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Eichlers Wochenschau : Das dunkle Dortmund

„Borusse“ Aubameyang: Ging sieben Tage vor einem Pflichtspiel feiern. Für Manager Zorc - natürlich - ein „Nichtereignis“. Bild: dpa

Ein Snookerspieler, der seine Gewinne stets verzockt, gewinnt erstmals ein großes Turnier - mit dem Startgeld seines Vaters. Und in Dortmund gibt es viele umtriebige Petzen.

          Chapeau: Der Mensch sei nur da ganz Mensch, wo er spiele, fand Schiller. Er kannte noch kein Casino, keine Online-Wetten. Mark King kennt sie nur zu gut. In seinem Leben als Glücksspieler hat er sich nicht als „ganz Mensch“ erlebt, eher das Gegenteil. „Als zwanghafter Spieler bist du nicht du selbst. Du belügst deine Frau, bestiehlst deine eigenen Kinder, tust alles, um an Geld zu kommen. Und du verlierst alles.“ King ist Snooker-Profi, seit 25 Jahren, aber nie gewann er ein bedeutendes Turnier. Wohl auch, weil es diesen anderen Spieler in ihm gab, der einen Snooker-Tisch verhökerte, um die tausend Pfund, die er bekam, gleich wieder auf Pferde, Hunde oder Karten zu setzen. Einen, den er seit siebzehn Jahren jeden Mittwoch bei den Treffen der Selbsthilfegruppe „Gamblers Anonymous“ bekämpft.

          Chapeau – wir ziehen den Hut!

          Am vorletzten Sonntag hat der Engländer nun seinen ersten Turniersieg gefeiert, bei den Northern Ireland Open. Das Startgeld hatte ihm sein 83-jähriger Vater vorstrecken müssen. Eine gute Geldanlage. Vielleicht sollte auch der Zocker King nur noch auf den Spieler King setzen? Er war immer noch bester Laune, als er drei Tage nach dem Triumph in der ersten Runde der UK Championship ausschied. Einen Satz des Matches verlor King, weil er nach der Mittagspause ohne sein Queue erschienen war. Er hatte es aber nicht verspielt, nur vergessen.

          Attaque – hier wird angegriffen!

          Attaque: In Wirklichkeit ist der Mensch nur da ganz Mensch, wo er nicht nur spielen muss. Sondern sich nach dem Spiel auch mal entspannen darf. Gerade im Fußball gerät das ab und zu in Vergessenheit. Denn dieses Spiel ist als „Big Business“ des 21. Jahrhunderts in eine Rundumbewachung durch jene „sozialen“ oder auch klassischen Medien begeben, die sich vor allem als Schulhof-Petzen verstehen: Hallo, Herr Lehrer, guck mal, was der gemacht hat! Wo der wieder war! Und dann schreiben diese Medien-Petzen auch noch „Disco“, was nur noch Menschen so nennen, die da nicht mehr reingelassen werden. Die, die noch reinkommen, sagen „Club“, wie im Fußball.

          Neuester Skandal also: Pierre-Emerick Aubameyang, bester Torjäger der Bundesliga, ist am vergangenen Samstag nach Einbruch der Dunkelheit noch außer Haus gewesen. Der Boulevard unkte gleich vom neuen „Party-Ärger“ des flamboyanten Fußballers, der einem Auftritt des mit ihm befreundeten Rappers Maitre Gims in Dortmund beiwohnte. Der empörte Leser fragt sich nun zu Recht, wie man das nennen muss: einen Sportler, der nach Mitternacht noch nicht im Bett ist, und das nur sieben Tage vor dem nächsten Spiel? Sein Chef Michael Zorc gab die Antwort: ein „Nichtereignis“. Genau der richtige Stoff für alle Nichtdenker.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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