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EHC München : Ausgeschlafen für die große Party

  • -Aktualisiert am

Bereit für die Meisterfeier: Michael Wolf Bild: dpa

München kann im vierten Finale gegen Wolfsburg die deutsche Eishockey-Meisterschaft gewinnen. EHC-Kapitän Michael Wolf hat mit 35 Jahren fast alles erreicht – für den fehlenden Meistertitel musste sogar die Familie umziehen.

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          Einen ganzen Tag mit zwei kleinen Kindern zu verbringen mag manchmal etwas anstrengend sein. Aber für Michael Wolf ist gerade das die beste Ablenkung. Am Mittwoch nutzte der Kapitän des EHC München eine der wenigen Gelegenheiten in den vergangenen Wochen zu einem Ausflug nach Füssen, wohin sich seine Frau mit den beiden Kindern während der Play-offs in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zurückgezogen hat.

          Trainer Dan Jackson gab der Mannschaft nach dem 4:1 gegen die Grizzlys Wolfsburg am Dienstag, dem dritten Sieg im dritten Finalspiel in der Best-of-Seven-Serie, frei. Einen Tag lang, so fand der Kanadier, sollten sich die Spieler einmal nicht oder möglichst wenig mit Eishockey beschäftigen. Er könne gut entspannen in Füssen, sagt Wolf, aber „ganz abschalten kann man gar nicht“.

          Meister schon im vierten Spiel?

          Es macht ja auch derzeit besonders viel Spaß beim EHC, sich mit seinem Beruf zu beschäftigen. Die Münchner stehen vor dem größten Erfolg der zugegeben noch sehr kurzen Vereinsgeschichte. Gewinnen sie am Freitag in Wolfsburg auch das vierte Spiel, sind sie Meister. Für Wolf ist diese Situation neu, so nah war er dem DEL-Titel noch nie. „Ich weiß nicht, wie es mir geht, wenn es tatsächlich so weit kommen sollte“, sagte der 35 Jahre alte Außenstürmer.

          Wolf hat in seiner Karriere viel erreicht, fast alles, was als deutscher Eishockeyspieler möglich ist. Er ist mit bisher 277 Toren erfolgreichster Torjäger in der Historie der DEL, er war DEL-Rookie des Jahres und zweimal Torschützenkönig, er hat an sieben Weltmeisterschaften und einmal an Olympischen Winterspielen teilgenommen, aber zu einem Meistertitel hat er es bisher nicht gebracht. „So kurz davor zu stehen“, sagt er, „das ist schon ein gutes Gefühl.“

          Herzenssache Iserlohn

          Das hat er in den neun Jahren, in denen er bei den Iserlohn Roosters gespielt hat, nie kennengelernt. Die Sauerländer hatten Wolf einst von den Moskitos Essen aus der zweiten Liga geholt, zunächst für eine Saison. Aber der gebürtige Österreicher setzte sich in der DEL auf Anhieb durch - und die Roosters wurden für ihn „eine Herzensangelegenheit“, wie er sagt. Trotz vieler Angebote von anderen, finanziell besser gestellten Vereinen in der DEL hat er immer wieder in Iserlohn verlängert. „Mir hat es gut gefallen, meiner Familie auch. Es war alles gut dort.“

          Iserlohn, so gab der Allgäuer einst zu, sei seine „sportliche Heimat“. Aber Wolf wollte eben in seiner Karriere auch einmal um den Meistertitel kämpfen. Die Roosters schlagen sich mit einem überschaubaren Etat Jahr für Jahr wacker in der DEL, aber für den Titel hat es bisher nicht gereicht. Als der EHC im Sommer 2014 nach dem ersten verkorksten Jahr unter der Regie von Red Bull an einer neuen Mannschaft bastelte, stand auch Wolf auf der Wunschliste. Es habe ja immer wieder einmal Kontakte gegeben mit den Münchnern, sagt Wolf, vor allem mit Christian Winkler, dem gut vernetzten Manager aus dem Werdenfelser Land.

          Der Musterprofi auf dem Weg zum Titel

          Mit 33 fand Wolf, dass ihm wohl nicht mehr sehr viel Zeit bleiben würde, den großen Titel-Traum noch zu verwirklichen. Außerdem war er gerade zum ersten Mal Vater geworden, und da zog es ihn in den Süden, wieder mehr in die Nähe von Füssen, wo seine Eltern und ein großer Teil der Familie leben. Es gab also mehrere Gründe, nach München zu wechseln. Im ersten Jahr kam er mit dem EHC aber auch nicht weiter, als er es mit den Roosters in jener Saison geschafft hätte. Beide Mannschaften scheiterten im Playoff-Viertelfinale. Aber die Münchner, das erkannte Wolf, hatten auch da schon das Potential für Großes. „Wir hatten am Ende des vergangenen Jahres viele Verletzte, und deshalb ist uns gegen Wolfsburg die Kraft ausgegangen.“ In dieser Saison scheint die Formkurve zu stimmen, die Mannschaft um Wolf steigerte sich, je näher die entscheidende Phase rückte, und bestätigte in der Play-off-Runde ihre Favoritenrolle.

          Musterprofi on Ice: Michael Wolf (l.) im Duell mit Alexander Sulzer
          Musterprofi on Ice: Michael Wolf (l.) im Duell mit Alexander Sulzer : Bild: dpa

          Wolf ist das, was man einen Musterprofi nennen kann. Nach der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr in Tschechien beendete er seine Nationalmannschaftskarriere, um sich ganz auf den Verein zu konzentrieren. Er bringe konstant Leistung auf hohem Niveau, sagte EHC-Trainer Jackson. Mit 35 ist das nicht mehr selbstverständlich. Wolf ordnet in diesen Wochen alles dem großen Ziel unter. Dazu gehört für ihn auch, früh schlafen zu gehen. „Im Moment liege ich teilweise schon um 21 Uhr im Bett.“ Für eine Meisterfeier wäre er auf jeden Fall fit - und ausgeschlafen.

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