https://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/eishockey-wm-deutsche-und-schweizer-leben-ihre-rivalitaet-aus-18055627.html

Eishockey-WM : Hart und wenig herzlich

  • -Aktualisiert am

Eine Frage der Ehre im Eishockey: Nachbarschaftsduell zwischen der Schweiz und Deutschland Bild: dpa

Das starke DEB-Team unterliegt den Schweizern in einem hitzigen Spiel. Bundestrainer Söderholm zeigt sich dennoch zufrieden, kritisiert jedoch die Referees.

          2 Min.

          Bundestrainer Toni Söderholm ist normalerweise keiner, der sich öffentlich zu Schiedsrichtern äußert. Aber am Dienstag in Helsinki ging es nicht anders. Seine Mannschaft hatte gerade ihr letztes WM-Gruppenspiel gegen die Schweiz 3:4 nach Penaltyschießen verloren, wofür es einen Punkt gab, der für Platz zwei der Abschlusstabelle reichte.

          Söderholm war also durchaus gut gelaunt, aber es gab zwei Szenen, die ließen ihn nicht los. Erst checkte Fabrice Herzog Samuel Soramies von hinten in die Bande, dann schlug Denis Malgin Leon Gawanke den Ellbogen ins Gesicht. Beide Male blieb ein Deutscher liegen, Gawanke blutete gar. Was die Schiedsrichter aber nicht interessierte, sie gaben nicht mal eine Strafe. Bei der Aktion gegen Soramies – laut Söderholm „einer der gefährlichsten Checks, die ich in den letzten Jahren gesehen habe“ – gab es gerade mal zwei Minuten. „Ein Riesenfehler“, schimpfte der Bundestrainer und stellte grundsätzlich fest: „Es wird immer dasselbe gesagt: den Spieler schützen. Aber wir tun es nicht.“

          Dass es zwischen Deutschland und der Schweiz hoch hergeht, kam weniger überraschend. „Von den Emotionen her hat man gesehen, dass wir Nachbarländer sind, es war hochintensiv“, sagte Stürmer Marcel Noebels über das 29. WM-Duell der alten Rivalen. Diesmal war es zwar kein K.o.-Spiel wie im Vorjahr, sondern bloß ein Gruppenspiel, aber eins, das zeigte, was aus den beiden Nationen geworden ist. Keine gehört zu den klassischen Großen im Welteishockey, und dennoch beendeten sie die Gruppe auf den Plätzen eins und zwei.

          Toni Söderholm (M.): „Es wird immer gesagt: Wir müssen die Spieler schützen.“
          Toni Söderholm (M.): „Es wird immer gesagt: Wir müssen die Spieler schützen.“ : Bild: dpa

          Natürlich sind in Finnland nicht alle Weltstars am Start, natürlich profitierten beide vom Ausschluss Russlands, aber es kann sich sehen lassen, was sie hier zeigen. Die Schweizer gewannen alle sieben Spiele, die Deutschen fünf.

          Ihren größten Festtag hatten die Eidgenossen schon am Wochenende erlebt. Da bestritt Andres Ambühl sein 120. WM-Spiel und löste die deutsche Verteidiger-Legende Udo Kießling als WM-Rekordspieler ab. Die aktuelle ist bereits die 17. Weltmeisterschaft für den Mann aus Davos, und sein Rekordspiel war einer der Höhepunkte seiner langen Karriere: Schon vorher erhob sich die komplette Halle, Luc Tardif, Präsident des Weltverbandes IIHF, war extra für eine Ehrung vorbeigekommen. Und dann erst dieses Spiel: Ein rauschendes 6:3 gegen Kanada vor tausenden Schweizer Fans, deren Team wie ein Goldkandidat aussah.

          Am Dienstag war deutlich weniger los in der Halle, die klassischen Wochenendtouristen waren wieder weg. Was den 38-jährigen Ambühl nicht daran hinderte, gleich den ersten Schuss ins Tor zu jagen. Generell ging das zu Beginn alles viel zu schnell für die Deutschen, die ein paar Minuten brauchten, um im Spiel anzukommen. Aber die bei diesem Turnier vor allem eine Waffe haben: ihr Powerplay.

          Gegen die Schweiz ging das so weiter: Erste Überzahl, erstes Tor, Kai Wissmann schoss zum 1:1 in der zwölften Minute ein. Und schon war es ein anderes Spiel, nun fanden die Schweizer keine Lösungen gegen den deutschen Forecheck, noch vor Drittelende fälschte Stefan Loibl einen Schuss zum 2:1 ab. Ab dem Mittelabschnitt war es ein offenes Spiel. Pius Suter und Denis Malgin nutzten zwei für die Schweizer, die dann Glück hatten, nicht häufiger und länger auf die Strafbank geschickt zu werden. Doch anstatt mit dem Schicksal zu hadern, spielten die Deutschen weiter nach vorne, kamen im letzten Drittel nach starkem Solo von Matthias Plachta zum 3:3. Dabei blieb es: ein Punkt und Platz zwei.

          Da war die Niederlage im Penaltyschießen zu verschmerzen. Zumal die 16 Punkte in sieben Spielen eine ewige Bestmarke für ein deutsches Team darstellen. „Super“, sagte Noebels, um gleich einzuschränken: „Am Donnerstag fragt keiner danach, wie wir in der Vorrunde gespielt haben.“ Dann steht das Viertelfinale gegen den zwölfmaligen Weltmeister Tschechien an.

          USA und Slowakei erreichen Viertelfinale

          Team USA“ gewann bei der Eishockey-WM sein letztes Spiel gegen Norwegen mit 4:2 (2:0, 1:1, 1:1). Da Lettland zuvor gegen Schweden mit 0:1 (0:0, 0:1, 0:0) verloren hatte, standen die Amerikaner schon vor ihrem abschließenden Spiel in Gruppe B neben Schweden, Finnland und Tschechien als Teilnehmer an der K.o.-Runde fest.

          In der Gruppe A sicherte sich die Slowakei durch einen klaren 7:1 (2:0, 3:0, 2:1)-Erfolg im „Endspiel“ um Platz vier gegen Dänemark das letzte Viertelfinal-Ticket hinter der Schweiz, Deutschland und Kanada.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das Kapitol in Washington, vom Supreme Court aus gesehen

          Urteil des Obersten Gerichts : Amerikas Klima-Versager

          Der Supreme Court macht deutlich: Klimapolitik ohne Kongress geht nicht. Seine Entscheidung ist nachvollziehbar – was allerdings nicht tröstet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.