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E-Sport-Kommentar : Auf dem Weg in den E-Lymp

E-Sport wird schon längst nicht mehr nur im eigenen Zimmer gespielt. Bild: dpa

E-Sport boomt, keine Frage. Klar ist aber auch: Die Zweifel, ob es mehr ist als nur ein riesiges milliardenschweres Unterhaltungsgeschäft, sind weit verbreitet – und oftmals angebracht.

          Es sind wieder einmal sehr gute Tage für den E-Sport sowie jene, die ihn fördern und von ihm profitieren. Auf dem populärsten E-Sport-Turnier der Welt – dem „The International“ – wird in Vancouver derzeit um fast 25 Millionen Dollar Preisgeld gezockt: Rekord. Dazu ist der elektronische Sport neuen Studien zufolge mittlerweile fast fünfzig Prozent der Deutschen ein Begriff. Das sind so viele wie nie zuvor. Außerdem werden in diesen Tagen deutlich mehr als 350.000 Menschen die Videospielmesse Gamescom – auf der unter anderem die deutschen Meister in zwei E-Sport-Disziplinen gesucht werden – in Köln besuchen.

          Auch das wäre eine neue Bestmarke. E-Sport boomt, keine Frage. Die Begeisterung für das professionelle Zocken an Computer oder Konsole ist längst mehr als nur ein vorübergehender Hype. Besonders bei jungen Menschen nimmt sie immer größere Ausmaße an und greift mehr und mehr auch auf Sponsoren, Medienunternehmen und traditionelle Sportvereine und -verbände über. Allein in Deutschland soll der Umsatz der Branche in den nächsten zwei Jahren die 100-Millionen-Euro-Marke übersteigen.

          Klar ist aber auch: Die Zweifel, ob E-Sport mehr ist als nur ein riesiges milliardenschweres Unterhaltungsgeschäft, sind weit verbreitet – und oftmals angebracht. Wenn diese dauerhaft ausgeräumt werden sollen, wenn E-Sport als fester Bestandteil der unglaublichen Bandbreite des Sports wahrgenommen werden soll, bedarf es mehr als Events im „Super Bowl“- Stil, stundenlange Liveübertragungen im Free-TV oder Fußballklubs, die E-Sportler von Vermarktungsagenturen verpflichten lassen, damit diese bei Turnieren in ihren Trikots antreten. Auch die nächste gesponserte Million eines namhaften Auto- oder Getränkeherstellers fällt da nicht mehr ins Gewicht. Gigantismus allein hilft nicht weiter.

          Doch die ersten Schritte weg vom bisherigen „so schnell und so viel wie möglich“ und hin zur Anlehnung an den traditionellen Sport sind eingeleitet: Der erst im vergangenen Winter gegründete Deutsche E-Sportbund (ESBD) treibt derzeit den Ausbau des digitalen Breitensports voran. Bis Ende des Jahres will der Verband ein Programm zur Ausbildung von E-Sport-Trainern sowie eine erste eigene kleine E-Sport-Amateurliga auf den Weg gebracht haben. Bislang beruhte es meist auf Zufall, ob junge Talente, die zu Hause anonym an ihren Rechnern Höchstleistungen vollbringen, von großen Teams entdeckt und gefördert werden.

          Dazu nehmen in der kommenden Woche erstmals Amateur-E-Sportler aus 18 Nationen in sechs verschiedenen Disziplinen probeweise an den Asien-Spielen in Jakarta teil. Zwar werden die Sieger noch nicht in den offiziellen Medaillenspiegel aufgenommen – das soll aber bei der nächsten Auflage im Jahr 2022 der Fall sein. Und IOC-Präsident Thomas Bach hat den digitalen Athleten zwar bis auf weiteres die Aufnahme ins olympische Programm verwehrt – stattdessen wird nun über ein eigenes E-Olympia nach dem Vorbild der Paralympischen Spiele diskutiert, das irgendwann einmal im Umfeld des Originals starten könnte. Die guten Tage für den E-Sport dauern an.

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