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Dressur-Trainerin Theodorescu : Auf den Spuren ihres Lebens

  • -Aktualisiert am

Monica Theodorescu, Bundestrainerin der deutschen Dressurreiter. Bild: dpa

Ohne Aachen, ohne Reitsport gäbe es ihre Familie nicht. Dressur Bundestrainerin Monica Theodorescu schaut auf eine ganz besondere Geschichte zurück.

          6 Min.

          Monica Theodorescu spricht vier Sprachen, Deutsch, Französisch, Englisch und Italienisch. Am meisten aber fällt auf, wie gut sie schweigen kann. Wenn sie eine Frage nicht beantworten will, presst sie die Lippen aufeinander und tut so, als zöge sie einen Reißverschluss zu. Steckt irgendein Geheimnis hinter der Infektion des Pferdes Cosmo, das eigentlich diese Woche beim CHIO in Aachen starten sollte? Reißverschluss. Hat der Reiter Sönke Rothenberger die Verbandsleute überhaupt ausreichend informiert? Reißverschluss. Und das ist nur ein aktuelles Beispiel. Reißverschlüsse gab es in der Vergangenheit auch immer wieder zum Thema Totilas und seiner Gesundheit. Näher dran an den deutschen Dressurpferden, die der Nation regelmäßig internationale Medaillen einspielen, sind nur deren Reiter und Besitzer.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Monica Theodorescu ist seit 2012 die Bundestrainerin, und eines ihrer Erfolgsgeheimnisse ist ihre Diskretion. Minutenlang kann sie neben einem allzu neugierigen Frager herlaufen, ohne dass sie ein einziges Wort verliert. Dass sie so gut schweigen kann, ist ein Erbstück. „Das habe ich von meinem Vater.“ George Theodorescu beherrschte die Kunst der Diplomatie, er hatte notgedrungen gelernt, wann man sich besser zurückhält. Obwohl er neben den Sprachen, die seiner Tochter zur Verfügung stehen, auch noch Rumänisch konnte, das Idiom seiner Heimat. „Aber er hat gesagt, Rumänisch musst du nicht lernen“, erzählt Tochter Monica. „Da kommen wir nie mehr hin.“

          Wenn die 55 Jahre alte Bundestrainerin mit raschem Schritt über das Gelände der Aachener Soers eilt, hat sie keine Zeit, über die Vergangenheit nachzudenken. Dabei wandelt sie Schritt für Schritt auf den Spuren ihres eigenen Lebens und ihrer Eltern. „Ohne Aachen, ohne den Reitsport wäre ich irgendwer ganz anderes. Oder es gäbe mich gar nicht.“ Beim CHIO in Aachen sind sich ihr Vater George und ihre Mutter Inge im Jahr 1956 zum ersten Mal begegnet, er ritt Dressur, sie Springen. Inge hieß damals mit Nachnamen Winkler, sie war noch mit dem berühmten Hans Günter Winkler verheiratet, der erst jüngst mit 91 Jahren verstorben ist, und für den sie am Mittwoch auf dem großen Springplatz eine Gedenkfeier abgehalten haben. Die beiden heirateten 1961 in Bremen, und im März 1963 wurde Tochter Monica geboren, die spätere Medaillensammlerin der Familie.

          Das Talent liegt in der Familie

          George Theodorescu war zu diesem Zeitpunkt noch nicht lange in Deutschland. Er stammte aus großbürgerlichem Hause in Rumänien, studierte dort Jura und arbeitete von 1949 bis 1952 als Rechtsanwalt in Bukarest, dann allerdings steckte ihn das kommunistische Regime aufgrund seiner politischen Aktivitäten in eine Eisengießerei. „Ein paarmal war er eingesperrt“, erzählt die Tochter. Trotz allem gelang es ihm weiter, Dressur zu reiten, offenbar aufgrund von Kontakten zum Militär. 1956 startete er sogar für sein Land bei den Olympischen Spielen in Stockholm, als einziger Zivilist in einer uniformierten Mannschaft. Drei Jahre später gelang es ihm, wiederum beim CHIO, seinen Bewachern zu entkommen und sich abzusetzen. Am Tag des klassischen „Abschieds der Nationen“, an dem das Publikum traditionell weiße Taschentücher schwenkt, begann für George Theodorescu das Leben in der ersehnten Freiheit. Er flüchtete zunächst für ein paar Tage über die nahe gelegene Grenze nach Belgien, dann nahm ihn die kleine, aber wohlhabende deutsche Dressur-Familie bei sich auf. „Er war ein politischer Flüchtling“, sagt Monica Theodorescu. Und er integrierte sich schnell.

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