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Eishockey-WM : Verwirrung um Harnos

Der Präsident, der Verband und der Sportdirektor: Harnos (l.) und Cortina helfen sich nicht weiter Bild: dpa

Dass der Eishockey-Verbandspräsident pünktlich zu Titelkämpfen mit mehrdeutigen Bemerkungen Störfeuer produziert, ist nichts Neues. Diesmal fühlt sich Harnos in der Personalie Cortina missverstanden.

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          Uwe Harnos fühlt sich missverstanden. Die Interview-Äußerungen des Präsidenten des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), in denen nicht das größte Vertrauen in Bundestrainer Pat Cortina durchklang, sorgten über das Wochenende im Weltmeisterschaftsquartier der Nationalmannschaft für Aufregung. Der Kaufbeurer Harnos, im Hauptberuf Rechtsanwalt, hatte vor dem ersten Turnierspiel gegen Gastgeber Finnland (3:4 nach Verlängerung) die Rolle Cortinas als Chefcoach und Sportdirektor zur Disposition gestellt. Zumindest wurde er in einem Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ entsprechend zitiert: „Möglicherweise muss man diese Doppelfunktion hinterfragen. Ein Sportdirektor muss langfristig arbeiten, Konzepte entwickeln. Ein Bundestrainer ist erfolgsabhängig, um nicht in die Kritik zu geraten. Darüber muss man nachdenken.“

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Das haben Skeptiker im vergangenen Herbst, als Cortina ernannt wurde, schon wiederholt so formuliert, doch sie waren mit ihrer Meinung innerhalb des Verbandes und bei den vierzehn erstklassigen Vereinen bis jetzt nicht mehrheitsfähig. Zudem hatte Harnos dem Italo-Kanadier, der selbst schon oft eingeräumt hatte, wie überrascht er von den Machtbefugnissen gewesen sei, die ihm der Verband eingeräumt habe, die Notwendigkeit guter Resultate klar gemacht: „Wir wollen jemanden, der sich das zutraut, mit allen Konsequenzen. Dieses Risiko hat Cortina bewusst gewählt. Dem Ergebnisdruck kann sich keiner entziehen“, sagte Harnos.

          Am Sonntag, als nachmittags das zweite WM-Spiel gegen Russland 1:4 (0:0, 0:2, 1:2) verloren ging, hörte sich der Funktionär dann schon wieder ganz anders an. Was geklungen haben könnte wie eine sich anbahnende Degradierung sei gar nicht so gemeint gewesen sein, behauptete Harnos: „Die Gedanken waren von ganz allgemeiner Bedeutung“, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur dpa und hob hervor: „Es ging doch dabei nicht um Cortina.“ Er könne deswegen die Aufregung „überhaupt nicht“ verstehen. Seine Idee, Cortinas Funktionen zu überprüfen, habe „mit der aktuellen Situation überhaupt nichts zu tun“.

          Historischer Misserfolg: Olympia-Teilnahme verspielt

          Der Coach hatte im Februar mit der Nationalmannschaft die Olympia-Qualifikation verspielt und damit für einen historischen Misserfolg gesorgt. Der 48-Jährige, der einen bis Sommer 2015 gültigen Vertrag besitzt, genieße „unser vollstes Vertrauen“, sagte Harnos.

          Er habe mit dem Bundestrainer deswegen Kontakt aufgenommen und ihm seinen Rückhalt versichert: „Ich schätze Pat als Person und als Fachmann, der hervorragende Arbeit leistet“, die aufgekommene Unruhe tue ihm „leid für Pat und die Mannschaft“. Cortina kommentierte die verschiedenen Stellungnahmen seines Chefs kurz angebunden: „Was Herr Harnos denkt oder nicht denkt, hilft mir als Trainer nicht weiter.“

          Immer wieder Störfeuer vom Präsidenten

          Dass der DEB-Präsident in wichtigen Personalfragen pünktlich zu internationalen Titelkämpfen mit mehrdeutigen Bemerkungen Störfeuer produziert, ist nichts Neues. Ähnliches ist ihm auch schon in der Diskussion um eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Uwe Krupp im Mai 2011, der Entmachtung Franz Reindls als Sportdirektor in den Wochen danach und rund um das Intermezzo Jakob Köllikers als Bundestrainer passiert.

          Im Streit mit den Zweitligaklubs, die sich vom DEB-Präsidium in ihrem Kampf um ein Aufstiegsrecht in die vom Verband unabhängige Deutsche Eishockey Liga (DEL) schlecht beraten fühlen, agierte und argumentierte Harnos zudem wiederholt unglücklich. Die betroffenen Vereine kündigten unlängst an, dem Verband in diesem Sommer ebenfalls den Rücken zu kehren und eine DEL II zu gründen, wodurch der DEB nahezu seinen kompletten Einfluss auf den professionellen Eishockeybetrieb hierzulande verlieren würde. Harnos ist noch bis Mitte 2014 gewählt. Auch in der Frage, ob er für eine Wiederwahl zur Verfügung steht, vermied er bislang eine Festlegung.

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