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Toronto Maple Leafs : Schon wieder gescheitert in der NHL

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Aus in der NHL: Auston Matthews, Mitchell Marner und Jack Campbell (von rechts) von den Toronto Maple Leafs Bild: AP

Im entscheidenden Moment in der NHL versagen die Toronto Maple Leafs – wie schon so oft. Das Pleiten-, Pech- und Pannenprogramm der verflossenen Jahrzehnte ist mehr als kurios.

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          Beim Blick von ganz weit oben hinab auf die Welt sind die Details nicht immer besonders gut zu erkennen. Trotzdem hatte der kanadische Astronaut Chris Hadfield bei seinem dritten und letzten Trip im Orbit 2013 nicht den geringsten Zweifel, als er von der Internationalen Raumstation aus in eine Quizsendung seines Heimatlandes zugeschaltet wurde und die Frage beantworten sollte: „Wo befindet sich das wahre Zentrum des Eishockey-Universums?“. Die Antwort: „Das ist Toronto, die Heimatstadt der Maple Leafs.“

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          Es gäbe durchaus Indizien, um Hadfields Einschätzung abzustützen. So ist die Metropole am Ontariosee mit ihren sechs Millionen Einwohnern nicht nur so etwas wie die Herz-Lungen-Maschine im Energiekreislauf des Landes. Mittendrin befindet sich der größte Schrein der Sportart: die Hockey Hall of Fame, ein Museum, das auf 50.000 Quadratmetern die Geschichte des Spiels zelebriert.

          In deren Annalen haben sich auch die Maple Leafs verewigt. Doch mehr als Belastungsprobe für die Leidensbereitschaft loyaler Sportfans. Denn seit dem letzten großen Erfolg, dem Gewinn des Stanley Cups 1967, als die National Hockey League (NHL) noch aus sechs Klubs bestand, haben die Maple Leafs nur in einer Disziplin wirklich überzeugt: Sie fanden in jedem Jahr irgendeinen Weg, den anderen Klubs den Vortritt zu lassen.

          Montreal mit ausgezeichnetem Torwart

          Also so wie in der Nacht zum Dienstag, als es das Team in der ersten Runde der Play-offs gegen den Erzrivalen Montreal Canadiens fertigbrachte, die Best-of-Seven-Serie im siebten und entscheidenden Match zu verspielen, obwohl man zwischendurch schon 3:1 nach Siegen in Führung gelegen hatte.

          Es gab auch diesmal – so wie in all den Jahren zuvor – ein paar gut klingende Erklärungen für das Versagen im entscheidenden Moment. Team-Captain John Tavares hatte sich im ersten Spiel der Serie bei einem Zusammenprall eine Gehirnerschütterung zugezogen und fehlte seitdem. Am Montag stand zusätzlich wegen einer Verletzung Jake Muzzin, der beste Verteidiger, nicht im Aufgebot.

          Wer genau hinsah, entdeckte, dass die Mannschaft selbst ohne diese beiden besser war als die Canadiens. Aber die Maple Leafs scheiterten immer wieder an Carey Price, Montreals ausgezeichnetem Torwart. Und an der Fähigkeit von dessen Vorderleuten, höchst opportunistisch kleinste Fehlleistungen der gegnerischen Verteidiger in wenige, aber wichtige Tore umzumünzen.

          Das Pleiten-, Pech- und Pannenprogramm der verflossenen Jahrzehnte ist mehr als kurios. Andere Klubs, egal ob alt und traditionsverpflichtet wie die Detroit Red Wings, wirtschaftlich wackelig wie die Pittsburgh Penguins oder ohne jede Eishockey-Kultur wie die Tampa Bay Lightning, formten in derselben Zeit mit Hilfe von kanadischen oder russischen Ausnahmespielern Stanley-Cup-Gewinner.

          Währenddessen erreichten die Maple Leafs allzu oft trotz erheblicher finanzieller Anstrengungen nicht mal die Play-offs. Der in Toronto beheimatete Globe & Mail, die einflussreichste Zeitung des Landes, stöhnte zuletzt 2020 einmal mehr über den Gesamteindruck, den die Dauerbaustelle produziert: „Die Topspieler sind überbezahlt. Die Verteidigung ist porös. Der Torwart ist zerbrechlich. Der Trainer ist zwölf Jahre alt.“

          Tatsächlich ist nur General Manager Kyle Dubas, der seit drei Jahren die Verantwortung hat, ungewöhnlich jung. Der 35-Jährige steht für jenes auf komplexen Statistikauswertungen basierende analytische Denken, das im Baseball jahrzehntelange Misserfolgssträhnen bei den Boston Red Sox und den Chicago Cubs zu beenden half.

          Sein Bewertungsraster legte zunächst besonderen Wert auf Eishockeyspieler von höherem kufen- und stocktechnischen Format. Mittlerweile liegt sein Augenmerk auf älteren Profis, die den jungen Spielern Ehrgeiz und Kampfgeist vorleben sollen. Ein Plan, der nach dem Ausfall der erfahrenen Leistungsträger Tavares und Muzzin nicht mehr funktionierte.

          Die Fans flüchten sich nach Niederlagen wie der vom Montag in Resignation. Währenddessen sieht man in anderen Teilen des Eishockey-Mutterlands in solchen Momenten Grund zum Spott. Personifiziert von einem Twitter-Autor namens „God“, der gegenüber seinen sechs Millionen Anhängern die Deutungshoheit über das Universum rekurrierte: „Tut mit leid, Leafs. Ich mag euch einfach nicht.“

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