https://www.faz.net/-gtl-aasux

Eishockey-Liga vor Play-offs : Das System gegen das Virus „hat funktioniert“

Meisterkandidaten: Mannheims Loibl setzt sich gegen die Berliner Despres (links) und Olver durch. Bild: Imago

Play-offs im Corona-Modus: In der Deutschen Eishockey Liga beginnt der Showdown um den Titel – erfolgt eine Zuschauerrückkehr bereits im September?

          3 Min.

          Vier Monate voller Hoffen und Bangen liegen hinter den Beteiligten. Nun stehen die vier abschließenden Wochen an, die darüber entscheiden werden, ob sich der Mut zum Risiko, der sie alle in dieser besonderen Saison antrieb, auszahlen wird. In der Deutschen Eishockey Liga (DEL), in der wegen der Corona-Krise vieles anders lief als sonst, beginnen an diesem Dienstag die Play-offs, an deren Ende der Meister gekürt werden soll.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Die besten Aussichten, zum Abschluss im Mai ganz oben zu stehen, werden aktuell den Adlern aus Mannheim bescheinigt, die als Tabellenführer der Süd-Gruppe beim 3:1-Sieg gegen den Nord-Ersten Berlin die nächste vielversprechende Vorstellung ablieferten. Auch Red Bull München darf sich Chancen ausrechnen, wie das 6:1 über die Düsseldorfer EG verdeutlichte, doch das Team plagen nicht zuletzt durch den Ausfall von Kapitän Patrick Hager und Stürmer Jakob Mayenschein ausgerechnet vor dem Showdown Verletzungssorgen.

          Fünf Erkrankungen bei 300 Profis

          Im vergangenen Frühling fiel die Krönung des DEL-Champions aus. Denn als sich die Pandemie mit Tempo auch hierzulande auszubreiten begann, entschieden die 14 Klubs, deren Interessen Geschäftsführer Gernot Tripcke bündelt, kurzerhand den Spielbetrieb aus Sicherheitsgründen einzustellen. Es dauerte ein halbes Jahr, ehe klar war, dass alle Klubs aufs Neue dabei sind.

          Kurz vor Weihnachten begann die verkürzte Punktspiel-Serie, die am Wochenende weitgehend komplikationslos zu Ende ging – und Tripcke zu einem Zwischenfazit kommen ließ, aus dem Zufriedenheit über den bisherigen Lauf der Dinge herauszuhören ist. „Mit jedem Tag, der absolviert ist, sind wir ein Stück weit mehr erleichtert“, sagte der 53 Jahre alte Jurist, der von einer „außergewöhnlichen Stresssituation“ sprach: „Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht. Unsere Kraftanstrengung war eine Investition in die Zukunft.“

          F.A.Z. Newsletter Coronavirus

          Täglich um 12.30 Uhr

          ANMELDEN

          Tripckes Büro, in dem er in Neuss mit knapp zwanzig Mitarbeitern die DEL-Organisation bewerkstelligt, protokollierte seit dem 17. Dezember insgesamt fünf Erkrankungen aus den Reihen der rund 300 Profis. Insgesamt wurden vier Partien wegen Corona abgesagt. „Das System hat funktioniert, auch weil wir nach den ersten Fällen noch einmal nachgeschärft haben und von Schnelltests auf mehr PCR-Tests gegangen sind“, sagt er.

          Die Klubs hat das jeweils rund 100.000 Euro gekostet – wofür etwa die Hälfte der Einnahmen aus dem Fernsehvertrag mit der Telekom, die zu gleichen Teilen an sämtliche 14 Vereine ausgeschüttet werden und sich auf jeweils 180.000 Euro belaufen, aufgewendet werden musste. Zusätzlich zahlte die Liga übergeordnet für die Untersuchungen der Schiedsrichter und involvierter Klub-Mitarbeiter 150.000 Euro.

