https://www.faz.net/-gtl-ac5ao

Eishockey-WM : Kahun ist der deutsche Joker

  • -Aktualisiert am

Im Anflug auf die WM: Dominik Kahun Bild: Imago

Der schnelle und technisch starke Stürmer Dominik Kahun ist ein Wandersmann. Er kann sich schnell in eine neue Mannschaft einfügen – und soll das deutsche Eishockey-Team nun bei der WM pushen.

          2 Min.

          Am Dienstag musste alles schnell gehen. Die Edmonton Oilers waren am Vorabend aus den Play-offs der NHL ausgeschieden, da stand Dominik Kahun vor der Wahl: Soll er sich in den Sommer verabschieden oder nach Lettland zur Eishockey-WM fliegen? „Ich hatte nur ein paar Minuten, um mich zu entscheiden“, erzählte Kahun zwei Tage später, als er in einem Hotelzimmer in Riga saß und über sein Smartphone mit der Presse sprach. Auch Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), war zugeschaltet, nannte die Ankunft des 25-Jährigen ein „perfektes Signal“. Sie verbindet die Erinnerung an 2018, als die DEB-Auswahl Olympiasilber gewann.

          Damals spielte Kahun in München. Zu seinem Glück, denn die NHL hatte ihre Spieler nicht freigegeben. Auch jetzt bei der WM in Lettland fehlen große Namen. Entsprechend viele Außenseitersiege gibt es, Reindl nennt die WM eine „Wundertüte“. Das erinnert an 2018 – einer der Gründe, warum Kahun sich in Edmonton ins Flugzeug setzte und über Montreal und Frankfurt nach Riga kam. Nun sei er „sehr müde“, sagte er nach seiner ersten Hotelnacht, aber das sei es wert, er habe „sehr, sehr Lust auf die WM“.

          Noch kann er nur zusehen, wie am Samstagabend, als die Deutschen gegen Finnland 1:2 verloren. Drei Tage Einzelquarantäne, weitere drei nur innerhalb des DEB-Teams, tägliche Corona-Tests. Sind alle sechs negativ, darf Kahun spielen. Vielleicht an diesem Montag (15.15 Uhr bei Sport1) gegen die Vereinigten Staaten. Am Morgen vor dem Spiel ist noch ein letzter Test. „Wenn organisatorisch vom Ablauf her alles läuft, dann ist es sehr wahrscheinlich“, sagte DEB-Sportdirektor Christian Künast am Sonntag.

          Neu zu einer Mannschaft zu stoßen ist kein Problem. Der schnelle und technisch starke Stürmer spielte seit 2012 bei acht Klubs. Schon als 16-Jähriger verließ er die Mannheimer Jugend, wechselte in die Juniorenliga nach Kanada, doch als ihn nach zwei Jahren kein NHL-Team haben wollte, kam er zurück. Bei Red Bull München wurde er als 19-Jähriger Stammkraft, dreimal Meister, Nationalspieler mit dem Höhepunkt Olympia.

          Danach bekam er den NHL-Vertrag, in Chicago. Obwohl er ordentlich spielte, wurde er transferiert, nach Pittsburgh, dann nach Buffalo. Danach war er vertragslos und ging nach Edmonton zu Jugendfreund Leon Draisaitl, spielte mal in den Topreihen, saß mal draußen, am Ende kam er auf 50 Spiele und 15 Scorerpunkte. „Vielleicht war die Statistik nicht wie sonst, aber ich kann schon zufrieden sein“, sagt Kahun, der nun wieder einen Verein sucht.

          Diesmal darf es gern ein längerer Vertrag sein, „aber auch wenn ich für sieben Jahre unterschreibe, kann es passieren, dass ich nach zwei Wochen weg bin“, weiß Kahun. Nur Superstars haben Vertragsklauseln, die sie vor Transfers schützen. In Lettland ist Kahun Star der deutschen Offensive. Klappt das, könnte es vielleicht wieder so weit gehen wie 2018. Kahun würde damit seinen Marktwert steigern. Für einen neuen NHL-Vertrag. Egal wo.

          Weitere Themen

          Der perfekte Ersatzmann

          Eintracht-Torhüter Jens Grahl : Der perfekte Ersatzmann

          Jens Grahl stand in seiner Fußballkarriere selten im Rampenlicht. Beim VfB Stuttgart galt er als „gute Seele des Teams“ – und in Frankfurt soll das nicht anders sein.

          „Wie ist man mit 13 schon auf Weltniveau?“ Video-Seite öffnen

          Olympia-Video aus Tokio : „Wie ist man mit 13 schon auf Weltniveau?“

          Die ersten Olympia-Tage in Tokio sind vorbei. Die F.A.Z.-Reporter sprechen über die Eindrücke. Wie groß ist die Begeisterung vor Ort? Wie sind die neuen Sportarten? Und wie schlagen sich die Deutschen?

          Topmeldungen

          Eine Schülerin einer Abschlussklasse wird im Impfzentrum an der Messe München geimpft.

          Leopoldina-Forscher Falk : „Klappe halten, impfen lassen“

          Spitzenforscher Armin Falk fordert eine Impfpflicht und findet, dass der Impfstatus bei der Triage eine Rolle spielen sollte. An Politiker, die sich nicht impfen lassen, hat er eine klare Ansage.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.