https://www.faz.net/-gtl-8lx0f

Start des Ryder Cup : Der Kritiker ist selbst gefordert

  • -Aktualisiert am

Mit vollem Schwung: Phil Mickelson Bild: AFP

Phil Mickelson hat in Amerika nach den jüngsten Niederlagen beim Ryder Cup mit dem Turnier abgerechnet. Nun steht er vor dem nächsten Duell mit Europa abermals im Aufgebot. Ist er dem Druck gewachsen?

          3 Min.

          Die jüngere Geschichte im Ryder Cup sieht für die besten amerikanischen Golfer vor der an diesem Freitag im Hazeltine National Golf Club in Chaska (Minnesota), einem Vorort von Minneapolis, beginnenden 41. Auflage ziemlich trostlos aus: Sie haben die vergangenen drei der letzten sieben und acht der letzten zehn Team-Wettbewerbe gegen die Europa-Auswahl verloren - eine bittere Bilanz für ein Team, das in diesem alle zwei Jahre ausgetragenen Prestigeduell immer deutlich stärker scheint, zumindest wenn man die Weltranglistenplätze der Spieler als Maßstab nimmt.

          Aber die sogenannte Papierform ist eine Sache, was dann auf dem Rasen passierte, sah ganz anders aus - und das ärgert Phil Mickelson gewaltig, der dieses Kräftemessen im Lochspiel liebt, obwohl diese Zuneigung nur selten erwidert wurde. Nach der letzten deutlichen, bitteren Schlappe im Gleneagles Hotel and Golf Resort in Schottland vor zwei Jahren kritisierte der kalifornische Linkshänder in der abschließenden Pressekonferenz den damals 65 Jahre alten Kapitän Tom Watson heftig als „Old School“, in dem er den letzten siegreichen amerikanischen Skipper Paul Azinger (2008 in Louisville) über den grünen Klee lobte. Mickelson wurde wegen dieses Fauxpas heftig kritisiert, zumal wohl auch Enttäuschung darüber mitspielte, dass er am Samstag überhaupt nicht eingesetzt worden war.

          Treibende Kraft im Hintergrund

          Aber Mickelsons Kritik stieß bei der PGA of America, die den Ryder Cup in den Vereinigten Staaten veranstaltet, auf offene Ohren. Mickelson hatte geklagt, dass auf die Belange der Spieler zu wenig Rücksicht genommen werde und die Amerikaner deshalb nicht wie ihre europäischen Widerparts bei diesem Kräftemessen in Bestform antreten können. Eine elfköpfige „Task Force“ wurde mit Mickelson, Tiger Woods und Rickie Fowler, drei ehemaligen Kapitänen, sowie drei Offiziellen der PGA gebildet, aber diese Arbeitsgruppe aufgelöst, nachdem Davis Love III zum zweiten Mal nach 2012 zum Kapitän ernannt wurde.

          Doch Mickelson gehörte weiterhin zum Ryder-Cup-Komitee und wirkte im Hintergrund als einer der treibenden Kräfte, um endlich einmal wieder der größten Golfnation der Welt im größten Spektakel des Sports ein Erfolgserlebnis zu bescheren. Denn Mickelsons Wort hat Gewicht - bei Offiziellen und Kollegen. Der Weltranglistenvierte Jordan Spieth, der gerade einmal zwei Jahre alt war, als Mickelson 1995 erstmals im Ryder Cup antrat, sagt: „Er hat einen großen positiven Einfluss, er bringt Intensität und Feuer ins Team.“ Team-Kollege Matt Kuchar fügt an: „Er ist für uns wie ein großer Bruder. Alle haben großen Respekt vor ihm. Er hat alles erlebt, er hat so viel Erfahrung.“

          Telefonate mit Woods: Mickelson stimmt sich mit dem einstigen Superstar ab
          Telefonate mit Woods: Mickelson stimmt sich mit dem einstigen Superstar ab : Bild: AP

          Denn kein Amerikaner hat mehr Matches im Ryder Cup (45) absolviert als der Publikumsliebling aus San Diego. In diesem Jahr spielt „Leftie“, wie ihn amerikanischen Medien gerne nennen, bereits zum elften Mal mit - und immer qualifizierte er sich für das Team, benötigte nie einen der „Captain’s Picks“, also einen der Freiplätze, die der Kapitän nach eigenem Gutdünken vergeben kann, eine Tatsache, auf die der mittlerweile 46 Jahre alte Sieger von fünf Majors besonders stolz ist. „Es ist kein Geheimnis, dass man nur Erfolg haben kann, wenn man ein richtiges Team, eine echte Partnerschaft hat, in denen jeder den anderen zu neuen Höhen mitzieht. Dazu braucht man Kontinuität, Unterstützung und eine Strategie. Oder anders ausgedrückt: Die Spieler müssen den Ryder Cup besitzen“, sagt Mickelson.

