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Dustin Johnson : Der lebenshungrige Super-Athlet

  • -Aktualisiert am

Power und Präzision: Dustin Johnson ist ein kompletter Golfer. Bild: dpa

Dustin Johnson ist durch seinen Sieg in Kalifornien die neue Nummer eins der Golf-Welt. Johnsons Weg nach oben war beschwerlich – aus seinem wilden Privatleben machte er nie einen Hehl.

          Dustin Johnson gilt als der Prototyp des modernen Golfers: 1,93 Meter groß, 90 Kilo schwer, athletisch, ein Mann, der den Ball locker weiter als 300 Meter schlagen kann - und dennoch meist die Fairways trifft. Eine eindrucksvolle Mischung aus Power und Präzision. Dazu verfügt der 32 Jahre alte Amerikaner über das feine Händchen auf dem und rund ums Grün - er ist ein kompletter Golfer ohne sichtbare Schwächen.

          Dass der Profi aus South Carolina, der mittlerweile in Jupiter (Florida) lebt, jetzt auch erstmals die Weltrangliste anführt, seit er am Sonntag die Genesis Open in Pacific Palisades (Kalifornien) gewann, schien lange überfällig. Im vergangenen Jahr kürten ihn die Kollegen nach drei Siegen, darunter bei den US Open - sein erster Erfolg bei einem der vier Majors - zum „Spieler des Jahres“ auf der PGA Tour. Und doch war der Weg ganz nach oben für „DJ“, wie ihn die Kollegen nennen, beschwerlicher, als man vermuten konnte.

          Dass Johnson über das nötige Talent verfügt, um es im Sport - und nicht nur im Golf - ganz nach oben zu schaffen, deutete sich schon in seiner Jugend an. Er betrieb alle möglichen Sportarten; neben Golf noch Baseball, Schwimmen und Basketball. Und überall, so erinnert sich sein jüngerer Bruder Austin, der ihm heute als Taschenträger dient, war er besser als alle Altersgenossen.

          Ein Allround-Talent

          Johnsons Fitness-Trainer Joey Diovisalvi bezeichnet ihn als den begabtesten Multi-Sport-Athleten, den er je unter seinen Fittichen hatte. Bei den Wenden im Schwimmbecken sei er nicht von Michael Phelps zu unterscheiden, im Basketball beherrsche er die Wurftechnik eines NBA-Profis und schaffe noch heute barfuß aus dem Stand einen Dunking, und bei seinen langen Touren auf dem Rennrad wirke auch das Gelbe Trikot passend, schwärmt Diovisalvi.

          Johnson schlug zwar im zarten Alter von sechs Jahren unter Anleitung seines Vaters, einem Golflehrer, die ersten Golfbälle. Aber erst mit 13 Jahren konzentrierte er sich auf dieses Spiel. „Dass er als Kind und Jugendlicher alle möglichen Sportarten betrieb, hat ihn zu einem besseren Athleten gemacht“, behauptet Butch Harmon, der sich seit einigen Jahren um seinen Schwung kümmert.

          Kurz vor dem Triumph: Dustin Johnson beim Anschlag in der letzten Runde der „Genesis Open“

          Viel musste der langjährige Coach von Tiger Woods nicht ändern. Lediglich das Spiel mit den Wedges, also Schläge aus 100 und mehr Metern Entfernung zum Grün, übten die beiden intensiv. Denn nach seinen gewaltigen Abschlägen hat Johnson auf Par-4-Löchern meist nur noch eines seiner Wedges in der Hand - und damit gilt es, den Ball nahe an die Fahne zu schlagen.

          Wildes Privatleben

          Über so viel Arbeitsmoral verfügte Johnson nicht immer. Ende 2007 schlug er sich durch alle drei Qualifikationen auf die PGA Tour durch, gewann gleich in seinem ersten Jahr 2008 ein Turnier und wiederholte das Jahr für Jahr. Mittlerweile sind ihm zehn Jahre in Folge Turniersiege gelungen - die längste aktive Serie auf der lukrativsten Tour der Welt. Nur Jack Nicklaus (16 Jahre) und Tiger Woods (14) haben seit 1960 so beständig gesiegt.

          Dennoch galt Johnson lange als ein Mann, dem es genügte, ohne große Anstrengung immer unter den Top 20 der Weltrangliste zu stehen; er galt als Profi, der höhere Ansprüche hinter seinem wilden Privatleben zurückstellte. Offen bekannte er, dass er keine Party ausließ, dass er viel, oft exzessiv Alkohol konsumiert habe: „Es war meine Art, mit Stress umzugehen.“

          Im Juli 2014 nahm er sich eine halbjährige Auszeit vom Golf. Er dementierte heftig die von der PGA Tour nie bestätigte Meldung, er sei wegen Kokain-Missbrauchs gesperrt worden, mietete sich mit seiner Verlobten Paulina Gretzky ein Haus ganz in der Nähe der Schwiegereltern in Sherwood Oaks in Kalifornien. Sechs Tage die Woche spielte er täglich mit Wayne Gretzky Golf. Bei den gemeinsamen Runden hat die Eishockey-Legende seinem künftigen Schwiegersohn vermittelt, dass Talent allein nicht reicht. Die neue Rolle als Vater - im Januar 2015 wurde Sohn Tatum geboren - verstärkte die Ernsthaftigkeit. Jetzt steht er als zwanzigster Profi an der Spitze der 1986 eingeführten Weltrangliste - und auch privat läuft alles nach Plan. Paulina Gretzky verkündete vergangene Woche, dass sie zum zweiten Mal schwanger sei.

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