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Eishockey : Die Angst vor dem Kollaps

Das Eis ist abgetaut: Die DEL hat Frankfurt verlassen Bild: Wonge Bergmann

Zwei raus, einer rein: Mit 14 Teilnehmern und unter negativen Vorzeichen geht die Deutsche Eishockey Liga in die neue Saison. Die Klubs stehen unter Sparzwang. Gesundgeschrumpft sind sie noch lange nicht. Alle positiven Ansätze der Heim-WM im Mai sind verflogen.

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          Die Sommerpause ist vorbei, und die Führungsspitze der Deutschen Eishockey Liga (DEL) mehr oder weniger urlaubsreif. Mit wie vielen Mannschaften die neue Saison beginnen würde, war über Wochen, in denen Insolvenzverwalter, Rechtsanwälte und Richter ein maßgebliches Wort mitzureden hatten, nicht absehbar. Entsprechend kompliziert gestaltete sich die Planung der neunköpfigen Crew in der Kölner Zentrale. Vor allem für Jörg von Ameln. Der Sportwissenschaftler ist für den Modus und die Gestaltung der Spielpläne zuständig - was eine der umfangreichsten und kniffligsten Aufgaben war, die es zu erledigen galt.

          Am Schluss wurden es 14 Teams, und damit eines weniger als in der vergangenen Runde. An diesem Freitag beginnt der Wettstreit um die Meisterschaft, bei dem abermals die Eisbären aus Berlin und die Adler Mannheimer die Favoritenrolle tragen. Der Sport soll die zermürbenden Turbulenzen der vergangenen Monate vergessen machen, von denen DEL-Aufsichtsratschef Jürgen Arnold sagte, „dass sie an keinem bei uns spurlos vorbeigegangen sind“.

          Mit dem EHC München erstritt sich der Zweitligameister doch noch Zutritt in die geschlossene Gesellschaft, die in ihrer Satzung keinen automatischen Auf- und Abstieg vorsieht. Zunächst sollten die Bayern außen vor bleiben, weil die Mitbewerber von der Solidität ihrer Budgetplanung nicht überzeugt waren. Doch das organisationsinterne Schiedsgericht entschied rechtzeitig zu Gunsten des Neulings.

          Meister mit Unbehagen: Auch die Hannover Scorpions hatte Sorgen, den Spielbetrieb zu sichern

          Weniger erfolgreich gestaltete sich der Überlebenskampf der Frankfurt Lions und Kassel Huskies. Ihnen wurde die Teilnahmeerlaubnis entzogen, weil sie aufgrund der im Lizenzierungsverfahren vorgelegten Zahlen nicht in der Lage schienen, die Runde ohne finanzielle Engpässe zu überstehen. Die gesamte Liga kranke daran, dass die Gehälter im Vergleich zu den Einnahmen zu hoch seien, sagte Arnold, der dringenden Reformbedarf sieht, der über den Ausschluss der beiden Gründungsmitglieder der DEL 1994 hinausgeht.

          Beistand erhielt er vom Geschäftsführer des Titelverteidigers Hannover Scorpions. Marco Stichnoth forderte nicht weniger als „eine Radikalkur“. Seine Idee: Rückkehr zu Auf- und Abstieg, „denn wir müssen Klubs, wie es sie im Fußball mit St. Pauli und Mainz gibt, auch im Eishockey wieder zulassen“. Außerdem regte er die Abschaffung der Mindestgrößen von Eisstadien und den Zusammenschluss von DEL und Deutschem Eishockey-Bund (DEB) an. Seine Befürchtung: „Wenn wir nicht bald reagieren, kollabiert unser jetziges Konstrukt total.“

          Der Trend verheißt auf jeden Fall nichts Gutes. Während die Lions, immerhin Meister 2004, das plötzliche Aus nahezu gleichmütig akzeptierten, beschäftigte ihr von der Zahlungsunfähigkeit bedrohter nordhessischer Rivale bis zur letzten Instanz fünf sportliche und staatliche Gerichte - was aber auch nichts nutzte. Den einstigen Mitstreitern erwiesen die Huskies mit ihrer juristischen Schlammschlacht zum Abschied nur noch einen Bärendienst. „Für die Außenwirkung war die Aufregung nicht so hilfreich“, räumte Arnold ein. Und das war eine schmeichelhafte Untertreibung: Keine zwölf Wochen, nachdem die Nationalmannschaft durch den vierten Platz und der DEB mit einer perfekt inszenierten Weltmeisterschaft im eigenen Land für Aufbruchstimmung gesorgt hatten, sind alle positiven Ansätze verflogen.

          Nur noch vierte Wahl

          Gernot Tripcke spornt die diffizile Ausgangslage zwar an. „Ich bin heilfroh“, sagte der Geschäftsführer der DEL, „dass wir endlich die Gelegenheit haben, an die WM anzuknüpfen, und dass der Sport wieder im Vordergrund steht.“ Doch aus seinem Appell an sämtliche Beteiligten klang reiner Zweckoptimismus durch: „Wir müssen nach vorne schauen und das Vertrauen auf dem Eis zurückgewinnen.“

          Einfach wird die angestrebte Versöhnung nicht werden. Die Liga galt lange als erste europäische Adresse für aussortierte oder in die Jahre gekommene Branchengrößen aus Übersee. Nun ist sie mittlerweile, da überall gespart werden muss, oft nur noch vierte Wahl hinter der Konkurrenz in Skandinavien, der Schweiz und neuerdings Russland. Das geht zu Lasten der Attraktivität. Genauso wie fehlende nationale Identifikationsfiguren, deren Ausbildung lange vernachlässigt wurde.

          Nicht nur viele Anhänger haben sich abgewendet, da es ihnen an Qualität und Spannung in der übertrieben langen Doppelvorrunde mangelte, auch Sponsoren reduzierten ihr Engagement spürbar, weil die Spiele mit wenigen Ausnahmen lediglich im Pay-TV zu sehen sind, was zu Lasten der Vermarktungsmöglichkeit geht. Die Folge ist zwangsläufig eine neue Genügsamkeit bei der Zusammenstellung der Kader. So reduzierten beispielsweise die Düsseldorf Metro-Stars ihren Etat um 1,5 auf 6 Millionen Euro. Manager Lance Nethery sprach von einem „Neuanfang auf bescheidenerem Niveau“. Das könnte beinahe flächendeckend als Motto gelten.

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