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Eishockey-Finalserie : Eisbären kippen den Trend

Eisbärige Freude: Berlin feiert sich und den Titel Bild: dpa

Im vierten Play-off- Endspiel holen sich die Berliner mit dem 4:1 über die Kölner Haie ihren siebten Titel in der Deutschen Eishockey Liga. Erst in den Playoffs spielen die Eisbären ihre Erfahrung und ihre Kaltschnäuzigkeit aus.

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          Für die Berliner Sportfreunde muss es sich anfühlen wie ein Nationalfeiertag: Ihre Eisbären sind trotz einer enttäuschenden Hauptrunde deutscher Eishockey-Meister geworden. Mit einem 4:1 über die Kölner Haie, ihrem dritten Sieg im vierten Spiel, beendeten sie am Sonntagnachmittag die Finalserie der Play-offs. Gleichzeitig sicherte sich Fußball-Zweitligaklub Hertha BSC mit einem Sieg über den SV Sandhausen im Olympiastadion einen Platz in der Fußball-Bundesliga.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Dynamo, Dynamo!“ - der Profiklub aus dem Imperium der amerikanischen Unternehmensgruppe Anschutz mit seinen Wurzeln im Sportforum Ost-Berlins ist mit diesem Erfolg zum siebten Mal in den vergangenen neun Jahren Champion geworden. Die Fans bejubeln ihr Team gern noch mit dem Jahrzehnte alten Namen, der Jahr für Jahr frischer klingt.

          Ihre Freude und Überraschung waren in diesem Jahr besonders groß. Denn in der Hauptrunde waren die Eisbären als Tabellenvierte mehr in die Play-offs gerumpelt als geglitten. Doch dann spielten sie ihre Erfahrung und ihre Kaltschnäuzigkeit aus.

          In den sechs Jahren mit Trainer Don Jackson hat die Mannschaft nun fünf Mal den Titel gewonnen - womöglich ist es auch sein Verdienst, die Spieler zu Einzelleistungen anzustacheln, wenn das mannschaftliche Niveau eigentlich nicht ausreicht. Drei Einzelleistungen jedenfalls entschieden die Partie am Sonntag. Die Kölner, Zweite der Hauptrunde, gewannen ihre letzte Meisterschaft vor elf Jahren, 2002.



          Im Jubel der Berliner war alles vergessen: die eher schlecht als recht durchspielte Saison; die Enttäuschung der Fans, dass Mitte der Spielzeit die überragenden Spieler Claude Giroux und Daniel Briere erwartungsgemäß in die NHL nach Amerika zurückgekehrten, sich aber kein auch nur halbwegs adäquater Ersatz fand; der Ärger über eine Preiserhöhung zur nächsten Saison, der zu einem Boykott der ersten Play-off-Spiele führte. Am Sonntag herrschten Jubel, Trubel, Dynamo.

          Zwei Regeln, welche die Eisbären Berlin und die Kölner in dieser Saison etabliert hatten, gerieten in der neunten Minute in Konflikt: Keine der beiden Mannschaften gewinnt in dieser Saison im Heimspiel gegen die andere, lautete die eine Regel, die zur 2:1-Führung der Berliner in den Finalspielen geführt hatte. Wer zuerst trifft, der siegt, lautete die zweite.

          „You got to fight for your right“

          Doch nach einem blitzsauberen Konter, bei dem der Berliner Corey Locke den aus der Verteidigung geschlagenen Puck aufnahm, lief er plötzlich allein auf den Kölner Torwart Danny aus den Birken zu. Wie der Kölner Nathan Robinson intervenierte, verstieß auch er gegen die Regeln, er hakelte mit seinem Schläger nicht nach dem Puck, sondern nach dem Gegenspieler. Locke bekam einen Penalty zugesprochen. Er nutzte ihn mühelos zum 1:0.

          „Nun müssen die Kölner erst recht kommen“, freute sich der Berliner Laurin Braun in der ersten Drittelpause. „Das gibt uns die Chance zu kontern. Zwei, drei Mal war es ja schon so weit.“ Doch ein einziger Treffer bot im Spiel gegen die entfesselten Kölner keine ausreichende Sicherheit. Viel böses Blut war im Spiel, Bösartigkeiten, Fouls und die ein oder andere Schlägerei - und dazu spielte die Hallenregie: „You got to fight for your right“, du musst um dein Recht kämpfen.

          Die Haie nehmen die Eisbären in die Mangel, ziehen aber doch den Kürzeren

          So kam es, wie es kommen musste: Mit dem Warten auf Konter war es für die Berliner schon zu Beginn des zweiten Drittels vorbei: Daniel Tjernqvist schloss einen schönen Angriff der Haie mit einem Treffer in der 25. Minute ab. Nun mussten sich die Eisbären zunächst auf ihr Powerplay verlassen.

          Als sie zum wiederholten Mal an ihren eigenen Kombinationen in Überzahl verzweifelten, als sie den Eindruck erweckten, sie würden wieder nichts anfangen können mit ihrer Ellbogenfreiheit, da entschied sich Julian Talbot gegen das System. Mit Gewalt schoss er den Puck von der blauen Linie gen Kölner Tor - und traf unter dem Jubel von 14.200 Zuschauern.

          Mit bloßen Händen ohne Stock

          Auch das 3:1 durch TJ Mullock wenige Minuten später entsprang einer entschlossenen Einzelleistung. Verteidiger Constantin Braun führte den Puck über das gesamte Spielfeld, spielte einen Kölner nach dem anderen aus, und als er den Puck mit Macht am Tor vorbei gegen die Bande drosch, kam der Abpraller wie ein Pass zu seinem Stürmer Mullock. Der beförderte den Puck aus spitzem Winkel ins Netz.

          Erst das vierte Tor der Berliner zehn Minuten vor Schluss entsprang einem schönen Spielzug: Einen scharfen Pass vors Tor von Locke ließ Talbot aus etwa einem Meter Entfernung ins Kölner Tor prallen. Gemeinsam überstanden sie dann auch den Rest der Partie, davon zwei Minuten in Unterzahl, in der Torwart Robert Zepp und Verteidiger Jens Baxmann sich mit bloßen Händen, ohne Stock, des Kölner Ansturm erwehren mussten. Im Gefühl des sicheren Sieges gelang den Eisbären sogar diese Mannschaftsleistung.

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