          So sei in diesem Jahr alles anders: Zum ersten Mal haben alle, der Kapitän, die zwölf Spieler, die fünf Vice Captains, gemeinsam daran gearbeitet, für das Team ideale Bedingungen zu schaffen. Dabei kam es sogar zu ganz neuen, engen Verbindungen. Wie Mickelson erzählte, telefonierte er vor dem Ryder Cup fast täglich mit Tiger Woods, einem der Vice Captains.

          Dabei ist noch in allzu guter Erinnerungen, wie die beiden, die sich lange in tiefer gegenseitiger Abneigung verbunden waren, 2004 im Ryder Cup bei ihren gemeinsamen Auftritten im Vierer kein Wort miteinander redeten und von den europäischen Außenseitern düpiert worden waren. „Damals habe ich zwei Tage vor Beginn des Ryder Cups erfahren, dass ich mit Tiger spielen soll. Wir spielten aber mit unterschiedlichen Bällen und ich musste mich plötzlich an einen vollkommen anderen Ball gewöhnen“, erinnerte sich Mickelson an die Pleiten, die als Katalysator für den Sieg des damals von Bernhard Langer geführten Europa-Teams dienten.

          Unbenanntes Dokument

          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

          Die ganze F.A.Z. in völlig neuer Form, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken, optimiert für Smartphone und Tablet. Jetzt gratis testen.

          In diesem Jahr sind die zwölf Spieler auf Wunsch von Mickelson wie bei dem bis dato letzten Heimsieg der Amerikaner 2008 wieder zum „Pod System“ zurückgekehrt, in dem drei Vierergruppen gebildet wurden. Die Spieler wissen schon lange, mit wem sie am Freitagmorgen im „Klassischen Vierer“ antreten werden, bei dem beide Spieler abwechselnd einen Ball spielen. „Auf niemanden lastet bei diesem Ryder Cup mehr Druck als auf Mickelson“, behauptet der Ire Paul McGinley, der Kapitän der zuletzt siegreichen Europäer.

          Denn diesmal ist bisher alles nach dem Willen von Mickelson gelaufen - höchste Zeit also, auch seine nicht gerade glänzende persönliche Bilanz zu verbessern. Mickelsons 16 Siegen stehen 19 Niederlagen und sechs geteilte Matches im Einzel, Klassischen Vierer und Vierball gegenüber - Zeit also, sich als Motor und treibende Kraft mit einem Heimsieg als einer der künftigen Kapitäne zu empfehlen, vielleicht schon für die nächste Auflage 2018 im Le Golf National nahe Paris.

          Die Mannschaften beim Ryder Cup

          Europa:
          Kapitän Darren Clarke (48 Jahre/Nordirland).
          Rory McIlroy (Nordirland/27 Jahre/Weltranglistenposition 3/Ryder-Cup-Teilnahmen: 3);
          Henrik Stenson (Schweden/40/5/3);
          Danny Willett (England/28/10/-);
          Justin Rose (England/36/11/3);
          Sergio Garcia (Spanien/36/12/7);
          Rafa Cabrero-Bello (Spanien/32/30/-);
          Chris Wood (England/28/32/-);
          Thomas Pieters (Belgien/24/42/-);
          Matthew Fitzpatrick (England/22/44/-);
          Lee Westwood (England/43/46/9);
          Andy Sullivan (England/30/50/-);
          Martin Kaymer (Mettmann/31/48/3).

          Vereinigte Staaten von Amerika:
          Kapitän Davis Love III (52)
          Dustin Johnson (32 Jahre/Weltranglistenposition 2/Ryder-Cup-Teilnahmen: 2);
          Jordan Spieth (23/4/1);
          Patrick Reed (26/8/1);
          Rickie Fowler (27/9/2);
          Phil Mickelson (46/15/10);
          Jimmy Walker (37/16/1);
          Matt Kuchar (38/17/3);
          J.B. Holmes (34/21/1);
          Brooks Koepka (26/22/-);
          Brandt Snedecker (35/23/1);
          Zach Johnson (40/28/4),
          Ryan Moore (33/31/-).

          Weitere Themen

          „Wie ist man mit 13 schon auf Weltniveau?“ Video-Seite öffnen

          Olympia-Video aus Tokio : „Wie ist man mit 13 schon auf Weltniveau?“

          Die ersten Olympia-Tage in Tokio sind vorbei. Die F.A.Z.-Reporter sprechen über die Eindrücke. Wie groß ist die Begeisterung vor Ort? Wie sind die neuen Sportarten? Und wie schlagen sich die Deutschen?

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.