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Deutsches Eishockey-Team : Attraktion und Anerkennung

  • -Aktualisiert am

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft gab bei der WM ein gutes Bild ab. Bild: AP

Der deutsche Erfolg bei der Eishockey-WM ist kein Zufallsprodukt. Dass noch mehr drin war, schmälert die Freude. Und das ist gut so, denn jeder Sportler wächst auch mit seinen Ansprüchen.

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          Es ist noch nicht allzu lange her, da sorgte der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) mit einer Ankündigung für Aufsehen und manches Gelächter. Kaum, dass Uwe Harnos abgewählt worden war, der den Verband als Präsident in arge finanzielle Schwierigkeiten geführt hatte, wurde eine Agenda proklamiert, die einen völlig neuen Ton anschlug: „Powerplay 2026“ hieß das Konzept, das alle Mitglieder von der Basis bis zur Spitze dazu ermunterte, fortan in größeren Dimensionen zu denken und sich von der über Jahrzehnte gewachsenen Meinung zu verabschieden, dass deutsche Nationalteams bei Großereignissen vor allem eines seien: ein Spielball der Szenegrößen.

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          Das Thesenpapier gipfelte in der gewöhnungsbedürftigen Prognose, dass Spieler mit dem Adler auf der Trikot-Brust fortan immer um Medaillen mitspielen sollten. Mittlerweile ist der Spott, den es für die kühnen Behauptungen anfangs gab, längst in branchenweite Anerkennung umgeschlagen. Zu Recht.

          Auch bei der am Wochenende beendeten Weltmeisterschaft in Lettland gehörten die Männer in Schwarz-Rot-Gold zu den Attraktionen des Turniers. Spätestens mit dem Krimi-Sieg über die Schweiz im Viertelfinale nahm das Team vor den Fernsehbildschirmen zu Hause ein Millionenpublikum für sich ein, das sich erstaunt die Augen rieb, wie unerschrocken, zielstrebig und attraktiv es aussah, als die Spieler von Toni Söderholm ihre Chance witterten – und sie dann mit Herz und Hirn nutzten.

          Eine goldene Generation

          Der Erfolg ist kein Zufallsprodukt. Dank des bundesweit forcierten Nachwuchsförderprogramms, das sich den Deutschen Fußball-Bund und dessen Leistungszentren zum Vorbild nahm, entwächst jedes Jahr eine neue Reihe an hochbegabten Talenten dem Juniorenbereich: Moritz Seider, Lukas Reichel, John-Jason Peterka, die in Riga an vorderster Stelle dabei waren, sind beste Beispiele, dass es sich lohnt, heimischen Kids Vertrauen zu schenken und früh mit Hilfe erstklassiger Ausbilder ein gezieltes Training anzubieten. Tim Wohlgemuth ist der Nächste, der bereit ist für den Sprung auf die große Bühne, vielleicht schon in gut einem halben Jahr bei Olympia in Peking.

          In Söderholm hat die goldene Generation einen Wegbereiter an ihrer Seite, der sie fordert und fördert. Der Finne ist nach Marco Sturm und Uwe Krupp ein weiterer Bundestrainer, der Maßstäbe setzt. Dank seines Fachwissens und seiner Sozialkompetenz erweist er sich als Idealbesetzung für die junge Garde, deren Sprache er spricht und für die er auch außerhalb der Arenen einen verlässlichen Ratgeber abgibt. Für Krupp, aber mehr noch für Sturm, der die DEB-Elite 2018 bei Olympia zu Silber führte, entpuppte sich das Engagement als Karrierebeschleuniger auf dem Posten hinter der Bande.

          Das wird bei Söderholm nicht anders sein. Sturm konnte, ausgestattet mit einem üppig dotierten Vertrag bei den Los Angeles Kings, nun aus dem Land der unbegrenzten Eishockey-Möglichkeiten anerkennend zuschauen, was sein Nachfolger und die Seinen bei der WM mit dem vierten Platz als Achtungsergebnis zustande brachten.

          Dass noch mehr drin war, schmälert die Freude. Und das ist gut so, denn jeder Sportler wächst auch mit seinen Ansprüchen. Die ersten Spieler sprachen vor dem Abschied aus dem Baltikum jedenfalls mehr oder weniger deutlich davon, den diesmal knapp verpassten Finaleinzug (und damit den erhofften Titel) dann halt bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit gewinnen zu wollen. Angst, für diese Aussage belächelt zu werden, muss keiner haben.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

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