https://www.faz.net/-gtl-1108y

Eigentümer der Dallas Mavericks : Nowitzkis Arbeitgeber im Visier der SEC

  • -Aktualisiert am

Marc Cuban ist Eigentümer der „Dallas Mavericks”, für die Dirk Nowitzki spielt Bild: AP

Die amerikanische Börsenaufsicht SEC wirft dem Eigentümer der Dallas Mavericks, Mark Cuban, Insiderhandel vor. Cuban hatte nur wenige Wochen nach dem Kauf seine Mamma.com-Aktien wieder abgestoßen. Er soll vertrauliche Informationen genutzt haben.

          3 Min.

          Es gibt eine Form von Zurechtweisung, die Mark Cuban stets wie ein Ehrenbanner vor sich hergetragen hat. Das sind die vielen kleinen und großen Geldbußen, die ihm die National Basketball Association aufgebrummt hat und die sich im Laufe der Jahre auf 1,5 Millionen Dollar summiert haben.

          Der Stolz hat etwas Masochistisches: Denn der 50 Jahre alte Amerikaner, dem der NBA-Club Dallas Mavericks gehört, spendet jedes Mal, wenn er bestraft wird, demonstrativ den gleichen Betrag für einen wohltätigen Zweck. Er redet aber auch gern darüber – unter anderem auf seiner persönlichen Mitteilungsplattform im Internet: blogmaverick.com.

          „Mich interessiert gutes altes Bargeld“

          In den Einträgen kann man nicht nur die oft gegen den Strich gebürsteten Ansichten zum Sport von Cuban lesen, den man in Deutschland allenfalls als Arbeitgeber des Würzburger Basketballprofis Dirk Nowitzki kennt. Am 17. März 2004 zum Beispiel äußerte sich der auf ein Vermögen von 2,6 Milliarden Dollar taxierte Selfmademan aus Texas zur Anschaffung eines größeren Aktienpakets. Der Text enthält unter anderem seine Einschätzung des Aktienmarkts, durch dessen Kräfte er zu einem der reichsten Amerikaner wurde. Cuban verglich den Börsenhandel mit einem „Ponzi Scheme“, jenem nach dem Betrüger Charles Ponzi benannten Pyramidensystem, bei dem nur wenige gewinnen, aber viele verlieren.

          Die Bewertung mögen viele nachvollziehen, nicht jedoch die inneren Widersprüche, die der leutselige Mann im gleichen Atemzug wegzuwischen versuchte. Denn vermutlich wollte er bei dieser Gelegenheit nur ein wenig Werbung machen: für die Firma Mamma.com, deren Aktien er gerade gekauft hatte. „Ich habe in das Unternehmen investiert, weil es Geld verdient“, schrieb er über den Start-up, der niemand anderem als ausgerechnet dem Branchenriesen Google im Sektor der Internet-Suchmaschinen Konkurrenz machen wollte. „Ich bin nicht am Kurs-Gewinn-Verhältnis, am Aktienpreis-Umsatz-Verhältnis und so weiter interessiert. Mich interessiert gutes altes Bargeld.“

          Geldstrafe von bis zu 3 Millionen Dollar

          Die amerikanische Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) glaubt inzwischen zu wissen, wie Cuban das gemeint hat. Ihr Vorwurf lautet auf widerrechtlichen Insiderhandel. Cuban, der den größten Teil seines Vermögens erzielte, als er 1999 mit einem Partner dem Internet-Portal Yahoo für ein Aktienpaket von 5 Milliarden Dollar die während der Technologie-Blase entstandene Firma Broadcast.com verkaufen konnte, hatte nur wenige Wochen nach der Anschaffung den gesamten Posten von 600.000 Anteilscheinen und damit 6,3 Prozent aller Mamma.com-Aktien auf einen Schlag abgestoßen. Die SEC will nun beweisen, dass er das aufgrund von vertraulichen Informationen getan hat.

          Der Start-up brauchte damals mehr Geld und war auf der Suche nach Finanziers, die jedoch mit ihren Einlagen den Wert der vorhandenen Aktien stark reduziert hätten. Durch den vorzeitigen Verkauf machte Cuban einen Gewinn von 750.000 Dollar. Wenig später sanken die Kurse. Nach tagelangem Schweigen äußerte sich Cuban nun doch noch. Selbstverständlich in seinem Blog, wo er ankündigte, sich gegen die Anschuldigungen mit allen rechtlichen Mitteln zur Wehr zu setzen. Ihm droht nach Zeitungsberichten eine Geldstrafe von bis zu 3 Millionen Dollar. Die meisten Fälle – die Aufsichtsbehörde SEC bringt im Schnitt 50 Verfahren im Jahr auf den Weg – enden in einem Vergleich.

