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Ansage von Reinhard Grindel : Für den DFB-Chef ist E-Sport kein Sport

Ob Sport oder kein Sport: E-Sport begeistert die Massen und zieht – wie hier am Wochenende in Kattowitz Tausende Anhänger an. Bild: Reuters

Eine „absolute Verarmung“ und vollkommen „absurd“: DFB-Präsident Grindel hat zum Rundumschlag ausgeholt und wettert gegen den weltweiten E-Sport-Boom. Er sieht darin die „größte Konkurrenz“ für den Fußball. Der Chef des neuen E-Sportverbandes hält dagegen.

          Reinhard Grindel ist kein Freund der digitalen Ertüchtigung. Das hat der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Wochenende noch einmal mehr als deutlich gemacht. „E-Sport ist für mich kein Sport“, sagte Grindel bei einem Termin der Zeitung „Weser-Kurier“. Die größte Konkurrenz, ob Kinder Mitglieder in Sportvereinen würden, komme „nicht von anderen Sportarten wie Handball oder Basketball. Sondern vom Befassen mit digitalen Endgeräten“, sagte der 56 Jahre alte Chef des größten deutschen Sportverbandes in der Talkrunde. Bezogen auf die immer größer werdende Beliebtheit von E-Sport-Events wie deutschen sowie Europa- und Weltmeisterschaften des Fußball-Konsolenspiels „Fifa“ erklärte Grindel: „Fußball gehört auf den grünen Rasen und hat mit anderen Dingen, die computermäßig sind, nichts zu tun.“

          Grindel bezeichnete die Tendenz, dass sich immer mehr Jugendliche mit E-Sport befassen würden, als eine absolute Verarmung. Er halte es deshalb für falsch, E-Sport für gemeinnützig zu erklären. Der Fußball sei nicht dazu da, der Unterhaltungsindustrie Steuervorteile zu verschaffen, sagte der DFB-Boss und kritisierte die im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD niedergeschriebene Ankündigung, die Anerkennung von E-Sport als Sportart voranzutreiben und ihm eine „olympische Perspektive“ zu bieten. Die Idee, E-Sport könne eines Tages gar olympische Disziplin werden, hält Grindel für „absurd“. Er hoffe, dass es nicht so kommt.

          DFB-Präsident Reinhard Grindel

          Den Äußerungen des DFB-Präsidenten ist der Chef des Ende 2017 neu gegründeten deutschen E-Sport-Bundes (ESBD) entschieden entgegen getreten. In einem via Facebook und Twitter veröffentlichten Statement, erklärt Hans Jagnow, dass der Sport insgesamt vor einem „Umbruchsprozess im digitalen Zeitalter“ stünde, „der mitnichten eine Verarmung, sondern eine tiefgreifende Veränderung darstellt“. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) zeige mit der Einrichtung einer eigenen E-Sport-Arbeitsgruppe, dass es einen offenen Umgang mit dem Thema geben könne“, sagte Jagnow. Gerade „der Einstieg von großen Bundesligavereinen (...) in den letzten Monaten zeigt, dass auch im Fußball dieses Bewusstsein wächst“. Dass Grindel nun versuche „eine künstliche Konkurrenzsituation aufzubauen“, sei laut Jagnow nur hinderlich.

          Nicht nur aufgrund der positiven Resonanzen von DOSB sowie verschiedenen Spitzenvereinen spricht der neue ESBD-Präsident derzeit aus einer Position der Stärke heraus: Auch in Bezug auf die ökonomischen Aussichten, kann der E-Sport eindrucksvolle Zahlen aufweisen. Auf der ganzen Welt begeistern sich schon mehr als eine Viertelmilliarde Menschen für die professionellen Wettkämpfe in Spielen wie dem Ego-Shooter „Counter Strike“, Fantasyspielen wie „League of Legends“ oder „Dota 2“ und ebenjenen Sport-Simulationen „Fifa“ und „NBA“. Gerade erst am vergangenen Wochenende jubelten im polnischen Kattowitz abermals mehr als 20.000 Fans bei einem „Counter Strike GO“-Turnier der „Extreme Masters Serie“ den Profis an ihren Tastaturen zu. Allein die Sieger des Events erhielten ein Preisgeld von 250.000 Dollar.

          Bis 2020 soll die Zahl der E-Sport-Fans weltweit auf 600 Millionen Anhänger anwachsen und der Industrie durch Ticketverkäufe und Merchandising Einnahmen von fast 1,3 Milliarden Euro garantieren. Allein in Deutschland erwirtschaftete die Branche im vergangenen Jahr fast 33 Millionen Euro. Umfragen zufolge bekunden hierzulande mittlerweile ein Viertel der 14- bis 49-Jährigen ihr Interesse am E-Sport. „Der E-Sport gleicht momentan einer Rakete“, sagte der ESBD-Vizepräsident Jan Pommer bereits im Dezember im Gespräch mit der F.A.Z. „Alles geschieht mit großer Geschwindigkeit, vieles passiert gleichzeitig, und eine Menge wird sich schon bald wieder wandeln. Als Verband wollen wir versuchen, die Entwicklung in Deutschland zu strukturieren“, erklärte Pommer.

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