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2:1 gegen Lettland : Deutsches Eishockey-Team erreicht WM-Viertelfinale

Frühe Führung: Lukas Reichel (rechts) jubelt mit dem Torschützen zum 1:0, John Peterka (links). Bild: dpa

Offensiv begonnen, defensiv gewonnen: Mit einem 2:1 gegen Gastgeber Lettland zieht die deutsche Nationalmannschaft ins Viertelfinale ein. Doch das Team hat einen Verletzten zu beklagen.

          2 Min.

          Moritz Seider hat Recht behalten. Doch es wäre dem Shooting-Star im Team der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft gewiss nicht ungelegen gekommen, wenn sich seine mahnenden Worte als übertriebene Vorsicht herausgestellt hätten. Der Verteidiger hatte im Laufe des ersten Wochenendes, das mit drei Siegen am Stück nahezu tadellos abgelaufen war, empfohlen, den „Tag nicht vor dem Abend“ zu loben. Sprich: Abgerechnet werde nicht nach dem Coup gegen die Kanadier, sondern zum Vorrundenabschluss gegen Lettland. Und dabei war mehr Spannung im Spiel, als Seider und seinem Team eigentlich lieb sein konnte.

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          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Gegen die Auswahl des Turnier-Gastgebers besaß der 20-Jährige einen großen Anteil daran, dass die Veranstaltung für ihn und seine Mitstreiter noch nicht vorbei ist. Sie setzten sich zusammen 2:1 (2:0, 0:1, 0:0) durch und belegten damit den dritten Platz in der Gruppe B. Im Viertelfinale, das stets als Minimalziel genannt worden war, geht es nun an diesem Donnerstag im K.o.-Modus weiter.

          Gegner wird dann die Schweiz sein – eine Mannschaft, die bislang bei der WM fast durchweg überzeugend auftrat, doch sich im Duell mit dem DEB-Team in der Vergangenheit oft schwertat. „Wenn du so ein Do-or-Die-Spiel gewinnst, gibt das sehr viel Energie“, schaute hinterher Stürmer Matthias Plachta bereits schon wieder voraus. Bundestrainer Toni Söderholm lobte die „Opferbereitschaft“ der Mannschaft, insbesondere in Unterzahl, die den Unterschied gemacht habe.

          Beide Mannschaften spielen auf Sieg

          Deutsche als auch Letten wussten vor dem Eröffnungsbully, dass ihnen ein Remis in der regulären Spielzeit fürs Weiterkommen genügen würde. Dafür gesorgt hatte das vorherige Resultat der Kanadier, die gegen Finnland 2:3 nach Penaltyschießen verloren. Dass dieser Sicherheitsgedanke bei allen Beteiligten womöglich im Hinterkopf vorhanden war, machte sich im Spielgeschehen nicht negativ bemerkbar:

          Beide Seiten gingen mit Elan zur Sache, von einer abwartenden oder taktierenden Gangart konnte keine Rede sein. Passend zur Bedeutung dieses Showdowns waren erstmals Fans zugelassen. 2600 Zuschauer, mehr durften wegen der Pandemie nicht live dabei sein, erhielten ein Eintrittsticket – und viele von ihnen sorgten mit „Latvia“-Sprechchören zu Beginn für einen stimmungsvollen Hintergrund-Sound, den es bis dahin bei dieser WM noch gar nicht gab.

          Doch es wurde erstmal leiser, denn die Deutschen verdarben früh die Party-Atmosphäre. Dass sie rasch in Führung gingen, hatten sie der Geistesgegenwart Seiders mit zu verdanken. Er fing einen Puck ab und passte die Scheibe direkt zu John-Jason Peterka. Dieser verschaffte sich mit seiner Spurtschnelligkeit auf dem linken Flügel Freiraum und zog unhaltbar zum 1:0 ab (4. Minute).

          Eine Kombination, bei der die Berliner im Kader ihr im Klub gewachsenes Verständnis demonstrierten, machten den Start vollkommen: Leo Pföderl und Lukas Reichel suchten und fanden Marcel Noebels, den dritten Eisbären im Bunde, der überlegt zum 2:0 einschob (7.). Damit und ebenso durch ihre Power beim Blocken von Schüssen setzten sie zunächst ein Zeichen, das dem Heim-Team nicht behagte.

          Seider & Co. retten den Vorsprung über die Zeit

          Doch nicht alles, was die Deutschen anpackten, brachten sie bestmöglich zu Ende. So ließ sich Dominik Kahun zu leicht abdrängen, wodurch ein eigener Angriff in Sekundenschnelle in eine lettische Kontermöglichkeit umschlug: Rodrigo Abols nutzte sie zum Anschlusstreffer (26.). Und mit der gelungenen Aktion wendeten sich die Kräfteverhältnisse. Den Letten kam zugute, dass mit Noebels einer der bis dahin auffälligsten Akteure verletzt runter musste, was vorübergehend für einen deutschen Druckabfall sorgte. Der 29-Jährige ging nach einem Zweikampf mit Martins Karsums zu Boden und hielt sich danach das rechte Handgelenk.

          Noebels wurde in der Kabine behandelt, für ihn rückten Maximilian Kastner und Stefan Loibl abwechselnd als Center in die Reihe. In dem von Spannung geprägten Schlussabschnitt verstärkte Söderholms Ensemble seine Defensivbemühungen. Oft waren es mindestens drei Mann, die sich vor Keeper Mathias Niederberger postierten, um zur Stelle zu sein, wenn die Letten ihre Chance witterten. Auch dank der Systemumstellung brachten sie den Vorsprung und den vierten WM-Sieg ins Ziel, um sich dann in einer Jubeltraube um Niederberger zu versammeln. Auch in diesem Moment schritt Seider vorneweg.

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