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Eishockey-Weltmeisterschaft : Deutschland wieder im Malocher-Modus

  • -Aktualisiert am

Philipp Grubauer von den Seattle Kraken hütet das deutsche Tor. Bild: dpa

Wacher, kämpferischer, geschlossener und ein überragender Torwart: Die deutsche Mannschaft ist wieder zurück in ihrer WM-Form. Doch wofür reicht die gute Verfassung dieses Teams?

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          Stefan Loibl lachte. Dabei war ihm nicht wirklich etwas Witziges widerfahren. Loibl hatte Schmerzen, und zwar richtige. Am Samstagabend in Helsinki war das, Anfang des letzten Drittels im zweiten WM-Spiel der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft gegen die Slowakei. Die war in doppelter Überzahl und jagte immer wieder Schlagschüsse aufs deutsche Tor. Doch immer wieder warf sich einer dazwischen. Kai Wissmann, Fabio Wagner, und vor allem Loibl, gleich zweimal binnen acht Sekunden.

          Danach schleppte er sich auf die Bank, wo er mit Umarmungen und Schulterklopfern empfangen wurde. Eishockey-Teams sind ja immer auf der Suche nach diesem besonderen Moment – ob in einer Ligasaison, in einer Play-off-Serie oder bei einem Turnier. Dieser eine Moment, der alle noch enger zusammenschweißt. Das müssen kein Tor oder eine Glanzparade sein, manchmal ist es einfach ein Bodycheck, ein geblockter Schuss, oder wie in Loibls Fall: zwei binnen acht Sekunden.

          Dessen Leidenschaft stand sinnbildlich für den 2:1-Erfolg des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) am Samstag gegen die Slowakei. Hinterher war selbst der selten zu Superlativen neigende Bundestrainer begeistert: „Das war fast das temporeichste Spiel, das ich mit der Nationalmannschaft erlebt habe“, sagte Toni Söderholm, dessen Team nach der 3:5-Auftaktniederlage am Tag zuvor gegen Kanada bereits unter Druck stand. Denn Kanada und Slowakei, da war doch etwas.

          Erfolgreiche Mischung

          Vor drei Monaten in Peking rahmten diese Spiele das Scheitern bei Olympia. Das 1:5 zum Auftakt gegen Kanada war der denkbar schlechteste Beginn, das 0:4 in ersten K.-o.-Runde gegen die Slowakei das denkbar schlechteste Ende. Nun vor der WM in Finnland stand die Frage im Raum: Wo steht das deutsche Team? Ist es so gut wie bei der WM 2021, als es ins Halbfinale stürmte? Oder ist es so schwach wie bei Olympia 2022, als es nicht mal fürs Viertelfinale reichte? Noch ist es zu früh für abschließende Urteile, aber eins lässt sich schon festhalten: In dieser Mannschaft steckt deutlich mehr WM 21 als Olympia 22.

          Das selbstlose Schüsseblocken ist nur ein Indiz dafür. Generell wirkt das alles wieder wacher, kämpferischer, geschlossener. „Vom Torwart über die Verteidiger bis zu den Sturmreihen, alle haben gut gearbeitet“, lobte Söderholm. Hinzu kommen junge Ausnahmespieler aus der NHL wie Abwehrchef Moritz Seider oder Erste-Reihe-Center Tim Stützle, die bei Olympia fehlten. Auch Spieler aus der heimischen Liga drehen wieder auf: Marcel Noebels, Leo Pföderl und Matthias Plachta kamen in Peking in vier Spielen insgesamt auf nur zwei Scorerpunkte. Jetzt in Helsinki haben sie bereits sechs. Plachta und Pföderl erzielten gegen die Slowakei die Tore.

          Vor allem aber gibt es wieder einen überragenden Torwart. 2021 in Lettland war das Mathias Niederberger, der in Peking ebenfalls nicht in Bestform war, nun in Finnland ist das Philipp Grubauer. Auch der spielt in der NHL, erlebte dort aber eine maximal durchwachsene Saison. Auch gegen Kanada griff er einmal daneben, doch der Bundestrainer hielt an ihm fest – und machte alles richtig: Grubauer parierte 28 Schüsse, wurde zum Spieler des Spiels ausgezeichnet. Was auch um ihn herum passierte, der 30-Jährige blieb die Ruhe selbst.

          Dabei habe er am Ende, als die Slowaken die Deutschen minutenlang einschnürten, „fast nicht mehr stehen können, es war brutal“, sagte Grubauer bei Sport1. Wegen der hohen Temperaturen in der alten Halle sei das Eis so weich, dass er kaum auf den Schonern hin und her rutschen könne. „Man muss alles auf den Beinen machen“, sagte Grubauer. Tat das. Und hielt den Sieg fest, was Pföderl fast ungläubig zurückließ: „Da kommen Schüsse aufs Tor, und du denkst: ,Leck mich am Arsch.‘ Und der lacht sich kaputt.“

          Ob Grubauer auch an diesem Montag (19.20 Uhr live bei Sport1 und Magentasport) gegen Außenseiter Frankreich spielt, steht noch nicht fest. Aber ganz gleich, wer im Tor steht, die Vorderleute müssen sich trotz des Sieges steigern, besonders im Aufbau aus der Defensive. Gegen Kanada war das noch auffälliger, da verloren die nicht eingespielten Deutschen mehrmals in der eigenen Zone die Scheibe, kamen teils gar nicht hinten raus, rannten viel hinterher. Schon im zweiten Drittel lagen sie 1:5 zurück. Da sah das eher nach Olympia 22 aus. Doch anstatt sich aufzugeben, kämpfte sich das Team zurück, kam durch zwei Überzahltore auf 3:5 heran.

          Diesen Schwung „wollten wir ins zweite Spiel mitnehmen“, sagte Grubauer. Hinzu kamen taktische Anpassungen in der neutralen und der defensiven Zone sowie in Unterzahl. Das klappte, der zweite Aufritt sei „ziemlich nah“ an seiner Idealvorstellung gewesen, sagte Söderholm, vor allem emotional. Deswegen verordnete er seinen Mannen für den Sonntag nur leichtes Training. Alle müssten runterkommen. Der sichtlich mitgenommene Grubauer freute sich darauf: „Wir müssen uns jetzt regenerieren, haben einen Tag frei. Und dann geht der ganze Spaß wieder weiter.“

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