https://www.faz.net/-gtl-9ef2v

Tränenflut in Tryon : Zweites Dressur-Gold für Isabell Werth

Isabell Werth und Bella Rose nach ihrem Goldritt. Bild: EPA

„Ich fühle mich mit ihr so sicher“, sagt Dressurreiterin Isabell Werth über ihre Stute Bella Rose. Nach dem Mannschaftssieg gab es auch Gold im Einzel.

          Isabell Werth hat noch längst nicht alle Freudentränen über das grandiose Comeback ihrer Stute Bella Rose geweint. Die Schleusen gingen schon wieder weit auf, als sie am Freitag, einen Tag nach dem Gewinn der Mannschafts-Weltmeisterschaft der Dressurreiter, zum zweiten Mal ganz oben auf dem Siegertreppchen der Weltreiterspiele in Tryon stand – mit ihrer zweiten Goldmedaille bei diesem Championat auf der Brust und dem neunten Weltmeistertitel auf der langen Erfolgsliste ihrer Karriere.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Diesmal war es der Grand Prix Special, den sie überlegen beherrschte. Mit 86,246 Prozentpunkten lag sie mit ihrer 14 Jahre alten westfälischen Fuchsstute weit vor dem Rest der Welt – und das, obwohl ihr diesmal in den fliegenden Galoppwechseln zu zwei Sprüngen gleich zwei Patzer passierten. Das gab zwar Abzüge, aber die erwiesen sich als unbedeutend im Verhältnis zur Gesamtleistung: Die Richter zogen für die Highlights der Bella-Rose-Show, besonders die Piaffen und die damit verbundenen Übergänge Top-Noten. Und wieder schwärmte sie in den höchsten Tönen von ihrem Traumpferd: „Es macht einen Reiter glücklich, solch ein Pferd zu haben.“

          Konkurrentinnen aus Amerika und Großbritannien

          Zweite wurde die Amerikanerin Laura Graves mit Verdades, die 81,717 Prozentpunkte bekam, vor dem größten Shooting Star des Turniers: Der britischen Olympiasiegerin Charlotte Dujardin, die ihr Gold-Pferd Valegro nach den Spielen von Rio verabschiedet hatte. Mit der neunjährigen Stute Freestyle bestritt sie erst den dritten Grand Prix Special und überwand mit 81,489 Prozentpunkten trotzdem bereits die 80-Prozent-Grenze, bei der die absolute Weltklasse beginnt. „Wenn Freestyle mehr Kraft und Sicherheit hat, verspreche ich Isabell einen guten Kampf“, kündigte die Britin an. Es ist zu erwarten, dass Bella Rose mit dieser Stute tatsächlich eine ebenbürtige Gegnerin heranwachsen wird.

          Leidtragender der starken Vorstellungen an der Spitze war der Bad Homburger Student Sönke Rothenberger, der eigentlich nach Tryon gekommen war, um Weltmeister zu werden. Der Grand Prix Special ist eigentlich die von ihm bevorzugte Aufgabe, weil darin die Stärken seines Wallachs Cosmo besonders zur Geltung kommen, wie etwa die Einer-Wechsel, die gleich zweimal gefordert sind. Diesmal allerdings gingen sie gleich zweimal schief. „Ich weiß noch nicht, warum“, sagte er sichtlich geknickt, „vielleicht ist ihm etwas die Luft ausgegangen.“ Die Enttäuschung liege weniger in der entgangenen Medaille als darin, die Top-Leistung am Tag der Entscheidung nicht geliefert zu haben. Die trotz der Fehler immerhin noch 81,277 Prozentpunkte reichten nur zu Platz vier.

          Dorothee Schneider aus Framersheim wurde Elfte mit Sammy Davis jr. (75,608), die vierte Mannschafts-Weltmeisterin, Jessica von Bredow-Werndl, landete mit Dalera auf Rang 16 (73,875).

          Am Sonntag in der Kür winkt Rothenberger noch eine weitere Chance, allerdings besteht die Gefahr, dass der Hurrikan Florence große Regenmassen nach Tryon schicken wird. Der Schauplatz der Weltreiterspiele liegt in North Carolina gut 300 Kilometer westlich der überfluteten Küstenregion. Ob dann ein Dressurwettbewerb überhaupt noch möglich ist, wird sich zeigen. „Wir müssen das Wetter abwarten“, sagte Isabell Werth. „Was ich habe, das habe ich schon. Und was kommt, das kommt.“ Sprach’s und verschwand eiligst aus der Pressekonferenz in Richtung Krankenhaus in Spartanburg. Dort war Bella Roses Besitzerin Madeleine Winter-Schulze nach einem Sturz im Stall an einem Oberschenkelhalsbruch operiert worden. Isabell Werth brachte ihr die Medaille mit einem Glas Champagner ans Krankenbett.

          Weitere Themen

          Deutsches Gold nach Angst, Zweifel und Pech

          Dressurreiter bei EM : Deutsches Gold nach Angst, Zweifel und Pech

          Die deutschen Dressurreiter werden mit Leichtigkeit Europameister. Der Vorsprung ist enorm. Meisterin Isabell Werth ist begeistert und spricht ein großes Wort. Doch hinter den Reitern liegen schwere Momente.

          Topmeldungen

          Jeder hat sein Kreuz zu tragen: Matteo Salvini am Strand auf Sizilien.

          Italienische Regierung : Ohne den Segen des Papstes

          Italiens Innenminister Salvini gibt sich gerne als gläubiger Christ. Damit hat er den Zorn Franziskus’ auf sich gezogen – und am Ende auch den des scheidenden Ministerpräsidenten Conte.

          An Scholz’ Seite : Manchmal liegt das Glück ganz nah

          Das Rennen um den SPD-Vorsitz geht weiter: Wofür die Kandidatin an Scholz’ Seite steht – und wieso der erfolgsverwöhnte Niedersachse Stephan Weil plötzlich beschädigt ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.