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Eberhard Gienger : Der Rumturner

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Vergebliches Warten auf den Gienger-Salto der Sportpolitik? Gienger verliert an Schwung, verändert die Tonfarbe, er wird leiser: „Nein, das hat mit dieser Kritik nichts zu tun. Ich versuche, mich selber zu analysieren, meine Arbeit.“ Es rattert. Das Analyseergebnis animiert zu Widerspruch: „Aber wir stellen doch gerade ein Konzept zum Spitzensport auf die Beine, das, wie ich glaube, sehr erfolgreich sein wird.“ Gienger wirkt wie ein Vorbild für alle geplagten Eltern von Kindern mit schlechter Haltung bei Tisch. Zwei Stunden sitzt er kerzengerade.

„Der Eberhard“, sagt sein Berater, der Leistungssportexperte Eduard Friedrich, „ist geradeaus. Das sieht man an seiner Haltung. Der hat alle Voraussetzungen für seine Aufgabe. Ich bin mir nur nicht sicher, ob er brutal genug ist für diesen Job.“ Noch hält sich Gienger zurück: „Ich bin Neuling. Ich höre gerne zu und bilde mir dann meine Meinung.“ Aber ein Leistungssportchef darf nicht nur zuhören. Wenn seit 1992 die Medaillen-Ausbeute bei Sommerspielen von 82 kontinuierlich auf 48 gefallen ist, dann sind, sagt Friedrich, personelle Veränderungen nötig. „Was haben die denn gemacht?“

Kritik? „Ich habe was für den Sport getan“

Gegenfrage: Was muß Gienger tun? Leute rauswerfen? „Ich bin harmoniebedürftig“, sagt Gienger. „Nicht brutal genug? Vielleicht ist das meine Schwäche. Gestatten Sie mir eine Lernphase, ich glaube, ich habe die nötige Härte.“ An Disziplin mangelt es nicht. Morgens um sieben stand er in Berlin-Hohenschönhausen auf der Eisfläche und lernte: daß zu dieser Tageszeit „unheimlich viele Kinder“ Kati Witt nacheifern. Daß lukrative Nebenjobs knallharte Arbeit sein und trotz manch guter Erfahrung in einem Fiasko enden können.

Weil Gienger zwei Sportausschußsitzungen vorzeitig verließ, um sich bei der Pro-Sieben-Show „Stars on Ice“ live aufs Eis zu wagen, rief ihm ein Sportfunktionär gehässig hinterher: „Der Arme muß heute abend eislaufen, und wir dürfen ein Konzept gegen Doping ausarbeiten.“ Gienger wehrt sich: „Ich habe was für den Sport getan. Ein Teil des Honorars wird gespendet.“ Und warum hat er das nicht gleich gesagt? „Das war mir nicht so wichtig.“

Sind nun plötzlich alle DOSB-Richtlinien falsch?

Über die Lücken im Nachwuchsförderkonzept des deutschen Sports hat Gienger im Sportausschuß auch nicht gesprochen. Er mußte mit Ende des Vortrags seines Leistungssportdirektors im DOSB, Bernhard Schwank, die Sachen packen: für die Eis-Tour. Die bundesweite Empörung in Sport und Politik über den „Paradigmenwechsel“ (Schwank) vernahm er anderntags, als die Kämpfer für die Eliteschulen Alarm schlugen und Chaos in der Leistungssportsteuerung vermuteten.

Soll alles falsch sein, was der DOSB längst als Richtlinie formuliert hat und nun in Weimar nochmals bekräftigen wird? Gienger schüttelt den Kopf. Er widerspricht der Darstellung, Schwank habe den Sportpolitikern, die wissen wollen, was mit den Steuergeldern gemacht wird, eine Systemkritik der Nachwuchsförderung vorgelegt. „Es ging um Details. Man muß doch mal spinnen dürfen und nicht gleich alles für bare Münze nehmen.“

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