          Zum Vergleich: Die Handball-Bundesliga musste bisher 39 Spiele absagen, 21 wurden nachgeholt, zwölf neu angesetzt, sechs sind noch ohne neuen Termin. In der Basketball-Bundesliga sind 19 Partien betroffen, 15 wurden bislang nachgeholt. Es gab 45 Corona-Fälle inklusive falsch positiver, darunter 26 Spieler. „Wir hatten während der Saison keine internationalen Spiele“, ordnete Tripcke die Zahlen ein: „Das war unser Glück.“ Die Champions League wurde ausgesetzt, bei den Weltmeisterschaften in Riga geht es erst am 21. Mai los.

          Finanzen stehen schlecht

          Wirtschaftlich sind und bleiben die Zeiten herausfordernd. Als „genauso schlecht wie befürchtet“ bezeichnete Tripcke die finanzielle Situation an allen Standorten. „Allerdings ist es zuletzt auch nicht schlimmer geworden.“ Der Verlust belaufe sich jüngsten Schätzungen zufolge kumuliert auf annähernd 60 Millionen Euro. Nur dank der Hilfen der Bundesregierung, die den Organisationen für entgangene Ticketerlöse bis zu 1,8 Millionen Euro an Kompensationen bereitstellte, umfangreicher Zuschüsse einzelner Gesellschafter und eines gravierenden Gehaltsverzichts der Spieler wurden Insolvenzen verhindert. Insbesondere ohne die Bereitschaft der Profis, auf bis zu fünfzig Prozent ihrer eigentlich vertraglich vereinbarten Besoldung zu verzichten, wären vielfach die Lichter ausgegangen.

          „Eines muss dabei jedem klar sein, wir reden hier nicht von Fußball-Dimensionen oder dass sich Millioneneinkommen halbiert hätten“, betonte Tripcke, der auf die Mehrzahl an Protagonisten in der DEL verwies, deren Jahreslohn sich auf eine Summe im mittleren fünfstelligen Bereich belaufe, „und die nur eine kurze Karriere als Profi vor sich haben, sich und ihre Familien damit ernähren wollen und jetzt genauestens rechnen müssen“.

          In den kommenden Lizenzierungsberatungen wird von den Team-Managern nicht mehr erwartet, dass sie mit ihren Akteuren eine pauschale Reduzierung der Löhne um 25 Prozent vereinbaren, kündigte Tripcke an. Eine rechtliche Grundlage für den Verzicht gab es ohnehin nicht, wie der Sieg des früheren Nationaltorwarts Timo Pielmeier vor dem Arbeitsgericht Ingolstadt zeigte, wo er mit Erfolg gegen die Reduzierung seiner Bezüge durch den ERC geklagt hatte. „Bevor ihr Geld ausgeben werdet, klärt ab: Wo kommt es her?“, umriss Tripcke eine der Grundsatzfragen, die in die Prüfung aller Budgetpläne einfließen werde. Er rechne mit langfristigen Verhandlungen, bevor die kommenden Kader aufgestellt sein werden. Allenfalls fünfzig Prozent der Stellen seien momentan über den Sommer hinaus besetzt.

          Beim Blick voraus wünscht sich Tripcke, dass vom 10. September an, wenn für die DEL der Startschuss in die Olympia-Saison ansteht, „Zuschauer wieder reingelassen werden“. Bis dahin müsse es hierzulande große Fortschritte bei der Impfung der Bevölkerung geben, „dann sollten wir aus dem Gröbsten raus sein“. Konzepte, die von Virologen mit erstellt wurden und dank anpassbarer Hygienevorschriften eine stufenweise Öffnung der Fantribünen ermöglichen könnten, lägen ausgearbeitet in der Schublade, sagte Tripcke. Sobald die Politik die entsprechenden Signale sende, werde die DEL schnellstmöglich reagieren: „Wir stehen Gewehr bei Fuß.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Annalena Baerbock am Donnerstag bei der Vorstellung ihres Buches.

          Grüne Industriepolitik : Willkommen in der Wirklichkeit

          Annalena Baerbocks Industriepolitik zeigt: Ziele hochzuschrauben, darin sind die Grünen gut. Wie es geht, da laufen sie hinterher.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.