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Drohnen-Rennen : Die Formel 1 der Generation Youtube

Durch die grüne Hölle: die Drohnen auf ihrem Weg ins Ziel Bild: Drone Racing League

Flieger, grüß mir die Drohne: Aufwendig gefilmte und dramatisch inszenierte Drohnen-Rennen sollen im Stadion ein Star-Wars-Gefühl vermitteln. Nur: Zuschauer sind nicht live dabei. Ist das wirklich der Sport der Zukunft?

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          Das soll also die Zukunft des Sports sein. Drei zum Teil sehr bärtige Männer in Kapuzenpullovern sitzen auf einer ansonsten leeren Stadiontribüne in Miami, haben Videobrillen über die Augen gestülpt und schieben mit ihren Fingern einen Joystick hin und her. Sie steuern damit Fluggeräte, die wie kleine Raumschiffe mit Lichtern aussehen, durch einen mit Neonlichtern abgesteckten Parcours quer durch das Stadion und dessen Katakomben. Die Typen mit den Brillen nennen sich „Flyingbear“, „Spaztic“ oder „Furadi“ und sind Pioniere einer neuen Szenesportart – des Drohnen-Rennens.

          In der vergangenen Woche ist in den Vereinigten Staaten die Drone Racing League (DRL) an den Start gegangen. Eine Art Formel1 für die neue Generation der eSport-Begeisterten, also jener zumeist jungen Männer, die, statt Fußball- oder Handballspiele anzuschauen, lieber anderen Jungs dabei zusehen, wie sie vor Zehntausenden Zuschauern professionell gegeneinander in Computerspielen wetteifern. Zu sehen bekommen hat das erste Rennen der DRL allerdings niemand. Zumindest nicht live im Stadion. Denn der Auftakt der Drone Racing League fand bereits im Dezember statt, Fans und Interessierte bekommen das Event aber erst jetzt präsentiert – als aufwendig produzierte, sorgfältig dramatisierte und in regelmäßigem Abstand veröffentlichte Youtube-Häppchen im Internet.

          Live-Erlebnis wird vollkommen missachtet

          Zwei Monate nach dem eigentlichen Start rasen die Quadcopter – die Drohnen in der Rennserie – mit vielen Bässen unterlegt durchs Video. Zahlreiche Schnitte, Super-Zeitlupen und eingespielte Kommentare der Piloten machen aus drei 90-Sekunden-Flügen durch den Stadion-Parcours einen Film von zehn Minuten Länge – an dessen Ende aber noch lange nicht der Champion des ersten Rennens feststeht. Perfekt für die Zielgruppe der unter Dreißigjährigen aufbereitet, veröffentlichten die Veranstalter auf ihrer Homepage und dem dazugehörigen Youtube-Kanal zunächst nur die Videos der Vorrunde. Fast 40.000 Mal wurden die kurzen Filmchen innerhalb der ersten 16 Stunden angeklickt. Das Halbfinale soll in dieser Woche folgen, das finale Duell wohl weitere sieben Tage später.

          Dass die Drone Racing League damit ein faszinierendes Element des Sports, das Live-Erlebnis im Stadion oder an den Fernsehgeräten, vollkommen missachtet, ist dem Vorsitzenden der DRL bewusst. „Wir erschaffen eine neue Form von Entertainment, die das Digitale mit dem Realen verbindet“, sagt Nick Horbaczewski. Statt nur schöne Bilder vom Picknick im Park zu liefern, sollen die DRL-Drohnen mit ihren aufgebauten hochauflösenden Kameras den Fans ein echtes Star-Wars-Gefühl vermitteln.

          Raumschiffe mit Lichtern: Die Drohnen kurz vor dem Start Bilderstrecke
          Raumschiffe mit Lichtern: Die Drohnen kurz vor dem Start :

          Der Zuschauer soll mit sorgsam ausgewählten Bildern von spektakulären Crashs, riskanten Manövern und spannenden Foto-Finishes begeistert werden – statt sich in einer stundenlangen Live-Übertragung womöglich zu langweilen. Dennoch orientieren sich auch die Drohnen-Racer bei ihren Videos an klassischen Sport-Events: Kommentatoren, die sich mit ihren Stimmen überschlagen, eine junge blonde Reporterin, die Piloten interviewt, und kurze Analysen, warum gerade jene Drohne die schnellste gewesen ist, sollen ein Weltmeisterschaftsgefühl vermitteln.

          Ähnlich wie im eSport können sich aber keine Piloten für die Rennen anmelden und qualifizieren. Sie werden von der DRL ausgewählt, gesponsert und bezahlt. In kurzen Videos werden sie, mit martialischer Musik unterlegt, als furchtlose Helden inszeniert – die am Ende aber doch nur mit ihren Brillen in Sesseln sitzen. Die Drohnen bekommen die Teilnehmer gestellt, sie sind baugleich und sollen so Chancengleichheit garantieren. Doch das Gerücht, dass dabei nicht immer alle Schrauben hundertprozentig festgezogen sind, um mögliche Unfälle noch heftiger aussehen zu lassen, hält sich in der Szene hartnäckig.

          Der wachsenden Begeisterung für das Drohnen-Racing schaden solche Tricks offenbar nicht. Seit dem vergangenen Jahr gibt es immer mehr solcher Wettbewerbe: In den Vereinigten Staaten wird eine nationale Drohnen-Meisterschaft ausgetragen, im März soll in Dubai der „World Drone Prix“ stattfinden, und auf Hawaii wird im Oktober die „Droneworlds“ veranstaltet. Auch in Berlin gab es schon das erste „Dronemasters“. Die Veranstalter locken mit Preisgeldern von bis zu einer Million Dollar, und ein internationaler Verband plant, weltweit geltende Standards und Regeln durchzusetzen.

          Die DRL hat dabei bislang die meiste Aufmerksamkeit bekommen. Das hängt vor allem mit dem finanziellen Budget zusammen. Mehr als acht Millionen Dollar sollen den Gründern für die erste Saison ihrer Rennserie zur Verfügung stehen. Netter Nebeneffekt: Einer der Geldgeber ist der Besitzer des American-Football-Profiteams Miami Dolphins, in dessen Stadion der erste Wettbewerb mit hohem Aufwand produziert wurde. Ob die fünf weiteren geplanten Veranstaltungen ein ähnliches technisches Equipment und einen ebenso anspruchsvoll präparierten Parcours bieten, ist fraglich. Zwar steht der Ort des zweiten Rennens bereits fest, die Ruine eines alten Einkaufscenters in Los Angeles. Doch noch ist unklar, ob, wann und in welchem Umfang die übrigen Rennen der Drone Racing League ausgetragen werden. Womöglich ist der Sport ja doch nur eine Eintagsfliege.

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