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Eishockey : Die Eiszeit läuft ab - für wen auch immer

Auf der Suche nach Gehör: Pat Cortina, dem Bundestrainer, fehlen Erfolgserlebnisse Bild: dpa

Nach den Niederlagen gegen Weißrussland und Russland hat Deutschland das WM-Viertelfinale verpasst. Bundestrainer Cortina gerät zunehmend unter Druck, über Köpfe und Konzepte wird vielstimmig debattiert.

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          Für den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) ist es kein gutes Wochenende gewesen. In Weißrussland, wo die Weltmeisterschaft in ihre entscheidende Phase tritt, zerschlugen sich die Hoffnungen der Auswahl von Bundestrainer Pat Cortina: Das Turnier ist für ihn und seine Spieler schon früh vorbei, die Veranstaltung findet von diesem Donnerstag an, wenn die K.-o.-Runde mit den Viertelfinals losgeht, ohne deutsche Beteiligung statt.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Nach dem 2:5 (2:1, 0:1, 0:3) gegen das Team des Gastgebers am Samstag besteht auch theoretisch keine Chance mehr, das Aus nach der Vorrunde abzuwenden. Am Sonntag verlor die Mannschaft unglücklich mit 0:3 (0:0, 0:0, 0:3) gegen den großen Favoriten Russland. Die Treffer für die „Sbornaja“ erzielten Wadim Schtschipatschow (44. Minute) in Überzahl nach einer fragwürdigen Strafzeit gegen den Mannheimer Marcus Kink, Sergej Schirokow (51.) und Viktor Tichonow (60.), der ins leere deutsche Tor traf.

          „Wir brauchen eine ganze Reihe von Dingen. Eine Top-8-Eishockey-Nation zu sein, ist nicht leicht. Da ist viel Arbeit zu tun“, sagte Cortina anschließend. Auch der Druck auf ihn wächst.

          Interne Machtkämpfe

          In der Heimat, während seiner Abwesenheit, geriet die Diskussion über die Wahl geeigneter Personen und Konzepte, mit denen der DEB strukturell besser aufgestellt wäre, endgültig in Gang. Pünktlich zu den Titelkämpfen in Minsk präsentierte sich der DEB abermals als Spitzensportverband, der sich auch durch interne Machtkämpfe in seinen Möglichkeiten limitiert.

          Mitte Juli wählt der Verband sein neues Präsidium. Die Ankündigung von Uwe Harnos, dem bisherigen ersten Mann, eine weitere Amtszeit anzustreben, sorgt innerhalb des DEB sowie bei den in der Deutschen Eishockey Liga organisierten Profiklubs für Ungemach. Franz Reindl, der auf Drängen von Harnos seinen Posten als Sportdirektor verlor, soll als Gegenkandidat ins Rennen geschickt werden; die Schar seiner prominenten Unterstützer ist groß, doch noch ziert er sich, seine Ambitionen öffentlich zu machen. Auch weil er weiter eruieren will, ob er sich der Unterstützung der Amateur-Delegierten sicher sein kann.

          Mitarbeiter wehren sich in einem „Offenen Brief“

          Vor allem auf die Stimmen des mächtigen Bayerischen Eissport-Verbandes (BEV) wird es ankommen. Dessen Vorsitzender, Dieter Hillebrand, hatte zuletzt kein gutes Haar an der Arbeit des DEB gelassen. Er sprach, just bei einer Veranstaltung, auf der Harnos ein Konzept für die kommenden Jahre bis zur Heim-WM 2017 präsentierte, davon, dass „auf der Geschäftsstelle die rechte Hand nicht weiß, was die linke tut“. Außerdem deutete er finanzielle Unregelmäßigkeiten an.

          Dagegen wehrten sich am Wochenende die Mitarbeiter des DEB in einem „Offenen Brief“. Sie warfen ihrerseits dem Juristen aus Berchtesgaden polemische Äußerungen und Falschaussagen vor. Hillebrand hatte unter anderem behauptet, dass auf seine Initiative hin der BEV ein Präsidiumsmitglied in die DEB-Verwaltung entsandt habe, um „als Controller ein Jahr lang alles zu durchleuchten“. In der Widerrede der DEB-Angestellten heißt es nun, dass der Prüfer „laut Reisekostenabrechnung nachweislich in den Monaten Januar und Februar 2013 an 4 Tagen in der Geschäftsstelle war“. Ein Bericht über dessen Arbeit liege bis heute nicht vor.

          „Klares Statement“ angekündigt

          Auch die Kritik von Hillebrand, dass der DEB-Haushalt, der sich auf 4,5 Millionen Euro beläuft, auch deswegen „in Schieflage“ geraten sei, weil Schiedsrichter aus Oberbayern als Spielbeobachter nach Hamburg geschickt wurden und sich so die Spesenabrechnung auf fast 88 000 Euro verdoppelte, sei falsch. Insgesamt umfasst der „offene Brief“ Stellungnahmen auf einer Länge von zweieinhalb DIN-A4-Seiten. Er wurde am Wochenende auf der Homepage des DEB zunächst veröffentlicht, dann aber wieder gelöscht. Auf wessen Initiative blieb unklar.

          Harnos und Hillebrand wollten sich erst nach Ende der WM in der Diskussion mit einem „klaren Statement“ zu Wort melden, „um bis dahin dem Sport den Vorrang zu geben, den er verdient“. Auch die Frage nach der Zukunft Cortinas beim DEB müssen sie bald beantworten. Bis 2015 gilt sein Doppelvertrag als Bundestrainer und Sportdirektor noch.

          Team ohne Führungsstärke

          Mit dem Aus in der Qualifikation für Olympia in Sotschi hatte seine Amtszeit schon denkbar schlecht begonnen, nun setzte sich die Erfolglosigkeit unter seiner Verantwortung auch in Minsk fort. Bei der WM fehlte es der Nationalmannschaft an Führungsstärke auf dem Eis. Cortina hatte darauf verzichtet, die erfahrenen Tripp (Köln), Köppchen oder Greilinger (beide Ingolstadt) zu nominieren.

          Die Chancenverwertung seines jungen Teams erwies sich ebenso als Manko bei der umstrittenen Veranstaltung in der früheren Sowjetrepublik wie die Torhüterleistung von Rob Zepp (Berlin). „Wir waren dran, es hat sich nicht zu unseren Gunsten gewendet. Ich weiß nicht, was wir gerade mehr machen können“, gab Cortina zu Protokoll. Überzeugende Argumente klingen anders. Der DEB steht am Ende dieser Saison-Eiszeit vor einem Sommer, der hitzig zu werden verspricht.

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