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Verletzter NBA-Star : Droht Nowitzki das Karriereende?

Nur noch im feinen Zwirn unterwegs: Im Basketball-Trikot war Dirk Nowitzki zuletzt nicht zu sehen Bild: AP

Seit Wochen fehlt Dirk Nowitzki den Dallas Mavericks. Ob und wann der Basketballstar wieder in der NBA spielen wird, weiß niemand. Sein Mentor gibt sich zuversichtlich – doch die Indizien, dass bald Schluss ist, häufen sich.

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          Dirk Nowitzki besitzt viele Anzüge, davon konnten sich die Zuschauer in Dallas in den vergangenen Wochen überzeugen. Zum Spiel gegen die San Antonio Spurs erschien er in einem grauen Exemplar, dazu trug er ein helles Hemd und ein Einstecktuch in Tiger-Optik. Für die Partie gegen Charlotte wählte er einen braunen Anzug mit einem rosafarbenen Hemd. Gegen die Sacramento Kings stand Nowitzki im beigefarbenen Zweiteiler neben der Auswechselbank. Am vergangenen Mittwoch tauchte  der Achtunddreißigjährige schließlich im schwarzen Anzug im American Airlines Center auf und sah, wie die Dallas Mavericks 85:95 gegen die Detroit Pistons verloren.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es war bereits die 19. Niederlage für die Mavericks in dieser NBA-Saison, am Freitag kam in Utah (100:103) die 20. hinzu. Erst sieben Mal konnte das Team gewinnen, zuletzt am Sonntag gegen die Sacramento Kings (99:79). Kein Team in der Western Conference ist schlechter, das Erreichen der Play-offs scheint für Dallas schon jetzt ein unrealistisches Ziel – auch weil Nowitzki seit dem 23. November nicht mehr in seinem Trikot mit der Nummer 41 aufgelaufen ist.

          Erfahrung und Treffsicherheit fehlen

          Seit Wochen bereitet dem Deutschen seine rechte Achillessehne Probleme, sie schmerzt noch immer so sehr, dass an einen Einsatz weiterhin nicht zu denken ist. Nach der Niederlage gegen Detroit sagte Mavericks-Trainer Rick Carlisle: „Dirk fällt weiterhin auf unbestimmte Zeit aus.“ Für das Team ist das ein echtes Problem. Denn Nowitzki fehlt mit seiner Erfahrung und Treffsicherheit, außerdem war er es, der in den vergangenen Jahren zumeist die Verantwortung übernahm, wenn es heiß herging in den Spielen.

          Die Würfe selbst bereiten Nowitzki keine Schwierigkeiten, es ist das Laufen, das ihm Stiche in die Achillessehne versetzt. In den vergangenen Tagen hat er sich deshalb kaum bewegt, die Verletzung soll zunächst vollständig ausheilen. Danach will er die Intensität Stück für Stück steigern. Ins Mannschaftstraining aber wird er auch weiterhin noch nicht einsteigen. „Das tut schon weh. Aber da kann man jetzt nichts machen, da muss man jetzt durch“, sagte Nowitzki in der vergangenen Woche. „Ich war in meiner gesamten Karriere sehr glücklich, dass ich nie wirklich aussetzen musste. Deswegen bin ich es auch nicht gewohnt, an der Seitenlinie zu sitzen und nicht helfen zu können. Das ist schon ein dummes Gefühl.“

          Seit 18 Jahren gehört Nowitzki inzwischen der NBA an, 1345 Spiele hat er in dieser Zeit für die Mavericks absolviert. Vor allem seinetwegen gewann der Klub 2011 erstmals die Meisterschaft. Nowitzki verzichtete zudem mehrmals freiwillig auf etliche Millionen, um den finanziellen Spielraum für den Verein zu vergrößern, damit andere Top-Spieler verpflichtet werden konnten. Doch so sehr sich die Verantwortlichen in Dallas auch bemühten, die Besten der Liga unterschrieben stets woanders gutdotierte Verträge. Nowitzki blieb der einzige Starspieler der Mavericks. Doch nach dieser Spielzeit könnte der Klub nun auch noch ihn verlieren, das deutete er zuletzt immer wieder an. Dabei hatte der gebürtige Würzburger erst im Sommer seinen Vertrag um zwei weitere Jahre verlängert. Fünfzig Millionen Dollar sollte er dafür erhalten und dann nach seiner zwanzigsten NBA-Saison seinen Rücktritt erklären. Das war der Plan, aber was ist der heute noch wert?

          Selbst seine Teamkollegen machen inzwischen schon Witze über Nowitzki. Als die Mavericks in der vergangenen Woche ein Altersheim in Dallas besuchten, fragte einer: Warum haben wir einen Auftritt bei Dirk zu Hause? Das berichtete der Deutsche selbst über seinen Twitter-Account.

          Anruf bei Holger Geschwindner, dem Berater, Vertrauten und persönlichen Trainer von Nowitzki. Ob er sich Sorgen mache um seinen Spieler? „Ach was, auf gar keinen Fall. Unsere Devise war schon immer: Die Gesundheit geht vor, insofern ist das alles sehr vernünftig, was dort in Dallas gerade passiert.“ Aber inzwischen spreche Nowitzki doch sogar schon vom Karriereende. „Was soll er denn auch sagen?“, fragt Geschwindner. „Der Kopf eines verletzten Körpers denkt anders als der eines gesunden Körpers.“

          71 Jahre ist Geschwindner inzwischen alt, auch im vergangenen Sommer hat er wieder intensiv mit Nowitzki trainiert, neue Bewegungen und neue Wurfvarianten einstudiert. „Da wird noch einiges kommen, wenn Dirk wieder fit ist“, verspricht Geschwindner. Der Hakenwurf, an dem das Duo schon seit Jahren arbeitet? „Ja, das ist eine Sache. Aber es gibt noch einiges mehr. Können tut er all das, das hat Dirk im Training bewiesen. Die Frage ist, ob er es sich auch im Ernstfall zutraut.“ Wenn Nowitzki wieder fit sei, zurück im Mannschaftstraining und im Spielbetrieb der Mavericks, wolle Geschwindner nach Dallas fliegen. „Dann arbeiten wir weiter“, sagt er.

          Eine Aufgabe, die sich Nowitzki für die Zeit nach seiner Karriere ebenfalls gut vorstellen könne. Trainer wolle er nicht werden, als ein persönlicher Ratgeber für Talente aber sehe er sich sehr wohl. Lebensmittelpunkt der Familie soll auch dann noch Dallas sein. Mit seiner Frau Jessica Olsson hat Nowitzki inzwischen drei Kinder, nach Malaika (4 Jahre) und Max (1) wurde erst vor wenigen Wochen Morris geboren. „Es geht ganz schön rund bei uns zu Hause, und es wird noch verrückter. Aber ich finde es einfach toll“, sagte Nowitzki.

          Geschwindner aber glaubt, dass es doch dauert, ehe aus Nowitzki ein Vollzeit-Familienvater werde: „Ich bin sehr zuversichtlich, was seine Zukunft als Basketballer angeht. Es ist noch nicht zu Ende.“

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