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Deutsches 1:2 im WM-Halbfinale : „Brutale Enttäuschung“ beim Eishockey-Team

Goalie Mathias Niederberger kann nur hinterhersehen, wie der Puck zum 0:1 ins Tor rutscht. Bild: AFP

Das Finale findet ohne Deutschland statt. Finnland setzt sich bei der Eishockey-WM knapp durch und spielt gegen Kanada um Gold. Das deutsche Team hat am Sonntag aber auch noch ein großes Ziel.

          4 Min.

          Die Begleitumstände sind gewöhnungsbedürftig. Kaum Kontakt zur Außenwelt, frische Luft zumeist nur auf dem Hotelbalkon, strenge Quarantänebestimmungen auch in den Arenen und regelmäßige Corona-Tests: Die Eishockey-Weltmeisterschaften verlangen – nicht nur wegen des vollen Programms auf dem Spielfeld – den Protagonisten einiges ab. Und die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) hat den Stress und die Strapazen besser weggesteckt, als mancher Konkurrent glauben wollte.

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          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          An diesem Sonntag werden bei dem Turnier in Riga die Medaillen verteilt – und das Team von Bundestrainer Toni Söderholm mischt bis zuletzt mit. Erstmals seit 68 Jahren kann die Nationalmannschaft wieder eine Auszeichnung in Edelmetall bei einer WM gewinnen. Nur Gold, was einer sportlichen Sensation gleichgekommen wäre, ist nicht mehr im Bereich des Möglichen. Die Deutschen verloren am frühen Samstagabend 1:2 (0:2, 1:0, 0:0) im Halbfinale gegen Finnland und treten nun am Sonntag im Spiel um den dritten Platz gegen die Vereinigten Staaten an (14.15 Uhr bei Sport 1). Im Endspiel treffen die Finnen anschließend auf Kanada (19.15 bei Sport1).

          „Es ist noch nicht vorbei“, sagte anschließend Stürmer Leo Pföderl, der betonte, „brutal enttäuscht zu sein“, aber „es gibt ja hier noch was zu gewinnen“. Der Berliner sprach von einem „guten Spiel“, das ihnen allen gegen den Weltmeister gelungen sei, „wir hatten die Chancen auf ein zweites oder drittes Tor, haben es aber leider nicht geschafft. Und dann geht es so aus“. Kapitän Moritz Müller sprach davon, „dass wir über das ganze Spiel gesehen die bessere Mannschaft waren“. Der Kölner nannte den Ausgang „traurig“, doch es gelte den Frust schnell abzuhaken, „um morgen neu anzugreifen“.

          Finnland mit großer Effizienz

          Söderholm nahm nur eine Veränderung gegenüber dem Viertelfinal-Krimi gegen die Schweiz vor: Stürmer Frederik Tiffels kehrte im ersten WM-Halbfinale einer deutschen Mannschaft seit 2010 zurück in den Kader. Der künftige Münchner begann gegen den Titelverteidiger anstelle von Lean Bergmann von den San Jose Sharks, der wieder eine schöpferische Pause erhielt. Ansonsten vertraute der Coach gegen das Ensemble seines Heimatlands den gleichen Spielern, die im Viertelfinale am Donnerstag die Schweiz 3:2 nach Penaltyschießen bezwungen hatten; zwischen den Pfosten Tor startete abermals Mathias Niederberger vom Meister Eisbären Berlin.

          Die Deutschen ließen früh erkennen, dass es ihnen an Selbstvertrauen nicht mangeln würde. Sie gingen es gegen den Favoriten energiegeladen an. Dominik Kahun und Markus Eisenschmid besaßen in der 4. Minute binnen weniger Sekunden zwei gute Möglichkeiten. Beide verfehlten das von Jussi Olkinuora gehütete Tor nur knapp. Es war zu erkennen, dass Söderholm seinen Leuten mit auf den Weg gegeben hatte, den Keeper der Finnen mehr zu beschäftigen als beim ersten Mal, als es am Ende (ebenfalls) 1:2 ausgegangen war.

          Olkinuora ist 1,90 Meter groß, trotzdem schnell auf den Beinen und rasch mit den Schonern am Boden. Unter anderem war es Matthias Plachta, der im Slot auftauchte, um den Rückhalt im blauen Trikot damit die Sicht zu nehmen und zu irritieren. In der Defensive blieb Moritz Seider immer wieder stabil stehen, auch wenn die Angreifer ihn an der Bande mit harten Checks zu beeindrucken versuchten. Doch am Jungstar in der deutschen Abwehr prallten die Provokationen ab. Auch bei den Aktionen von Lukas Reichel (10.) und Markus Eisenschmid (11.) fehlte nicht viel, um die Führung zu erzielen.

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