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Ruder-EM in Luzern : Zeidler stiehlt dem Deutschland-Achter die Show

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„Auf den letzten 250 Metern habe ich gesagt: jetzt oder nie“: Oliver Zeidler Bild: dpa

Die Ruderer starten in beachtlicher Manier in das vorolympische Jahr. Bei der EM in Luzern gelingen fünf Siege in den 14 olympischen Klassen. Der Achter trumpft wieder groß auf, steht aber diesmal ausnahmsweise nicht im Mittelpunkt.

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          Aus dem Wasser auf das Wasser – der einstige Leistungsschwimmer Oliver Zeidler hat bei der EM in Luzern selbst dem ruhmreichen Deutschland-Achter die Show gestohlen. Nur drei Jahre nach seinem Wechsel der Sportart bescherte der Ingolstädter dem Deutschen Ruderverband (DRV) den ersten Einer-Sieg bei kontinentalen Titelkämpfen seit 1973. „Auf den letzten 250 Metern habe ich gesagt: jetzt oder nie. Da habe ich die Schläge runtergezählt und war vollkommen im Tunnel“, kommentierte der 22-Jährige seinen hart erkämpften Sieg mit einem Vorsprung von einer Luftkastenlänge vor dem Niederländer Stef Broenink und dem Weißrussen Pilip Pavukou.

          Nicht nur im Einer gab es allen Grund zum Jubeln. Auch die in Gedenken an den im Februar verstorbenen einstigen Teamgefährten Maximilian Reinelt in Trauerflor angetretene Achter-Crew trumpfte groß auf. Das DRV-Paradeboot verwies am Sonntag die Konkurrenz aus Großbritannien und den Niederlanden in einem spannenden Finish auf die Plätze zwei und drei. Damit ist die Crew um Schlagmann Hannes Ocik aus Schwerin in Finalläufen seit Olympia 2016 in Rio weiter ungeschlagen und gewann den siebten EM-Titel in Serie. „Wir haben über Kampf und Wille die Sache gelöst. Das bringt erst einmal Ruhe“, sagte Ocik.

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          Bei einer starken Gesamtbilanz mit fünfmal Gold und einmal Bronze in den olympischen Klassen scheint der DRV auf gutem Kurs. Eine derartige Ausbeute gelang zuletzt bei der EM 2010. Neben Zeidler und der Achter-Crew stand auch das Duo Jonathan Rommelmann (Krefeld) und Jason Osborne (Mainz) aus dem leichten Doppelzweier auf dem obersten Podestplatz. Weitere Siege im Frauen-Doppelvierer und Frauen-Doppelzweier und der dritte Rang des Vierers ohne Steuermann lassen für die WM in drei Monaten in Österreich hoffen, bei der die meisten Olympia-Tickets vergeben werden. Dem DRV scheint es gelungen zu sein, vielversprechende Talente in den Kader zu integrieren. „Darauf können wir stolz sein“, befand Bundestrainer Ralf Holtmeyer, warnte aber vor verfrühter Euphorie: „Wie heißt es so schön: Bleibe bescheiden im Sieg.“

          Vor allem der Aufstieg von Zeidler dürfte der Randsportart Rudern in Zukunft mehr Aufmerksamkeit bescheren. Der WM-Sechste von 2018 schien bei der 1500-Meter-Marke nach langer Führung bereits geschlagen. Im Finish zog er aber wieder an Broenink vorbei. Mit seinem Sieg setzte der Modellathlet die Familientradition fort. „Vor 50 Jahren hat mein Opa hier die Rotsee-Regatta gewonnen. Die Medaille hat er mir geschenkt“, verriet Zeidler. Großvater Hans-Johann Färber war Olympiasieger 1972 im Vierer mit Steuermann, Vater Heino Zeidler WM-Vierter 1994 im Zweier mit Steuermann und Onkel Matthias Ungemach Weltmeister 1990 im Achter.

          Zur Freude von Achter-Coach Uwe Bender machte sich der Umbau seines Teams bezahlt. Die erstmals seit zwei Jahren auf zwei Positionen umbesetzte Crew ließ sich auch von einem durchwachsenen Start nicht schrecken und bewies am Ende das beste Stehvermögen. Im Ziel betrug der Vorsprung eine Drittel-Bootslänge. „Es gibt noch Luft nach oben, aber wir sind auf gutem Weg, die Handschrift zu finden“, sagte Teammitglied Johannes Weißenfeld.

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