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Eishockey-WM : Die stille Führungskraft Wolf

  • -Aktualisiert am

Glückwunsch: Kapitän Michael Wolf trifft auch im 100. Länderspiel Bild: dpa

Beim 3:2-Sieg gegen Aufsteiger Slowenien hat Michael Wolf sein 100. Länderspiel bestritten, doch der Eishockey-Profi ist kein Mann der großen Worte. Der Kapitän lässt lieber Taten sprechen - auch als Torschütze beim Sieg am Dienstagnachmittag.

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          Die Zahlen sprechen für sich: 136 Treffer hat Michael Wolf in den vergangenen vier Jahren für den Mittelklasse-Klub Iserlohn Roosters erzielt. Kein einheimischer Profi erreicht in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) annähernd eine ähnliche Erfolgsquote. Selbst die vielen von den Vereinen immer wieder aus Nordamerika und Osteuropa verpflichteten Alt-Stars und jungen Sternchen kommen da nicht mit. Zuletzt war das frühere deutsche Eishockey-Idol Dieter Hegen ähnlich gut, über zwei Jahrzehnte ist das her. Doch derlei Vergleiche hört der zum Kapitän der Nationalmannschaft aufgestiegene Torschützenkönig der abgelaufenen Saison nicht gerne. Wie er sich überhaupt am liebsten auf seine Aufgabe auf dem Spielfeld konzentriert.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Der Dreißigjährige ist ein nachdenklicher Mensch, der dem Trubel, den gerade eine Veranstaltung wie die Weltmeisterschaft in der Slowakei mit sich bringt, gerne aus dem Weg ginge. Wolf unterscheidet sich auffällig von den Sprücheklopfern, die es in seinem Metier zuhauf gibt. Der Mann mit den jungenhaften Gesichtszügen ist stattdessen einer, der in Interviews nicht drauflos plaudert, sondern lange um die richtigen Worte ringt, fast schon einen grüblerischen Ton anschlägt. Seine Berufsauffassung, sagen seine Kollegen anerkennend, sei hoch professionell. Wolf könne sich stundenlang mit dem Schleifen der Kufen, der perfekten Krümmung des Schlägers oder dem Anpassen der Handschuhe beschäftigen.

          Mit dem C auf der Brust

          Gegen Aufsteiger Slowenien hat er an diesem Dienstag sein 100. Länderspiel bestritten - und hatte als Torschütze des Anschlusstreffers zum 1:2 (36. Minute) wesentlichen Anteil am 3:2-Sieg nach Penaltyschießen. Die weiteren Treffer erzielten Felix Schütz (46.) und Penaltyschütze Frank Hördler in dem Spiel, das nach den beiden ersten Siegen der deutschen Mannschaft gegen Russland (siehe: Eishockey-WM: Deutsche überrumpeln übermächtige Russen) und Gastgeber Slowakei (siehe: Eishockey-WM: Deutschland besiegt den Gastgeber Slowakei) für die Tabelle bedeutungslos war. „Während der WM mache ich mir darüber keine großen Gedanken“, kommentiert er das Jubiläum, „im Nachhinein ist es dann vielleicht etwas Besonderes“. Für Wolf ist das Turnier in Bratislava seine fünfte WM – und zugleich eine Premiere. Zum ersten Mal trägt er das „C“ auf der Brust und marschiert als Anführer vorneweg. „Er ist der beste Spieler und hat besondere Qualitäten als Führungsspieler“, erläutert Bundestrainer Uwe Krupp seine Wahl. Wolf rede zwar nicht viel, „doch er hat das Ohr der Mannschaft. Wenn er spricht, hört jeder zu.“ Außerdem gehe er „mit gutem Beispiel voran“, auf ihn könne „Eishockey-Deutschland stolz sein“.

          Deutscher Jubel: Auch Slowenien kann Deutschland nicht stoppen
          Deutscher Jubel: Auch Slowenien kann Deutschland nicht stoppen : Bild: dpa

          Wolfs Karriere kam spät auf Touren. Erst mit 24 Jahren wechselte er in die DEL, nachdem er zuvor nur in Essen und Bietigheim zum Einsatz gekommen war. Als ihn Roosters-Manager Karsten Mende unter Vertrag nahm, galt er als solider Angreifer für eine der hinteren Reihen – mehr Potential sah niemand in ihm. „Ich war mir damals selbst nicht sicher, ob ich den Sprung wagen sollte“, erinnert sich Wolf. Inzwischen ist sein Selbstvertrauen gewaltig gewachsen. Auch dank der Wertschätzung durch Krupp. Bei Olympia in Turin und der B-WM 2006 verzichtete der Coach noch auf den Außenstürmer, was er später als Fehler bezeichnete.

          Im Sommer hilft er seinen Eltern im Schuhgeschäft

          Seit 2007 ist Wolf auf internationaler Bühne dabei. Auch hier ist seine Torquote herausragend. 35 Treffer erzielte er bislang in der Nationalmannschaft, seinen außergewöhnlichsten vor 77.000 Zuschauern. Beim Weltrekordspiel zum WM-Auftakt 2010 in der Schalker Arena traf er zum 1:0 gegen die Vereinigten Staaten. Wechselangebote namhafter DEL-Klubs erreichen ihn dank seiner Verdienste regelmäßig.

          Doch der in Füssen aufgewachsene Wolf, der noch immer im Sommer nach Hause fährt, um den Eltern im eigenen Schuhgeschäft als Verkäufer zu helfen, lehnt stets ab: „Geld ist nicht alles“, sagt er. „Und hier weiß ich, was ich habe.“ Im Sauerland ist er heimisch geworden, in der (Sport-)Provinz wird ihm genau das richtige Maß an Anerkennung zuteil, das er braucht, um sich wohl zu fühlen. Das Rampenlicht gehört nicht dazu.

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