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Eichlers Wochenschau : Die Affen, der Krieg und die Fifa

Eine solche Binde zur Erinnerung, wie sie Englands Torhüter Joe Hart schon 2011 trug, hat die Fifa verboten Bild: dpa

Gibt es im Sport einen Zusammenhang zwischen Arm- oder Beinlänge und Leistung? Eher nicht. Dass sie im Weltfußballverband jedoch recht kurze Beine und einen sehr langen Arm haben, ist dagegen unbestritten.

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          Chapeau: Schon mal vom Affenindex gehört? Er heißt wirklich so und begünstigt gewisse Sportler. Jene, deren Körper-Relationen nicht der Norm entsprechen, nicht der Idee des „homo bene figuratus“, des wohlgeformten Menschen, wie ihn der alte Römer Vitruv beschrieb. Vitruvs These, dass der aufrechte Mensch mit ausgestreckten Armen sich ins Gleichmaß von Quadrat und Kreis einfüge, illustrierte Leonardo da Vinci in der berühmten Skizze „Der vitruvianische Mensch“.

          Chapeau – wir ziehen den Hut!
          Chapeau – wir ziehen den Hut! : Bild: F.A.Z.

          Allerdings gäbe dieser Wohlgeformte keinen überragenden Schwimmer oder Werfer ab. Im Affenindex entspräche er Faktor eins, nahe dem des Durchschnittsmenschen, dessen Körpergröße und Spannweite in etwa gleich sind. Das ist zu wenig, um mit Michael Phelps, dem weltbesten Schwimmer, mitzuhalten: Spannweite 2,04 Meter, Körpergröße 1,95 Körpergröße, Faktor 1,046. Oder mit Michael Jordan, dem größten aller Basketballer: 2,10:1,98=1,06.

          Arm macht reich, und deshalb schwärmt man beim FC Bayern Basketball gerade vom neuen Spielmacher Nick Johnson, der ebenfalls „unglaublich lange Arme“ haben soll. Heiko Schaffartzik dagegen, bis 2015 sein Vorgänger, klagte über die Kürze seiner Arme: 1,77 bei 1,83 Körpergröße, macht 0,967. Arm dran? Es wurde kein Jordan aus ihm, aber dennoch ein ganz ordentlicher Spieler. Nehmen wir ihn also nicht allzu ernst, diesen Index. Täten wir es, die besten Sportler wären Affen.

          Attaque – hier wird angegriffen!
          Attaque – hier wird angegriffen! : Bild: F.A.Z.

          Attaque: Im Fußball dagegen ist beim besten Willen kein Zusammenhang von Beinlänge und Leistung zu erkennen. Nicht nur Lügen haben kurze Beine, auch einige der allergrößten Fußballer hatten sie, wie Ferenc Puskás, Gerd Müller oder Diego Maradona. Ersatzhalber wäre wenigstens ein Zusammenhang von Entscheidungsmacht und Hirnleistung wünschenswert, wenigstens bei Funktionären. Bei der Fifa befindet sich das aber noch in der Probezeit, seit 112 Jahren. Immerhin hat sie schon mal einen sehr langen Arm, er reicht bis in den letzten Winkel der Fußballwelt. Selbst bis ins Mutterland des Spiels, wo 22 Kicker am kommenden Freitag in der 113. Ausgabe des ältesten Länderspiels der Welt, England gegen Schottland, erstmals ausgetragen 1872, mehr als über vierzig Jahre vor Fifa-Gründung, auf Fifa-Befehl keine Armbinden mit Mohnblüten tragen dürfen.

          Die „Poppies“ sind auf der Insel das Symbol des Gedenkens an die Kriegstoten. Man trägt sie traditionell am 11. November, dem Tag, an dem 1918 der Erste Weltkrieg endete. Nur diesmal nicht, so will es die Fifa, weil sie „politische“ Symbole beim Fußball verbietet. Wo kämen wir denn da auch hin, wenn Fußballer für „Nie wieder Krieg“ einträten? Da könnte sich ja Herr Putin beleidigt fühlen, der nächste WM-Gastgeber, der große Freund der Fifa.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

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