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Leo Pföderl : „Einmal für Berlin spielen“

Verstärkung für die Eisbären: Leo Pföderl ist neu in Berlin. Bild: Imago

Die DEL startet mit den üblichen Favoriten in die Saison: Die Eisbären Berlin versuchen es mit einem Neuanfang. Leo Pföderl ist einer der Hoffnungsträger.

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          Die Mehrheit der Trainer ist sich einig: Der Wettstreit um die Meisterschaft in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) wird aufs Neue zu einer Angelegenheit, bei der die Finalteilnehmer der vergangenen Saison ein entscheidendes Wort mitreden werden. Auf die Adler Mannheim, den Titelverteidiger, und den EHC Red Bull München, der im April als Dauerchampion (2016, 2017, 2018) entthront wurde, entfielen bei einer Befragung die meisten Stimmen. Was auch mit der Wirtschaftskraft der beiden Klubs zusammenhängt, die sich ihre Mannschaften rund 15 Millionen Euro kosten lassen; so viel Geld steht keinem der zwölf Mitbewerber zur Verfügung.

          Auch Leo Pföderl kennt die Zahlen und weiß um ihre Bedeutung für den anstehenden Konkurrenzkampf, der an diesem Freitag beginnt. An seiner Vorfreude, mit der er sich ans Werk macht, änderten die ökonomischen Vorteile der Konkurrenten wenig. „Ich will sie ärgern“, sagte der 26 Jahre alte Nationalstürmer, der fortan den Angriff der Eisbären Berlin um ein belebendes Element bereichern soll. Pföderl trug die vergangenen sieben Jahre das Trikot der Nürnberg Ice Tigers und entwickelte sich zu einem der auffälligsten Protagonisten dieses besonders schnelllebigen Unterhaltungsbetriebs. Er zeigte dabei – anders als mancher Kollege, der bei der erstbesten Chance auf einen Wechsel in die gepriesenen nordamerikanischen Gefilde von heute auf morgen aufbrach – lange Sesshaftigkeit, die ihm bei den Fans einen besonderen Stellenwert sicherte.

          Dass dem gebürtigen Oberbayern die fränkische Welt der begrenzten Eishockey-Möglichkeiten zu klein werden würde, zeichnete sich in der vorigen Runde ab. Kurz vor Weihnachten gewannen die Ice Tigers 5:2 in Berlin. Pföderl trug als Torschütze seinen Teil dazu bei, dass damit die Talfahrt der Eisbären an Rasanz zunahm und die Geduld der Verantwortlichen mit Trainer Clément Jodoin aufgebraucht war. Sportdirektor Stéphane Richer sprang als Aushilfe hinter der Bande ein und führte den sechsmaligen DEL-Primus noch ins Play-off-Viertelfinale. Parallel dazu kümmerte sich der Frankokanadier um den Neuaufbau eines Teams, von dem nun erwartet wird, die Spitze der Tabelle nicht wieder frühzeitig aus den Augen zu verlieren. Einer der ersten Transfers, die Richer einfädelte, war die Verpflichtung Pföderls.

          14 Neue bei den Eisbären

          Die Eisbären wollen ihr treues Publikum in der Arena am Ostbahnhof mit einer Rückkehr zur früheren Courage für vergangene Enttäuschungen entschädigen. Für den olympischen Silbermedaillengewinner ist eine Hauptrolle vorgesehen. „Ich weiß, was von mir erwartet wird“, sagte er vor dem Auftakt, bei der seine Kollegen und er es mit den Grizzlys Wolfsburg (19:30 Uhr/ Magenta Sport) zu tun bekommen: „Stürmer werden nach Punkten gemessen.“ Dass er sein Metier beherrscht, demonstrierte der 1,83 Meter große Rechtsschütze in 373 Partien für die Ice Tigers: 126 Treffer und exakt 100 Torvorlagen sind Ausdruck seiner Zielstrebigkeit in der Offensivzone, die er künftig in einer Reihe mit Kapitän André Rankel und dem Kanadier James Sheppard einbringen soll.

          Pföderl sagte, dass es „schon immer“ sein Wunsch gewesen sei, „einmal für Berlin zu spielen“. Alle anderen Offerten hatte er ausgeschlagen, nun sei es an der Zeit gewesen, „etwas Neues auszuprobieren“. Nach acht Wochen der Einstimmung fühle er sich „gut angekommen“ innerhalb der Kabine, „mir gefällt es hier, und ich sehe nichts, was mich aufhalten könnte“. Körperlich schätzt er sich als „mehr oder weniger“ topfit ein, kleinere Blessuren, die bei den Hardcore-Auseinandersetzungen an der Bande nicht ausbleiben, seien jedenfalls kein Störfaktor.

          Insgesamt vierzehn Akteure sind wie Pföderl Eisbären-Debütanten. Richer entschied sich für einen radikalen Personalumbruch: Das führte zur Trennung von Jens Baxmann (nach Iserlohn), der 18 Jahre lang in 860 Einsätzen zu den Gesichtern der Truppe zählte; auch Jamie MacQueen (nun Schwenningen) musste gehen, weil ihm bei aller Abschlussstärke zu wenig Verteidigungsbereitschaft attestiert wurde. Zwischen den Pfosten bekam Kevin Poulin keinen Vertrag mehr. „Sicher müssen wir uns alle noch zusammenfinden“, sagte Pföderl. Wohin das dann führen könne, wollte er nicht in Worte fassen. „Wo ich helfen kann, will ich helfen. Ansonsten bin ich kein Freund von Prognosen. Man muss aufs Eis gehen und abliefern. Das ist alles, was zählt.“

          In der Vorbereitung trug der von Richer angestrebte Teamgeist erste Früchte. An einen See bei Potsdam führte Spieler, Betreuerstab und Geschäftsstellen-Mitarbeiter ein Sommer-Termin, der dem allgemeinen Kennenlernen diente: Zusammen mussten sie ohne fremde Hilfe ein Floß bauen. Pföderl, der nach der Schule eine Lehre als Maurer im elterlichen Betrieb ablegte, bevor er die Jagd nach dem Puck in den Mittelpunkt seiner Lebensplanung stellte, übernahm als zupackender Handwerker mit das Kommando. Das Do-it-yourself-Projekt klappte, niemand ging unfreiwillig baden. Bei den Eisbären deuteten sie auch dies als gutes Omen.

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