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Denken wir an Sport (6) : Durchkommen und Erleben im Zehnkampf meines Lebens

Ein Olympiasieg als Helfer: Christian Schenk unterstützt Kommilitonen beim Zehnkampf. Bild: dpa

Die einzelnen Resultate sind letztlich geschenkt: Doch die gemeinsame Laola nach dem Finale, barfuß auf der Tartanbahn im Sonnenschein vor 50 Zuschauern hatte olympische Qualität – und das Gefühl trägt bis heute.

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          Denken wir an Sport ... an was denken wir dann? Und was macht das mit uns? Sieben Sportredakteure der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erzählen in einer Serie jeden Tag ihre ganz persönliche Geschichte.

          Denk ich an Sport, dann denke ich immer wieder gerne an den Zehnkampf während der Olympischen Spiele Anfang August 1992. Allerdings nur in zweiter Linie an die Leistungen, die seinerzeit im Estadi Olímpic Lluís Companys von Barcelona geboten wurden, sondern vielmehr an den beinahe gleichzeitig ausgetragenen Wettbewerb im Unistadion von Mainz. An diesen beiden heißen Sommertagen absolvierten wir, knapp zwei Dutzend Sportstudenten im vierten Semester, die praktische Abschlussprüfung in der Leichtathletik: einen kompletten Zehnkampf an zwei Tagen mit allen Höhen, Tiefen und Tücken.

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          In Barcelona wuchs ein gewisser Paul Meier mit 21 Jahren über sich hinaus; er lag als Führender nach dem ersten Tag auf Medaillenkurs. In Mainz wuchsen alle Beteiligten zusammen, denn es zeigte sich, dass ein Zehnkampf wie alle wahren Prüfungen des Lebens nur gemeinsam gewonnen werden kann. Den meisten von uns ging es dabei nicht um das Erreichen einer maximalen Punktzahl, sondern um das Durchkommen – und das Erleben.

          Unerwartete Unterstützung hatten wir in der Vorbereitung von einer Größe der Szene bekommen: Christian Schenk, 1988 als DDR-Sportler Goldgewinner in Seoul, trainierte mittlerweile beim USC Mainz. Nun zeigte uns der Olympiasieger ein paar Kniffe beim Diskuswerfen und nannte uns „Athleten“. Mit seinem Trainer Holger Schmidt hatte Schenk sich zwischenzeitlich als Mitbegründer des Zehnkampfteams positioniert, das den sauberen Wettkampf ohne Doping propagierte. Das T-Shirt mit dem Slogan „No-Dope-Decathlon“ empfand ich als Zeichen einer Klubmitgliedschaft und trug es mit Begeisterung, auch wenn ich nicht ganz in das XL-Format passte.

          Die einzelnen Resultate des Zehnkampfs, letztlich geschenkt, aber doch notiert: 100 Meter in 12,2 Sekunden und Hürdensprint in 17,1 waren meine besten Disziplinen. Kugelstoßen mit dem schweren 8,25-Kilo-Eisen (8,41 Meter) ein Debakel. Beim Stabhochspringen (2,70 Meter) zählte vor allem, es überhaupt gewagt zu haben. Den 1500-Meter-Lauf absolvierte ich nicht für mich allein, sondern zog in einem zweiten Durchgang noch zwei Kommilitonen hinter mir her, damit sie die nötige Zielzeit erreichten, um die Prüfung zu bestehen.

          In Barcelona wurde Meier am Ende Sechster. Schenk hatte wegen einer Verletzung nicht teilnehmen können. Meine Werte reichten für eine 3- nach Uni-Bewertung. Die umgerechnete Gesamtpunktzahl (4681) erzielen echte Zehnkämpfer an einem Tag. Doch die gemeinsame La-Ola nach dem Finale, barfuß auf der Tartanbahn im Sonnenschein vor 50, 60 Zuschauern hatte olympische Qualität – und das Gefühl trägt bis heute.

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