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Eishockey-WM : Bleibt Krupp doch Bundestrainer?

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Gefragter Bundestrainer Uwe Krupp: „Nach dem Turnier muss man über alles reden” Bild:

Das WM-Viertelfinale gegen Schweden am Mittwoch (20.15 Uhr) könnte Uwe Krupps letztes Match an der Bande sein. Sportdirektor Reindl würde aber immer noch am liebsten Bundestrainer Krupp über die WM hinaus halten. Präsident Harnos will aber keinen Teilzeit-Coach.

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          An diesem Mittwoch kehrt Uwe Harnos nach Bratislava zurück. Der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), der vorübergehend in die Heimat reisen musste, um im Hauptberuf als Rechtsanwalt vor Gericht zu erscheinen, stand seit dem Wochenende im Mittelpunkt vieler Spekulationen rund um die Nationalmannschaft. Sein Handy war entweder aus, oder er teilte in kurzen Phasen der Empfangsbereitschaft nur mit, er habe kein Interesse, in der Bundestrainerfrage Wasserstandsmeldungen abzugeben. Stattdessen, ließ der 50 Jahre alte Kaufbeurer von einem Sprecher mitteilen, liege sein „voller Fokus“ auf dem Sport und der Leistung der Mannschaft von Uwe Krupp.

          Für den Coach könnte an diesem Mittwoch (20.15 Uhr live in Sport 1 und FAZ.NET-Liveticker Eishockey-WM) das Viertelfinale bei der Weltmeisterschaft gegen Schweden sein letzter Auftritt an der Bande der DEB-Auswahl sein. Krupp, so der Plan, der in der Vergangenheit von Harnos stets bekräftigt wurde, soll sich nach Abschluss des Wettbewerbs in der Slowakei auf seine künftige Hauptaufgabe bei den Kölner Haien konzentrieren und die Verantwortung für die besten Profis des Landes an einen Nachfolger abgeben. Der zwar händeringend gesucht wird – aber nicht in Sicht ist. So wird Krupps Weiterbeschäftigung, wenn auch nur für eine Saison, immer plausibler.

          „Uwe ist ein Stern am Eishockeyhimmel“

          Die Wahrscheinlichkeit, dass die Deutschen im Duell mit den Schweden ausscheiden, ist groß. In 37 WM-Spielen gab es 35 Niederlagen, die letzte im Mai 2010 in Köln beim Spiel um Bronze, zudem zeigt die Formkurve der Männer um Kapitän Michael Wolf abwärts. An die Gruppenphase mit drei Siegen schloss sich eine Zwischenrunde an, in der durch die spezielle Arithmetik des Internationalen Eishockey-Verbandes (IIHF) zwar früh das Weiterkommen gesichert wurde – die aber eben auch zwei Misserfolge, jeweils im Penaltyschießen, und eine Enttäuschung brachte.

          Einer der Nachfolgekandidaten: Harold Kreis
          Einer der Nachfolgekandidaten: Harold Kreis : Bild: dpa

          Am Montag, beim Aufeinandertreffen mit Tschechien, bekamen die „Krieger“, wie Krupp seine wagemutigen Männer titulierte, beim 2:5 Grenzen aufgezeigt. Im Kräftemessen mit dem Titelverteidiger wurde ihnen vor Augen geführt, dass ein Höchstmaß an Einsatzbereitschaft nicht immer ausreicht, wenn der Gegner in einer noch besseren körperlichen Verfassung antritt und im Umgang mit dem Puck ohnehin über jeden Zweifel erhaben ist. „Die Stimmung war im Keller. Aber Uwe macht das schon, er bereitet das Team super vor – auch mental“, sagte DEB-Sportdirektor Franz Reindl über den Coach, der nach sechsjähriger Entwicklungsarbeit seinen Posten räumen soll.

          Reindl muss ins zweite Glied zurückrutschen

          Eine Doppelfunktion in Personalunion hatte Harnos bisher ausgeschlossen. „Diese Angelegenheit ist zur Chefsache erklärt worden“, kommentierte Reindl, „mehr als unsere Meinung kundtun, können wir nicht machen.“ Wobei er aus seiner Ansicht über den Mann, der in der Slowakei gezeigt habe, dass der vierte Platz der Heim-WM kein Zufall war, kein Geheimnis macht; und die von vielen in Verband und Liga geteilt wird. „Uwe ist ein Stern am Eishockeyhimmel“, sagte Reindl, der die K-Frage beim DEB, die sich um die Kandidatennamen Krupp, Ralph Krueger, Jakob Kölliker oder Harold Kreis dreht, gerne vor der WM gelöst hätte, „um hier Ruhe für das wirklich Wichtige zu haben“.

          Harnos sah es anders und demonstrierte zudem seine Macht. Auf sein Geheiß muss Reindl demnächst ins zweite Glied zurückrutschen, darf nur noch als Generalsekretär seine Kontakte zur IIHF und Politik spielen lassen. Was den Geschassten nicht davon abhält, seine Meinung in Bratislava zu äußern, während der Vorgesetzte weit weg ist. Reindl sagte, es komme überhaupt nur ein Trainer in Frage, der das Engagement auf dem eingeschlagenen Erfolgsweg fortführen könne: „Wir haben ihn. Und der ist perfekt.“ Krupp also. Der wiederum äußerste sich konziliant: „Nach dem Turnier muss man über alles reden.“

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