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Eishockey : Als Chef fühlt sich Stürmer Köberle in der Defensive

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Goldene Zeiten: Die letzte Meisterschaft 1996 Bild:

Die DEG Metro Stars schlittern immer weiter in die Krise. Auch nach dem frühzeitigen Trainerwechsel spielen die Düsseldorfer undiszipliniert und erfolglos. Interimscoach Köberle hat eine schwere Aufgabe übernommen.

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          Graumeliertes Haar, randlose Brille, feines Tuch. Walter Köberle könnte man sich durchaus als freundlichen Kundenberater beim Herrenausstatter in der Königsallee vorstellen. Aber der freundliche Herr steht an diesem Abend als Cheftrainer der DEG Metro Stars hinter der Bande im Frankfurter Eisstadion.

          Die Hände hat er hinter dem Rücken verschränkt, hin und wieder sagt er: "Let's go." Viellieber würde der Allgäuer bestimmt "Auf geht's, paßt schon", rufen. Aber es sind ja im Gegensatz zu früher kaum Bayern bei den Metro Stars. Ganz anders als seinerzeit, als Köberle noch selbst für die DEG stürmte. 1971 war er in den Nordwesten gekommen, zur Hoch-Zeit dieses Kultklubs. In seinem zweiten Jahr dort ist Köberle mit der DEG deutscher Eishockeymeister geworden, und 1975 dann noch einmal.

          Die Stimmung ist gut

          Das waren noch Zeiten. Die Gegenwart ist freudlos. Vor dem Gastspiel bei den Frankfurt Lions praktizierten die Rheinländer ihr Aufwärmprogramm auf dem Parkplatz vor dem Eisstadion fröhlich-routiniert. Schlechte Stimmung wegen des schlechten Tabellenstandes in der Deutschen Eishockey Liga? "Die Stimmung ist eigentlich gut", findet der Busfahrer, der die Herren Eishockeyspieler schon seit zehn Jahren durch die Lande kutschiert. Via Handy ordert Köberle für 21.15 Uhr Nudeln beim Pizza-Service. Die Telefonnummer hat er gespeichert. Schließlich kümmerte er sich als Co-Trainer schon lange um die organisatorischen Dinge.

          Seit Mitte der vergangenen Woche nun, nach der Trennung von Trainer-Manager Michael Komma, soll sich Köberle um die Organisation eines Sieges auf dem Eis bemühen. Am Freitag, im Derby gegen die Kölner Haie, hat das "leider" nicht geklappt. Obwohl die Düsseldorfer 2:0 und 3:2 führten, haben sie am Ende 3:5 verloren. "Eigentlich haben wir gut gespielt, individuelle Fehler haben den Ausschlag gegeben", sagt Köberle beim Blick zurück. Die Mannschaft sei besser, als sie momentan in der Tabelle stünde.

          Disziplinlos

          Die Partie bei den Frankfurt Lions liefert keinen Anhaltspunkt für diese These. Beim 2:6 überzeugt nur Torhüter Andrej Trefilow, der ein Debakel verhindert. Von den sogenannten "Führungsspielern" schwingt sich keiner zu nennenswertem Widerstand beim deutschen Meister auf. Im zweiten Drittel zwängen sich bis zu fünf Düsseldorfer auf die Strafbank. Das Team, sofern es jeweils eines gewesen sein sollte, gerät vollends aus den Fugen. Diese disziplinlose Truppe benötigt offensichtlich einen Dompteur. Der ehemalige Nationalspieler Köberle (78 Länderspiele/36 Länderspieltore) ist es offenkundig nicht - und er will es auch nicht sein.

          Dem Bronzemedaillengewinner von Innsbruck 1976 ist der Frankfurter Auftritt fast peinlich. Am liebsten hätte er die Bestellung für 21.15 Uhr wohl wieder rückgängig gemacht. Er spricht von einer "absolut bitteren Niederlage für mich". Die Mannschaft sei sehr verunsichert, führt er als Begründung für das Formtief an. Sie habe "verhalten, ängstlich gespielt", dann Frustfouls begangen, sich auf der Strafbank wiedergefunden - was an die Substanz derer ging, die auf dem Eis waren. Eine Kettenreaktion, "eine Kopfsache", versucht sich Köberle an einer Erklärung. "In der Drittelpause habe ich Klartext gesprochen." Die Disziplin wurde besser, das Ergebnis nicht.

          Dreijahresplan ohne Erfolg

          Die DEG Metro Stars gastieren an diesem Dienstag als Tabellenletzte bei den Krefeld Pinguinen, dem Nachbar neben den Kölner Haien in inniger Rivalität verbunden. Die Düsseldorfer Fans werden sich einiges anhören müssen. Schließlich ist jener Sponsor, der sich sogar in den Klubnamen einkaufte, angetreten, den alten, eingeführten Markenartikel so aufzurüsten, daß es im dritten Jahr der Zusammenarbeit zum zehnten Meistertitel der DEG reichen sollte. Doch der Dreijahresplan droht zu platzen. Deshalb mußte Komma nach dem sechsten Spieltag trotz zwei Siegen gehen. Unpassenderweise wurden die Erfolgserlebnisse in der Fremde gefeiert, während alle Heimpartien im zugigen Stadion an der Brehmstraße verloren wurden. "Das war der eigentliche Grund, warum die Fans auf die Barrikaden gingen", glaubt Köberle. Volkes Stimmung gegen Komma "glich einer Treib-und Hexenjagd, er wurde unflätig beschimpft, das tut doppelt weh".

          In diesem Haifischbecken mag und kann sich Köberle nicht in der Chefrolle behaupten. Laut Elmar Schmellenkamp, Geschäftsführer der DEG Eishockey GmbH, bemühe man sich "unverzüglich sehr" um einen Nachfolger für Komma. Deshalb ist es mehr als nur eine Floskel, wenn Walter Köberle auf die Frage nach der Dauer seines Interimsjobs als Chef antwortet: "Ich denke nur von Spiel zu Spiel." Das Düsseldorfer Eishockey-Fossil war schon Co-Trainer bei Kommas Vorgänger - und wird es auch bei dessen Nachfolger wieder werden. Zurück also in die zweite Reihe. Mit der ersten Reihe für die DEG in der Hierarchie der DEL kann es noch dauern. Bei der Abfahrt des Mannschaftsbusses in Frankurt fällt am Sonntagabend denn doch auf, daß im Namen des Busunternehmers das Wort Panne steckt.

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