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Corona in der DEL : Unberechenbarer Gegner für den Eishockeysport

  • -Aktualisiert am

Die Mannschaft des EHC Red Bull München musste auf Grund von 18 positiven Corona-Tests in Quarantäne. Bild: picture alliance/KEYSTONE

Dutzende Corona-Fälle versetzen die deutschen Eishockey-Klubs in Alarmstimmung. Konfliktpotenzial birgt auch der Auf- und Abstieg. Die Liga verschärft unterdessen das Testprotokoll.

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          Man konnte vor ein paar Wochen den Eindruck bekommen, Corona spiele für die Deutsche Eishockey Liga (DEL) keine große Rolle mehr. Die Saison begann pünktlich und ohne vorherige Debatte über Gehälter, das Publikum war zurück, die strengen Verhaltensvorschriften für die Teams wurden gelockert. Vor allem aber hatten einige Klubs derart üppig auf dem Transfermarkt zugeschlagen, dass von Krise keine Rede mehr sein konnte. Doch es dauerte nicht lange bis zur Erkenntnis, dass die Pandemie eben nicht vorbei ist.

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          Viele freie Plätze auf den Tribünen, mehrere Infektionen bei den Teams aus Mannheim und Wolfsburg. Nun hat Corona sogar voll durchgeschlagen: Binnen weniger Tage wurden Dutzende Infektionen bekannt, allein 22 beim EHC Red Bull München, der wie die Düsseldorfer EG und die Iserlohn Roosters vom örtlichen Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt wurde.

          Bereits zehn Spiele mussten verschoben werden, weitere könnten folgen. Seitdem wird viel telefoniert und geschrieben, mit Medizinern, mit dem TV-Partner, am Montag folgte eine zweistündige Videokonferenz unter den Klubs. Da wurde hitzig debattiert, war aus Teilnehmerkreisen zu hören. Die Fragen: Wie konnte es so weit kommen? Wie geht es nun weiter?

          Testungen erheblich reduziert

          Auf die erste Frage gibt es noch keine richtige Antwort. Es sind wohl mehrere Gründe, warum es im Gegensatz zur Vorsaison plötzlich brennt, obwohl laut Liga-Chef Gernot Tripcke „mehr als 90 Prozent der Spieler“ geimpft sind. Die Delta-Variante des Virus ist ansteckender als die vorherige. Die Spieler und ihre Familien leben nicht wie im Lockdown abgeschottet, bei manchen ist die Impfung schon Monate her, der Schutz könnte nachgelassen haben. Es sind auch nicht alle Spieler (vollständig) geimpft. 

          Gerade die Tests sind nun ein großes Thema. Die wurden vor der neuen Saison erheblich heruntergefahren. Am Dienstag haben sich die 15 Klubs der Deutschen Eishockey Liga auf eine erneute Verschärfung des Corona-Testprotokolls geeinigt. Ab dem 1. November werden Nichtgeimpfte dreimal pro Woche getestet, geimpfte sowie seit mehr als zwei Monaten genesene Personen einmal. Als Testverfahren sei ausschließlich die PCR-Methode zulässig.

          Keine Spiele für die Düsseldorfer EG. Auf Grund mehrerer Corona-Fälle musste die Mannschaft in Quarantäne.
          Keine Spiele für die Düsseldorfer EG. Auf Grund mehrerer Corona-Fälle musste die Mannschaft in Quarantäne. : Bild: dpa

          Das nächste Problem: Finden sich genügend Nachholtermine? Der Spielplan ist diese Saison wegen der Olympiapause und des zusätzlichen Teams aus Bietigheim ohnehin eng getaktet. „Noch haben wir genügend Luft und Platz, Spiele nachzuholen“, teilte das Ligabüro am Montag mit. Doch schon jetzt sind die Auswirkungen zu spüren, vor allem in München, das auch im Europapokal spielt. Von Mitte November an stehen für den EHC neun Spiele in 17 Tagen im Plan, auch mal zwei an aufeinanderfolgenden Tagen.

          An diesem Dienstag sollen die Münchener erstmals wieder spielen, beim Aufsteiger aus Bietigheim. Zwar bekommen sie kaum drei volle Reihen aufs Eis, aber wer mindestens einen Torhüter und zehn Feldspieler hat, muss antreten. Es sei denn, der Gegner stimmt einer Verlegung zu. Das taten jüngst die Mannheimer. „Duelle zwischen den Adlern und den Red Bulls verdienen es, dass beide Mannschaften auf Augenhöhe gegeneinander antreten“, sagte Adler-Manager Jan-Axel Alavaara. Auch die Bietigheimer hatten sich auf eine Verlegung des für Freitag angesetzten Spiels gegen München eingelassen, beim zweiten Versuch an diesem Dienstag soll es aber stattfinden.

          Das gefällt nicht jedem in der Liga. Es gibt seit dieser Saison ja wieder den Abstieg. Da kann es für die Teams im Tabellenkeller auf jeden Punkt ankommen, der gegen einen vollen Münchener Kader deutlich schwieriger zu holen wäre. Das Thema Auf- und Abstieg wird mancherorts ohnehin kritisch gesehen. „Der Abstieg bringt das deutsche Eishockey keinen Furz nach vorne“, zitierte das Portal Hockeyweb den Nürnberger Sportdirektor Stefan Ustorf.

          Durch die neuen Terminprobleme dürfte sich die Zahl der Kritiker erhöhen – und die erneute Aussetzung debattiert werden. Aber macht die zweite Liga das mit? Wird Frankfurt im Unterhaus Meister und nimmt sein Aufstiegsrecht wahr, würde die DEL 2 ein zweites Topteam ohne „Gegenwert“ aus der ersten Liga und damit an Attraktivität verlieren. Es gibt also viel zu besprechen, Corona ist für die DEL längst nicht vorbei.

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