konnte. Was Sawtschenko/Szolkowy im Vorjahr in Warschau noch erobern mussten, war in Zagreb längst unangreifbar. Aus diesem Holz sind kommende Olympiasieger geschnitzt. „Wenn wir unsere Elemente zeigen, kriegen wir die Punkte, die wir wollen“, sagte die frühere, damals noch für die Ukraine startende Junioren-Weltmeisterin.

          Platz drei bei der WM 2006 folgten in dieser Saison drei Siege bei der Grand-Prix-Serie, darunter das triumphale Turiner Finale, bei dem die chinesische Konkurrenz Zhang/Zhang und Pang/Tong nach Punkten weit abgeschlagen auf den nächsten Plätzen landete, und nun als vorläufiger Saisonhöhepunkt die Verteidigung des EM-Titels. „Alle orientieren sich an uns“, hat Steuer in Turin gesagt. Der Trend hat sich in Zagreb bestätigt; es spricht wenig dafür, dass er demnächst in Göteborg gebrochen wird.

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