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Dressur- und Spring-EM : Hindernisreiten in Windsor

  • -Aktualisiert am

Eine von vielen Deutschen, die in Windsor fehlt: Dressurreiterin Isabell Werth Bild: dpa

An diesem Dienstag beginnt im Schlosspark zu Windsor die EM in Dressur und Springen. Der Spaßfaktor ist für die deutschen Starter diesmal so niedrig wie nie. Denn gleich drei kaum zu überwindende Hindernisse stehen ihnen im Weg.

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          Welch ein düsterer Ritt! Wenn an diesem Dienstag im Schlosspark zu Windsor die Europameisterschaften in Dressur und Springen beginnen, müssen sich die deutschen Reiter mächtig zusammennehmen. Der Spaßfaktor ist für sie so niedrig wie nie. Gleich drei kaum zu überwindende Hindernisse stehen ihnen im Weg: eine Kombination aus Dopingkrise und Verletzungsmisere im Dressur-Viereck; eine dezimierte und in ihrer Reputation schwer beschädigte Springreiter-Equipe; dazu wildes Schießen aus dem Hinterhalt auf die Verbandsführung, mittlerweile sogar auf Präsident Breido Graf zu Rantzau.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Der Adelige aus Holstein allerdings ist fest entschlossen, die Deutsche Reiterliche Vereinigung höchstpersönlich aus ihrer Glaubwürdigkeits- und Leistungskrise zu führen. Zu Angriffen seitens mehrerer Landespräsidenten in Kooperation mit unzufriedenen Turnierveranstaltern erklärt Rantzau: „Ich lasse mich nicht aus dem Amt jagen.“ Gegen Ende der Woche wird der Bericht der Untersuchungskommission erwartet, die im Auftrag des Weltverbandes FEI der Frage nachging, ob sich die deutschen Funktionäre im Fall „Cornet Obolensky“ korrekt verhalten haben. Der Schimmelhengst war bei den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr ohne Genehmigung medizinisch behandelt und trotz eines Schwächeanfalls weiter eingesetzt worden.

          Schon jetzt steht fest, dass der deutsche Verband sich nicht mit dem gewohnten Dressur-Gold wird trösten können. Die beiden Titel werden sich die Niederländer – nach ihrem schwer erkämpften EM-Sieg vor zwei Jahren in Turin diesmal überlegene Favoriten – nicht nehmen lassen. Sjef Janssen, der streitlustige Bondscoach, hat schließlich jahrelang auf eine Schwächephase der lange übermächtigen Deutschen gewartet. Er bietet in Windsor natürlich wieder seine Frau und Olympiasiegerin Anky van Grunsven mit Salinero auf. Trumpf-As aber ist Edward Gal mit Totilas, der im Juli in Hickstead mit astronomischen Noten für Staunen sorgte: In der Kür erhielt er den Weltbestwert von 89,4 Prozent – ein Punkte-Feuerwerk.

          Präsident Breido Graf zu Rantzau (l.) will die Deutschen aus der Krise führen, Ludger Beerbaum ist in Windsor nicht am Start
          Präsident Breido Graf zu Rantzau (l.) will die Deutschen aus der Krise führen, Ludger Beerbaum ist in Windsor nicht am Start : Bild: picture-alliance/ dpa

          Deutsche geschwächt durch unheimlich anmutende Verletztenliste

          Die deutschen Dressurreiter hingegen haben ihr Pulver schon in den Monaten vor den Europameisterschaften verschossen. Isabell Werth (Rheinberg) ist durch ihren laufenden Dopingfall verhindert, und ihre Schwangerschaft ist schon weit fortgeschritten. Dazu kommt eine unheimlich anmutende Verletztenliste: Heike Kemmers Bonaparte ist ebenso wenig einsatzfähig wie Nadine Capellmanns Elvis und Ulla Salzgebers Herzrufs Erbe.

          Auch aus der zweiten Reihe erhielt Bundestrainer Holger Schmezer mehrere Absagen, so dass er nun auf den „Restbestand“ zurückgreift. An diesem Dienstag werden die vierzigjährige Debütantin Susanne Lebek aus Braubach bei Koblenz mit Potomac und Ellen Schulten-Baumer (Rheinberg) mit Donatha an den Start gehen. Letztere hat immerhin Championats-Erfahrung. Nach einem Sturz, bei dem sie eine Gehirnerschütterung erlitt, wurde sie gerade noch rechtzeitig wieder fit.

          Am Mittwoch wird der 25 Jahre alte Neuling Matthias Alexander Rath (Kronberg) mit Sterntaler versuchen, seiner Rolle als Führungsfigur des deutschen Teams gerecht zu werden. Die erfahrene Monica Theodorescu (Sassenberg) mit Whisper ergänzt das Quartett, das antreten wird, um wenigstens noch die Silbermedaille für Deutschland zu retten.

          Ludger Beerbaum hat zur Zeit kein geeignetes gesundes Pferd

          Auch die Springreiter haben einen harten Sommer hinter sich. Marco Kutscher, der Reiter von Cornet Obolenksy bei Olympia, konnte zwar unter leicht zu erfüllenden Auflagen wieder in den Championatskader zurückkehren. Doch er ist lediglich als Ersatzmann dabei. Titelverteidigerin Meredith Michaels-Beerbaum will ihrem sechzehnjährigen Shutterfly die Strapaze nicht zumuten – bereits vor zwei Jahren war das Pferd mit Hilfe einer umstrittenen Kortisonspritze für die EM fit gemacht worden – und sattelt Checkmate.

          Marcus Ehning auf Plot Blue und Carsten-Otto Nagel mit Corradina werden flankiert von einem Amateurreiter, dem Hotelier Thomas Mühlbauer aus Kötzting in Bayern mit dem Hengst Asti Spumante. Ludger Beerbaum (Riesenbeck), der Wortführer der deutschen Springreiter, gehört diesmal nicht zum Team – er hat zur Zeit kein geeignetes gesundes Pferd. Wenigstens von dieser Seite droht dem Verband also kein neuer Ärger.

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