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Dustin Brown im Gespräch : „Es ist nicht unorthodox, nur spielt keiner mehr so“

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Sein Ziel ist definiert: „Ich würde liebend gerne im Einzel wieder unter die ersten hundert der Weltrangliste kommen“ Bild: AP

Nach seinem Coup gegen den ehemaligen Wimbledonsieger Lleyton Hewitt war der Deutsch-Jamaikaner Dustin Brown plötzlich ein gefragter Mann. Selbst Supersprinter Usain Bolt dürfte ihn jetzt kennen.

          Nach Ihrem spektakulären Sieg gegen Lleyton Hewitt waren Sie plötzlich einer der gefragtesten Spieler der ersten Woche. Hat Sie diese Flut an Interviewanfragen auch überrascht?

          Natürlich, ich hatte das ja so noch nie. An dem Abend nach dem Hewitt-Spiel war ich ja noch eineinhalb Stunden unterwegs von einem Fernsehinterview zum nächsten. Das war das erste Mal, aber es war natürlich ein sehr schönes Gefühl.

          Sie pflegen aber auch eine spektakuläre Spielweise, setzen bedingungslos auf Risiko und gehen bei jeder Gelegenheit ans Netz. So etwas sehen Zuschauer gerne. Kann man sich für so eine Spielweise irgendwann entscheiden, oder steckt das einfach in einem?

          Ich wurde so trainiert. Es ist ja nicht unorthodox, es spielt nur keiner mehr so, weil es eben einfach nicht mehr beigebracht wird. Die meisten spielen ja heute immer gleich von der Grundlinie, aber wenn man die Uhr ein paar Jahre zurückdreht, dann gab es viele, die so gespielt haben wie ich und ans Netz gegangen sind.

          Ist es einfach, jetzt wieder zurückzukehren in den Alltag? Wimbledon ist so etwas wie das Nonplusultra, und nun warten wieder Qualifikationen oder ein Challenger-Turnier in Irgendwo?

          Es geht halt immer weiter. Man darf dem, was war, nicht immer hinterher hängen. Ich muss jetzt dranbleiben und einfach weiterspielen und darf nicht verzweifeln, weil ich hier in der dritten Runde verloren habe. Das war natürlich eine Riesenchance, weil das Feld nach den vielen Überraschungen offen war. Aber auf der anderen Seite hätte ich ja auch unglücklich in der ersten Runde in der Qualifikation verlieren können, das habe ich ja oft genug erlebt. Es ist schon sehr gut gelaufen hier für mich.

          Tennis als Beruf: „Es geht halt immer weiter“

          Sie haben vorher in der Qualifikation bei zwei Turnieren in Nottingham jeweils früh verloren, im Doppel immer hauchdünn im dritten Satz. Gewohnt wurde im Doppelzimmer - das hört sich nicht nach Glamour an.

          Das ist aber keine große Sache, dass man ein Zimmer teilt oder jemandem ein Zimmer gibt, wenn einer mal früher verliert und der andere länger im Turnier bleibt. Da wird unter Freunden gerne geholfen. Man versucht halt immer, die Kosten niedrig zu halten.

          Wie haben Sie denn während des Wimbledon-Turnieres gewohnt?

          In den ersten Tagen in einem Hotel mit meinem Doppelpartner, das Doppelzimmer hatten wir für zwei Tage gebucht. Als ich dann die erste Runde in der Qualifikation gewonnen hatte, mussten wir umziehen, weil unser Hotel voll war. Dann waren wir vier Tage zusammen wieder im Doppelzimmer, und als ich mich für das Hauptfeld qualifiziert hatte, habe ich mir ein Apartment hier in der Nähe der Anlage in Southfields gesucht.

          Ist der Zusammenhalt unter den Spielern, die nicht automatisch einen Platz bei den großen Turnieren bekommen, besser, weil alle das gleiche Leid teilen?

          Das hat damit nichts zu tun. Man ist halt befreundet oder ist nicht befreundet, das hat nichts mit der Rangliste zu tun. Man hat halt jede Woche miteinander zu tun, das ist so wie bei einer normalen Arbeitsstelle. Da gibt es auch Kollegen, mit denen man gut auskommt, und mit denen macht man vielleicht auch was in der Freizeit zusammen, Wir haben ja außerhalb des Tennisplatzes auch ein ganz normales Leben. Da geht man auch schon mal zusammen ins Kino oder was essen oder in ein Konzert. Man kann aber über die verschiedenen Länder reden. Die Spanier und Franzosen sind immer alle dicht zusammen, egal, was die für einen Ranglistenplatz haben. Und generell haben ja nicht alle, die zwischen Platz 100 und 200 stehen, die gleichen finanziellen Probleme. Manche haben reiche Eltern, bei manchen steht ein Verband dahinter, weil der Spieler eben Nummer eins oder zwei des Landes ist, obwohl er in der Weltrangliste nur auf Position 180 steht. Man darf aber nie übersehen, was das für eine Leistung ist. Es gibt viele, die Tennis spielen, aber noch nie einen ATP-Punkt hatten.

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