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U-20-Weltmeisterschaft : Dunkle Schatten über dem Eishockey-Turnier

  • -Aktualisiert am

Der deutsche U-20-Trainer Tobias Abstreiter will ins Viertelfinale. Bild: picture alliance / Beautiful Sports

Das Treffen der Eishockey-Toptalente gilt in Kanada eigentlich als nationales Ereignis. Der russische Angriffskrieg und ein Missbrauchsskandal verändern vor dem Start der WM aber die Stimmung.

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          Normalerweise läuft das bei der U-20-WM im Eishockey so: Gespielt wird von Weihnachten bis kurz nach Neujahr, vor Zehntausenden Fans in großen Hallen und Millionen vor den Bildschirmen. Besonders im Eishockey-Mutterland ist das jährliche Treffen der Toptalente ein nationales Ereignis, Reporterlegende Bob McKenzie nannte es einst „Synonym für kanadische Weihnachten“.

          Doch wenn an diesem Dienstag in Edmonton die nächste Auflage beginnt, ist das ganz anders. Erstens findet die WM im Hochsommer statt, weil sie im Winter wegen zahlreicher Corona-Fälle abgebrochen wurde. Und weitaus entscheidender für die getrübte Vorfreude: Gastgeber Hockey Canada ist schwer angeschlagen, nachdem der TV-Sender TSN im Mai enthüllte, dass der Verband sich mit einer Frau stillschweigend auf einen Vergleich geeinigt hat. Die Frau hatte wegen einer angeblichen Gruppenvergewaltigung von acht Eishockeyspielern am Rande eines Verbandsevents in 2018 geklagt – darunter Spieler des damaligen U-20-Teams.

          Seitdem weitet sich der Skandal ständig aus, jüngst mussten Verbandsvertreter vor einem Parlamentsausschuss zugeben, seit 1989 knapp neun Millionen kanadische Dollar für Vergleiche an Missbrauchsopfer überwiesen zu haben. Statt das Problem anzugehen, zahle man Schweigegeld, so die Kritiker. Mittlerweile wird auch gegen das U-20-Team von 2003 ermittelt.

          Toptalente bleiben fern

          In dieser Gemengelage finden nun ein Turnier statt, das auch sportlich nicht den höchsten Ansprüchen genügt. Einige Toptalente bleiben wegen der anstehenden Liga-Saison fern, die russischen dürfen wegen des Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine nicht mitspielen. Zudem ist der Abstieg ausgesetzt. Was allerdings den Deutschen gefällt, die die WM deswegen eher als Vorbereitung auf die nächste sehen – die steigt im Dezember. Mit Blick darauf wolle er „bereits jetzt jüngere Spieler einbinden“, sagt Bundestrainer Tobias Abstreiter, sie sollen „wichtige Erfahrung“ sammeln.

          Aktuelle Ziele hat Abstreiter dennoch, er will ins Viertelfinale. Das wäre das zweite Mal in Serie, was noch nie einer deutschen U 20 gelang. „Ein sehr schönes Ziel und eine große Herausforderung“ sei das, sagt der Bundestrainer, dessen Team in der Fünfergruppe mit den Vereinigten Staaten, Österreich, der Schweiz und Schweden mindestens Vierter werden muss. Ein Sieg könnte reichen, dass der gleich zum Auftakt gegen das amerikanische Team am Mittwochmorgen (4.00 Uhr MESZ bei Magentasport) gelingt, ist aber eher nicht zu erwarten.

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