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Deutsche Eishockey Liga : Ein fatales Signal

  • -Aktualisiert am

Bully vor der neuen Saison? Ohne volle Hallen lohnt sich das Eishockeyspielen nicht. Bild: dpa

Im deutschen Eishockey geht die Existenzangst um. Mit nur 20 Prozent der möglichen Zuschauer brauchen sie erst gar nicht anfangen, meinen viele Klubs: „So ist kein Überleben möglich.“

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          Rund um die Kölner Haie herrscht derzeit Aufregung. Was nicht bloß am Gerücht liegt, Superstar Leon Draisaitl könnte die Zeit bis zum Saisonstart der nordamerikanischen NHL bei seinem Jugendverein überbrücken. Denn selbst wenn der beste deutsche Eishockeyspieler in seiner Heimat auflaufen sollte, für Zuschauerrekorde würde das nicht sorgen.

          Nach aktuellem Stand sind zum Beginn der Deutschen Eishockey Liga (DEL) am 13. November nur 20 Prozent der Hallenkapazitäten freigegeben. Was der wahre Grund für die Aufregung bei den Haien ist. Und nicht nur dort: Im gesamten Eishockey geht die Existenzangst um – ausgerechnet in der Woche, in der das erlösende Signal aus der Politik kommen sollte.

          Das Signal kam zwar: Die Bundesländer hoben das Verbot von Zuschauern bei großen Sportveranstaltungen auf – allerdings nicht so, wie die Branche sich das gewünscht hatte. Die wollte je nach Halle individuelle Lösungen und mehr Spielraum. Doch sie bekam pauschale 20 Prozent, obwohl die laufenden Kosten nahezu identisch bleiben. „Das ist wirtschaftlich nicht möglich“, sagte Haie-Geschäftsführer Philipp Walter der ARD-Sportschau. Und vertrat damit keine Einzelmeinung in der DEL, in der der Großteil der Einnahmen nicht durch TV-Geld, sondern vor Ort am Spieltag verdient wird.

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          Da seien Zuschauer in der Halle „existentiell“, sagt Walter, und eben nicht nur rund 3700, wie sie den Kölnern in Deutschlands größter Veranstaltungshalle derzeit erlaubt wären. Vergangene Saison begrüßten die Haie im Schnitt 13.333 Fans. Und nun 10.000 Zuschauer weniger? Dann brauchten sie gar nicht erst anzufangen.

          So sieht es auch die Konkurrenz, die deutlich kleinere Hallen hat als die Kölner. An manchen Standorten wären nicht mal 1000 Fans pro Spiel erlaubt. „Das bringt uns nicht viel weiter“, sagte Wolfgang Gastner, Geschäftsführer der Nürnberg Ice Tigers, dem Sportinformationsdienst, „so ist kein Überleben möglich. So machst du die Vereine kaputt.“ Auch DEL-Chef Gernot Tripcke, sonst ein diplomatischer Vertreter, bemühte sich nicht mehr, seine Enttäuschung über die Entscheidung zu verbergen. Während seine Kollegen aus Handball und Basketball deutlich leisere Töne anschlugen, sagte Tripcke, dass sich die Eishockeyklubs „deutlich mehr Unterstützung“ aus der Politik erhofft hätten.

          Ein weiteres Problem kennt Stefan Adam, Geschäftsführer der Düsseldorfer EG: Ursprünglich hieß es, jeder Profiklub außerhalb der Fußball-Bundesligen könne für entgangene Ticketeinnahmen bis zu 800.000 Euro beantragen, doch aktuell sei wegen einer EU-Richtlinie gar nicht klar, ob die Hilfsgelder fließen können. „Wenn das also der Status ist: 20 Prozent Zuschauer und keine Mittel, dann ist die Situation für uns natürlich desaströs“, sagt Adam und fordert neue staatliche Hilfen. Die braucht auch der alte Rivale aus Köln. Andernfalls, sagt Haie-Chef Walter, „gibt es kein Profi-Eishockey mehr in Deutschland, dann gibt es auch keine Nationalmannschaft mehr. Dessen müssen sich alle bewusst sein.“

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