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Eishockey-WM im Fernsehen : Schwache Quoten trotz guter Leistungen

  • Aktualisiert am

Eishockey: Deutschland spielt gut, aber keiner schaut zu Bild: REUTERS

Maximal 730.000 Zuschauer verfolgten die Auftritte des deutschen Teams bei der Eishockey-WM und sorgten bei den öffentlich-rechtlichen Sendern für lange Gesichter. „Die Quoten haben nicht unseren Ansprüchen genügt“, sagte ein ZDF-Sprecher.

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          Bei der WM in Russland hat die deutsche Nationalmannschaft trotz ihrer Erfolge in der Heimat keine Eishockey-Begeisterung ausgelöst. Maximal 730.000 Fans, im letzten Spiel gerade mal 180.000, verfolgten am Fernseher die couragierten Auftritte des Teams von Bundestrainer Uwe Krupp und sorgten bei den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern, die erstmals seit zehn Jahren wieder live von einer Eishockey-WM berichteten, für lange Gesichter.

          „Die Quoten haben sicher nicht unseren Ansprüchen genügt. Da gibt es nichts zu beschönigen“, erklärte ZDF-Sprecher Thomas Stange. Das „Zweite“ hatte immerhin drei Spiele live übertragen: Beim 1:5 gegen die Slowakei sahen 580.000 zu (Marktanteil 6,8 Prozent), beim 5:3 gegen Norwegen wurde mit 730.000 Zuschauern (8,1) die insgesamt beste Resonanz gemessen, und beim 0:3 gegen die Vereinigten Staaten waren noch 650.000 (7,0) dabei. „Eishockey ist in den letzten Jahren ein wenig aus dem Blickfeld geraten“, sagte Stange: „Nach dem Sieg gegen Tschechien haben wir auf einen Aufschwung gehofft, aber der kam nicht.“

          Nur noch 180.000 Fans gegen Weißrussland

          In der Branche gilt ein Marktanteil von zehn Prozent als Existenzberechtigung einer Fernsehsportart, Eishockey wird dagegen jetzt wohl als Randsportart geführt. Die ARD reagierte schon während der WM auf die schwachen Quoten und zeigte lediglich das Auftaktspiel gegen Kanada (2:3) live, das 630.000 Fans verfolgten (8,3). „Die überraschend gute sportliche Leistung der deutschen Mannschaft hat noch nicht zu einem entsprechenden Quotenerfolg geführt“, erklärte ARD-Sprecher Burchard Röver.

          Die 2:0-Sensation gegen Tschechien gab das „Erste“ an das DSF ab, weil es mit dem Vorabendprogramm kollidierte, der Spartensender zählte 480.000 Zuschauer (2,3). Das 6:5 gegen Weißrussland zum Abschluss verbannte die ARD sogar ins dritte Programm des Bayerischen Rundfunks, wo nur noch 180.000 Fans zusahen (1,5).

          Russland gegen Tschechien nur im Liveticker

          Zum Auftakt der Finalrunde haben sich ARD/ZDF schon aus Moskau verabschiedet. Wer den Eishockey-Klassiker zwischen Russland und Tschechien an diesem Mittwoch (14:15 Uhr / FAZ.NET-Liveticker) im Viertelfinale sehen möchte, der schaut in die Röhre. Erst zum zweiten Spiel (18:15), bei dem sich Titelverteidiger Schweden und die Slowakei gegenüberstehen, wechselt das DSF von Dauerwerbesendung und Sportquiz zu live-Sport.

          Am Donnerstag das gleiche Programmschema: Wenn Rekordchampion Kanada als klarer Favorit gegen die Schweiz auf dem Eis steht, läuft „das Sportquiz“ im DSF. Erst zur Partie zwischen dem Olympia-Zweiten Finnland und den Vereinigten Staaten (18:15/DSF) steigt der Spartensender in die Berichterstattung ein.

          Reindl nannte die Quoten „hervorragend“

          Ob sich die Öffentlich-Rechtlichen noch einmal um die TV-Rechte der Eishockey-WM bemühen, ist fraglich. Der auslaufende Vertrag war Bestandteil eines größeren Pakets, das die Sender vom Rechteinhaber Infront gekauft hatten. Man werde in Zukunft „immer wieder die Möglichkeiten prüfen, vom internationalen Eishockey zu berichten“, formulierte Röver betont vorsichtig. Sein ZDF-Kollege Stange sprach immerhin davon, dass Interesse an einem neuen Vertrag bestehe: „Wir glauben, dass das deutsche Eishockey einen Aufwärtstrend erfährt.“

          Diese Hoffnung hat natürlich auch Franz Reindl. Der Generalsekretär des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), der schon die Heim-WM 2010 im Blick hat, nannte die Quoten gar „für Eishockey hervorragend“. Der Marktanteil sei „überragend“ gewesen. „Besser konnte die Mannschaft nicht für ihre Sportart werben“, sagte Reindl und sprach von vielen positiven Reaktionen aus der Heimat. Er sei optimistisch, dass Infront die Rechte erneut den Öffentlich-Rechtlichen verkaufen werde: „Die ersten Signale sind positiv.“

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