          Marktwert von 461 Millionen Dollar

          Die Auseinandersetzung dürfte denn auf Cubans beeindruckendem Karriereweg nicht mehr als ein kleiner Dämpfer sein. Der Sohn eines Fahrzeugsattlers aus einem Vorort von Pittsburgh hat in Bloomington im Bundesstaat Indiana Betriebswirtschaft studiert und anschließend in Dallas als Verkäufer in einem Computergeschäft gearbeitet. Ein Jahr später gründete er zusammen mit mehreren Partnern die Softwarefirma Microsolutions, die 1990 an den Internetanbieter Compuserve verkauft wurde. Sein Anteil an den Erlösen: rund 2 Millionen Dollar. Der größte persönliche Erfolg gelang ihm wenige Jahre später mit einem Unternehmen, in dem technische Lösungen für den Transport und das Abspielen von Ton- und Videodateien im Internet entwickelt wurden. Für diese Firma gaben die Verantwortlichen von Yahoo ein Vermögen aus, weil sie hofften, auf diese Weise leichter Werbekunden für ihr Portal zu gewinnen.

          Einen Teil des Geldes investierte er im Jahr 2000 in die Dallas Mavericks, die zu jenem Zeitpunkt den Ruf der schlechtesten Mannschaft der NBA inne- und kurz zuvor das junge Talent Dirk Nowitzki verpflichtet hatten. Cuban sparte nicht an Geld und baute im Laufe der Zeit ein schlagkräftiges Team auf, das zu den teuersten der Liga gehört. Den sportlichen Höhepunkt erlebte er im Juni 2006, als die Mavericks die Finalserie erreichten. Ein Jahr danach wurde Nowitzki als wertvollster NBA-Profi der Saison ausgezeichnet. Der Club, für den Cuban 260 Millionen Dollar bezahlt hatte, wurde vor einem Jahr vom Wirtschaftsmagazin Forbes auf einen Marktwert von 461 Millionen Dollar geschätzt.

          Weitere Themen

          Kein EM-Finale in Wembley? Video-Seite öffnen

          Delta-Variante : Kein EM-Finale in Wembley?

          Rund um die Final-Spiele der Euro 2020 im Londoner Wembley-Stadion ist eine coronabedingte heftige Diskussion entbrannt. Hintergrund ist die steigende Zahl der Ansteckungen mit der Delta-Mutation des Coronavirus.

          „Ha, ha, das ist wunderbar“

          Verstappen auf Startplatz eins : „Ha, ha, das ist wunderbar“

          Im Kampf um den Formel-1-Titel liefern sich Max Verstappen und Lewis Hamilton ein enges Duell. In der Qualifikation in Frankreich liegt der Niederländer vorne. Mick Schumacher landet in der Leitplanke.

          Topmeldungen

          Was das alles kostet: Energieversorgung und Verkehr sind wegen der CO2-Bepreisung zuletzt teurer geworden.

          CO2-Preis : Beim Spritpreis hört der Spaß auf

          Klimaschutz ist ein Wahlkampfschlager, aber nur dann, wenn er möglichst wenig kostet. Wie lässt sich der CO2-Preis sozialverträglich erhöhen?

          Fußball-EM im Liveticker : 1:1 – Geht noch was für Ungarn?

          Kurz vor der Halbzeit geht Ungarn überraschend in Führung. Doch nach dem Wechsel dreht Frankreich auf. Erst landet ein Schuss am Pfosten, dann einer im Tor. Es bleibt spannend. Verfolgen Sie das Spiel im Liveticker.
          Müssen Brände löschen: Die Ko-Vorsitzenden Susanne Hennig-Wellsow (links) und Janine Wissler

          Linken-Parteitag : „Wir gehen nicht zu Boden“

          Zu Beginn des Parteitags versucht die Ko-Vorsitzende Hennig-Wellsow der verunsicherten Linkspartei Mut zu machen. Aber der nächste Streit dürfte nicht lange auf sich warten lassen. Schließlich muss noch ein Programm verabschiedet werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.