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Ein Boxer als Zauberer : Spielen Sie gern mit Feuer, Herr Klitschko?

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Er niest manchmal Feuer: Wladimir Klitschko Bild: F.A.Z.-Burkhard Neie

Diese Hände können nicht nur boxen: Wladimir Klitschko, der gerade seinen Titel als Weltmeister im Schwergewicht verteidigt hat, ist ein leidenschaftlicher Hobbyzauberer. Ein Gespräch über Magie, Harry Potter und begeisterte Damen.

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          Gerade erst hat Wladimir Klitschko seinen Titel als Weltmeister im Schwergewicht gegen Ray Austin verteidigt: Das ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass der Mann, den sie „Dr. Faust“ nennen, auch ein leidenschaftlicher Hobbyzauberer ist. Wir treffen uns in Hamburg bei Sportfive, dem Büro seines Managers. Wladimir Klitschko trägt eine Baseballkappe und hat auffallend schöne Hände.

          Herr Klitschko, vor wenigen Tagen haben Sie erfolgreich Ihren WM-Titel verteidigt. Wie entspannen Sie sich nach der Anstrengung?

          Die beste Entspannung ist Abwechslung. Ich brauche keinen Urlaub, ich muss nicht an irgendeinem Strand entspannen. In den letzten Wochen war ich ganz und gar Sportler, jetzt kommt wieder eine Phase, wo ich mich für verschiedene Dinge engagiere, zum Beispiel für das Unesco-Projekt „Bildung für Kinder in Not“. Oder ich beschäftige mich mit der Planung des nächsten Box-Events oder mit Hobbys wie dem Golfen. Das Wichtigste ist, dass mir alles, was ich tue, Spaß macht.

          Wladimir (l.) und Vitali bei einem Auftritt im Jahr 2000 in Hamburg
          Wladimir (l.) und Vitali bei einem Auftritt im Jahr 2000 in Hamburg : Bild: picture-alliance / dpa

          Aber Sie setzen Ihre Fäuste ja nicht nur zum Boxen ein. Es ist überraschend, dass ausgerechnet der Weltmeister im Schwergewicht etwas so Filigranes macht wie Zauberei.

          Also zunächst einmal: Zauberei ist kein Betrug, sondern beruht tatsächlich auf Fingerfertigkeit. Es gibt allerdings unterschiedliche Herangehensweisen. Eine ist: Man geht in ein Zaubergeschäft und lernt, wie das ein oder andere funktioniert. Dafür braucht man erst einmal kein besonderes Geschick. Für gewisse Tricks muss man nur die Regeln kennen. Etwas anderes ist die Zaubertechnik: Da muss man die Hände spielerisch einsetzen können. Diese Fähigkeit braucht man, um die Aufmerksamkeit der Zuschauer von der Person auf etwas anderes zu lenken: So schafft man die Basis für den Trick. Das Höchste schließlich ist das, was man Magie nennt, also etwas, was man nicht erzählen, was man sich nicht im Geschäft kaufen oder mit Fingern und Händen zeigen kann. Das lässt sich nicht einmal beschreiben. Man sieht gewisse Dinge verschwinden, fliegen oder schweben. Das hat etwas Magisches.

          Wie sind Sie zur Zauberei gekommen? Hatten Sie schon als kleiner Junge Interesse daran, oder kam das erst später?

          Mit achtzehn, neunzehn Jahren habe ich Jewgenij Woronin kennengelernt. Das ist ein Zauberkünstler und Komiker, der wie ich aus der Ukraine stammt, der aber immer viel im Ausland war und zahlreiche internationale Magiepreise gewonnen hat. Durch ihn bin ich erstmals mit Magie in Berührung gekommen. Es hat mich sofort ungeheuer fasziniert, und ich wollte mehr darüber erfahren. Ich bin dann immer hinter ihm hergelaufen und habe gebettelt: Zeig mir doch, wie das geht, verrate mir einen Trick. Aber er hat nein gesagt.

          Angeblich verraten Zauberer nie ihre Tricks.

          Genau. Und es hat sehr, sehr lange gedauert, bis ich Teil des Zauberkreises wurde. Ich musste erst einmal die Regeln lernen, und die stehen nicht in einem Buch - oder vielleicht doch, aber ich kannte es nicht. Natürlich gibt es eine Gemeinschaft von Zauberern, die jedoch nicht sehr groß ist, auch weltweit nicht. Und die Tricks gehen von einem zum anderen, man trifft sich und tauscht sich aus, doch man darf nie verraten, wie etwas funktioniert. Denn in dem Moment, wo man weiß, wie einfach etwas ist, wäre der Reiz zerstört.

          Aber wie erlernt man denn das Handwerk der Zauberkunst, wenn einen niemand anleitet? Ist man zum Autodidakten verdonnert, der Tricks aus Büchern nachmacht, oder findet man doch einen Lehrmeister?

          Na ja, entweder man will es erlernen, weil man begeistert davon ist, oder man lässt es besser bleiben. Der Spaß am Zaubern ist natürlich die beste Motivation, aber man ist im Grunde weitgehend sich selbst überlassen.

          Worin besteht für Sie die besondere Herausforderung beim Zaubern?

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