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Ein Jahr vor Olympia : „Das Beste vom Besten“

Coe heute: Ein jahr vor Eröffnung der Spiele im Bahnhof St. Pancras Bild: dpa

Organisator Sebastian Coe verspricht für Olympia 2012 Großes. Einmal noch werden die Spiele vor einer historischen europäischen Kulisse ausgetragen - dann sollen andere Kontinente ihre Chance ergreifen.

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          Sebastian Coe verspricht, dass die Olympischen Spiele 2012 ein „aufregender sportlicher Karneval und ein Festival in der aufregendsten und vielseitigsten Stadt der Welt“ werden. Jede Mannschaft könne „volle, laute und leidenschaftliche Wettkampfstätten“ erwarten und werde Heimspiel-Atmosphäre erleben, sagte der Vorsitzende des Organisationskomitees der Spiele 2012, der zweimalige Olympiasieger im 1500-Meterlauf, bei einer Telefonkonferenz anlässlich des Jahrestages der Eröffnung, die am 27. Juli 2012 im Osten Londons stattfinden wird.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Ich will, dass London das Beste vom Besten früherer Spiele zeigt“, sagte Coe, „die Party-Atmosphäre von Sydney, den Geist und die Menschlichkeit von Barcelona, die außergewöhnlichen Volunteers von Los Angeles, ich will, dass die Stadt die Spiele umarmt wie Vancouver, und ich will den Sinn für Details, den wir in Peking erlebt haben“.

          Coe will seiner Heimatstadt London und der Welt ein Erbe hinterlassen. „Die Spiele sollen junge Leute zum Sport bringen, wirtschaftliche Chancen schaffen, insbesondere für Menschen in schwierigen Verhältnissen, und sie sollen den gesellschaftlichen Wandel einer wirtschaftlich herausgeforderten Gemeinschaft in Ost-London bewirken“, sagte er. Aufträge im Wert von fünf bis sechs Milliarden Pfund (5,6 bis 6,8 Milliarden Euro) seien an 1500 Unternehmen gegangen, sagte Coe. London erwarte eine Million Besucher; ihre Ausgaben werden auf 750 Millionen Pfund (850 Millionen Euro) hochgerechnet. Die Kosten für die Spiele einschließlich der Modernisierung der Verkehrsverbindungen, der Stadtentwicklung sowie Sicherheitsmaßnahmen und Sportförderung belaufen sich nach offiziellen Angaben auf mehr als 10 Milliarden Euro staatlicher Mittel.

          Coe damals: nach seinem Sieg über 1500 Meter 1984 in Los Angeles

          Abschied vom alten Europa

          Die Anlage des 200 Hektar großen olympischen Parks mit Olympiastadion, Velodrom und Aquadrom in Stratford nannte Coe den „Bau einer neuen Stadt in einer alten Stadt“. Aus den dreieinhalbtausend Wohnungen im Olympischen Dorf sollten in den nächsten zehn, zwölf Jahren rund achttausend werden. Mit Wettbewerben in den neuen Anlagen sowie in historischer Kulisse wie Greenwich Park (Reiten), Horse Guards Parade (Beachvolleyball), Lord’s Cricket Grounds (Bogenschießen) und Hyde Park (Triathlon) wird Olympia mit London wohl auch seinen Abschied vom alten Europa geben.

          „Bewerber um die Olympischen Spiele werden die Veränderung der olympischen Landschaft verstehen müssen“, sagte Coe. „Die olympische Bewegung wird globaler, und so soll es auch sein. Es ist lebenswichtig, dass wir Kontinente ermutigen, die noch nie größere Meisterschaften hatten. Die Spiele in Rio, einer Stadt, in der sie noch nie waren, in einem Land, in dem sie noch nie waren, auf einem Kontinent, auf dem sie noch nie waren, sind die Gelegenheit, Eindruck auf 280 Millionen junge Leben zu machen.“

          Dopenden Sportlerinnen und Sportlern drohte Coe: „Wenn ihr nach London kommt und es versucht, kriegen wir euch.“ Doping sei ebenso wie die Manipulation von Spielen das Gegenteil der olympischen Werte Fairness, Respekt und Gleichheit. Deshalb werde in London die beste Technologie eingesetzt, um saubere Spiele zu bekommen. Sportverbände, Organisatoren und Polizei arbeiteten zusammen. „Ich kann nicht garantieren, dass die Spiele völlig sauber sein werden“, sagte Coe. „Aber ich verspreche ewige Wachsamkeit.“

          Beredte Kargheit zu Blatter

          Als Coe um ein Wort zu den Buhrufen gebeten wurden, die Fifa-Präsident Sepp Blatter beim Finale der Copa America in Buenos Aires entgegenschlugen, beschränkte er sich auf eine Antwort, die in ihrer Kargheit beredt war. „Sepp Blatter ist IOC-Mitglied“, sagte er. „Er ist Präsident eines großen Verbandes. In Erfüllung beider Aufgaben wird er im nächsten Jahr bei den Olympischen Spielen in London sein.“ Coe war ein Jahr lang Vorsitzender der Ethik-Kommission der Fifa; er trat 2010 zurück.

          Über seine persönliche Zukunft sagte der 54-jährige Engländer: „Ich habe nur einen Ehrgeiz nach 2012: mich ganz und gar um die Leichtathletik zu kümmern.“ Der 78 Jahre alte Präsident des Weltverbandes, Lamine Diack aus Senegal, wird sich in diesem Jahr zur Wiederwahl stellen. Um dessen Nachfolge – und damit einen Sitz im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) – dürfte Coe mit dem Ukrainer Sergej Bubka und der Marokkanerin Nawal Al Mutawakel konkurrieren.

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