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Dwain Chambers : Begleitet von Wut und Pfiffen

Ein Geächteter brüllt zurück: Dwain Chambers läuft in Valencia auch gegen britische Funktionäre Bild: AFP

Der Brite Dwain Chambers kämpft an diesem Freitag bei der Hallen-WM der Leichtathleten um Medaillen. Um seinen Olympia-Start in Peking wird er vor Gericht weiterkämpfen müssen. Die britischen Funktionäre wollen den Doping-Sünder nicht mehr.

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          Beim Zusammenstoß der Ideale des Amateursports mit der Welt des Hochleistungssportgeschäfts hat Ken Livingston einen Kollateralschaden erlitten. Weil er den Sprint-Olympiasieger und überführten Doper Linford Christie eingeladen hatte, im April 250 Meter des Olympischen Fackellaufs zu bestreiten, wurde der Bürgermeister von London so heftig attackiert, von Lokalpolitikern bis zum Internationalen Olympischen Komitee, dass er zurückruderte. Kaum hatte sein Büro verbreitet, dass ein Subalterner einen Fehler gemacht habe, kursierte das Anschreiben mit Livingstons Unterschrift.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der Bürgermeister hatte die Brisanz der Mischung aus Sprint und Dopingvergangenheit unterschätzt, die sich zusammengebraut hat. Sie ist hochexplosiv, seit Dwain Chambers sich einen Platz im britischen Team für die Hallen-Weltmeisterschaften von Valencia ersprintet hat. An diesem Freitag tritt der Ausgestoßene der Leichtathletik nun an, den Titel über 60 Meter zu gewinnen. Weniger seine Bestzeit dieses Winters von 6,56 Sekunden als vielmehr seine Nervenstärke machen ihn zum Medaillenkandidaten: Er gewann die Trials in Sheffield, obwohl der Verband UK Athletics ihn nicht im Team haben wollte und das Publikum aufgerufen war, ihn auszupfeifen. In Spanien ist es ähnlich: Verbandschef José María Odriozola sagte in Valencia, er sei unglücklich über Chambers’ Start und befürchte Proteste.

          Als Dopingsünder überführt und hat gestanden

          Olympiasieger Sebastian Coe, Vorsitzender des Organisationskomitees der Olympischen Spiele 2012 in London und im steilen Aufstieg sowohl im Internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) wie im IOC begriffen, macht sich zum Wortführer der Empörung, indem er vor dem Niedergang der Leichtathletik warnt, wenn Leute wie Chambers mitmachen dürfen. „Wir könnten in die gleiche Lage geraten wie Profi-Catchen, von dem jeder weiß, dass es unecht ist“, sagt er und fordert, die Mindestsperre für Doping auf vier Jahre zu verdoppeln.

          Überraschender Sieg bei den britischen Trials

          Chambers, ein 29 Jahre alter schwarzer Londoner, hat gedopt; er war Teil des Balco-Dopingringes mit Marion Jones, Tim Montgomery, Kelli White und vielen anderen Betrügern. Er wurde überführt und hat gestanden. Balco-Chef Victor Conte sagte, er habe Chambers seinerzeit „die volle Enchilada“ verabreicht: das Designer-Steroid THG, Insulin, Epo, Wachstumshormon, Modafinil und Testosteron. Damit präpariert, wurde Chambers 2002 in München Sprint-Europameister, solo und mit der Staffel. Im Jahr drauf gewann er bei den Weltmeisterschaften in Paris mit der Staffel die Silbermedaille. Danach wurde er aufgrund einer Dopingprobe aus seinem Trainingslager in Saarbrücken überführt und für zwei Jahre gesperrt.

          „Großbritannien zu vertreten muss ein Privileg bleiben“

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