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Eishockey : Schuss - Abseits - Plexiglas - Tor

  • -Aktualisiert am

Staunend statt feiernd: Holzer (im Foto links/Archiv) verliert mit den Toronto Marlies das AHL-Finale Bild: AFP

Nicht selten schlägt der Puck im Eishockey abgefälscht im Tor ein. In der Finalserie der AHL springt er von der Plexiglasumrandung hinter die Linie. Der Tor zählt, ist aber eigentlich regelwidrig.

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          Manchmal fällt es im Sport schwer, nicht an eine höhere Macht zu glauben. Ein gutes Beispiel bot das dritte Spiel um den Calder Cup der der nordamerikanischen Profiliga NHL untergeordneten American Hockey League (AHL). Das Tor, das die Partie zwischen den Toronto Marlies und den Norfolk Admirals entschied, war so kurios, dass die Beteiligten keine Erklärung dafür fanden und nur noch staunten.

          Am Donnerstag war es für die beiden Teams torlos in die Verlängerung gegangen. Toronto mit den beiden deutschen Nationalspielern Korbinian Holzer und Marcel Müller musste das Spiel gewinnen, wollte das Farmteam des NHL-Klubs Toronto Maple Leafs in der Serie nicht aussichtslos mit 0:3 in Rückstand geraten.

          Was dann in der zehnten Minute der Verlängerung geschah, ist einmalig: Norfolks Mike Kostka wollte den Puck über die Bandenumrundung ins Drittel der Marlies spielen, wie es oft in einem Eishockeyspiel geschieht. Torontos Torwart Ben Scrivens war bereits hinter das eigene Tor geeilt, um den Puck erwartungsgemäß zu stoppen und wieder ins Spiel zu bringen, als die Scheibe in ihrer Luftbahn plötzlich von der Plexiglasscheibe aus spitzem Winkel ins verwaiste Tor abgefälscht wurde (nach 5:40 Minuten im Video). Niemand konnte damit rechnen.

          Während der unverhoffte Torschütze Kostka sofort in einer jubelnden Spielertraube der Admirals verschwand, blickte die Mannschaft der Marlies sekundenlang fast erstarrt auf den Videowürfel – als sei die entscheidende Spielszene ein schlechter Witz gewesen. Doch das Tor zählte.

          Eine Fehlentscheidung der Schiedsrichter: Ein Angreifer Norfolks hatte sich im Abseits befunden und das Drittel erst nach Kostkas Schuss verlassen. Die Unparteiischen waren wohl selbst verdutzt von der kuriosen Szene. „Das Ergebnis bleibt bestehen, weil das Endergebnis eines Spiels nicht durch eine fehlerhafte Regelauslegung verändert werden kann“, hieß es in einer offiziellen Erklärung des AHL-Präsidenten David Andrews.

          So bitter dies auch war, Torontos Verantwortliche trugen die Tatsachenentscheidung mit bewundernswertem Gleichmut und zeigten Verständnis für die Situation der Schiedsrichter. „Ich mache Fehler, meine Spieler machen Fehler. Es war keine böswillige Entscheidung der Schiedsrichter“, sagte Marlies-Trainer Dallas Eakins diplomatisch. „So etwas habe ich noch nicht gesehen und sicher auch die Schiedsrichter nicht. Garantiert wird ihnen so etwas während ihrer Karriere nicht mehr passieren.“ Eakins dürfte damit zweierlei gemeint haben: Ein solch surreales Tor und eine unmittelbar folgenschwere Fehlentscheidung.

          Nicht nur die AHL-Vertreter und die Schiedsrichter zeigten sich tief beeindruckt von der Zufälligkeit des Spielausgangs. Die Marlies wirkten auch im vierten Spiel noch geschockt und verloren dieses gegen Norfolk am Samstagabend deutlich mit 1:6. Der AHL-Titel ging damit an die amerikanische Ostküste und nicht in die größte Stadt Kanadas.

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